Niedrigzinsumfeld zwingt Mittelstand zum Umdenken bei der Geldanlage

30.09.15 08:49

Commerzbank: längere Laufzeiten gefragt

Von Antonia Kögler

Der Mittelstand fängt an, bei der Geldanlage umzudenken – das Niedrigzinsumfeld zwingt ihn dazu. Vor allem bei den Laufzeiten drehen die Unternehmen an der Stellschraube. Aber auch die Wahl der Anlageform ändert sich.

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Das Niedrigzinsumfeld setzt den Mittelstand bei der Geldanlage unter Druck.

Das Niedrigzinsumfeld setzt den deutschen Mittelstand bei der Geldanlage unter Druck. Auch das Thema Strafzinsen schlägt nach wie vor Wellen: 16 Prozent der Unternehmen wurden bereits von Bankenseite mit negativen Zinsen konfrontiert. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Fachhochschule des Mittelstands in Zusammenarbeit mit der Commerzbank. Laut Prof. Volker Wittberg, dem wissenschaftlichen Leiter der Studie, hat deshalb in den vergangenen Monaten erstmals ein Umdenken bei den Mittelständlern stattgefunden: „67 Prozent der Befragten sind bereit, für eine höhere Verzinsung Kursschwankungen und längere Laufzeiten in Kauf zu nehmen.“ Rund die Hälfte der befragten Unternehmen mit einem Umsatz zwischen 5 und 50 Millionen Euro hat derzeit einen Anlagebedarf. Mit durchschnittlich 5,9 Millionen Euro ist bei ihnen das Anlagevermögen so hoch wie nie.
 
Konkret hat rund ein Drittel der befragten Unternehmen aufgrund der Niedrigzinsen die eigene Anlagestrategie verändert. 13 Prozent der Unternehmen haben die Laufzeiten ihrer Anlagen verändert. Nur noch 38 Prozent der Unternehmen legen ihre Gelder in Laufzeiten unter sechs Monaten an. 2013 waren es hingegen noch mehr als die Hälfte. Einen deutlichen Sprung auf der Beliebtheitsskala haben Laufzeiten zwischen sechs Monaten und einem Jahr gemacht, worauf rund jeder dritte Befragte (32 Prozent) setzt. Andererseit haben Laufzeiten von über einem Jahr haben wieder etwas an Bedeutung verloren. Nach Einschätzung der Studienautoren schrecken Mittelständler, die in geringverzinsliche Produkte investieren, davor aus Angst vor Kursverlusten bei einer Zinswende zurück.

Mittelstand rechnet mit anhaltendem Niedgrigzinsumfeld

Allerdings rechnen die wenigsten derzeit damit, dass das Zinsniveau schnell steigt. „57 Prozent der Mittelständler gehen davon aus, dass das Niedrigzinsumfeld in der Euro-Zone noch rund drei Jahre andauern wird. Weitere 29 Prozent tippen sogar auf fünf Jahre“, sagt Wittberg.

Den drastischsten Einschnitt bei der Verteilung der Gelder gibt es bei Sichteinlagen und laufenden Konten. Während 2014 noch 86 Prozent diese Formen zur Geldanlage genutzt haben, sind es derzeit nur noch 75 Prozent. Und der Anteil soll noch weiter zurückgehen. Dafür steigt die Nachfrage nach längerfristigen Fondslösungen. Unternehmen wollen ihre Anteile in Aktien-, Garantie-, und Immobilienfonds und bei nachhaltigen und alternativen Anlagen hochschrauben.

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