Mittelstand mit neuer Anlagestrategie

12.10.17 10:04

Commerzbank-Studie: Mittelständler überdenken Geldanlage

Von Andreas Mehring

Die Niedrigzinspolitik der EZB zwingt deutsche Mittelständler zum Umdenken. Die bisherigen Anlagestrategien ziehen nicht mehr und somit tendieren viele Unternehmen zu Alternativen.

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Die EZB setzt deutsche Mittelständler mit ihrer Niedrigzinspolitik unter Druck. Die Unternehmen suchen nach neuen Anlagemethoden.

Die Politik der Europäischen Zentralbank scheint langsam Wirkung zu entfalten: Der deutsche Mittelstand legt weniger Geld auf die hohe Kante, sondern investiert es stattdessen. Das zeigt eine aktuelle Studie der Fachhochschule des Mittelstands und der Commerzbank. „Die Investitionszurückhaltung hat in den Unternehmen abgenommen“, sagt Professor Volker Wittberg von der Fachhochschule des Mittelstands, der die Studie wissenschaftlich leitet. „Stattdessen fließt ein wesentlicher Teil des Geldes in den M&A-Bereich, aber wir sehen auch höhere Gewinnausschüttungen.“

Dass weniger Geld vorgehalten wird, zeigt sich auch am durchschnittlichen Anlagevolumen. Es ist im zweiten Jahr in Folge zurückgegangen. Laut der Untersuchung belief sich das Volumen im Jahr 2017 auf rund 3,6 Millionen Euro und verzeichnet somit im Vergleich zu 2016 einen Rückgang von etwa 1,1 Millionen Euro. Von den 130 befragten Unternehmen gaben zudem nur noch 39 Prozent an, dass sie überhaupt einen Anlagebedarf haben. Das sind 18 Prozent weniger als noch im Vorjahr.

Tendenz zu mehr Risiko bei Anlagestrategien

Da es im derzeitigen Zinsumfeld bei der Geldanlage nach wie vor schwierig ist, überdenken viele Mittelständler ihre eigene Anlagestrategie. Auch in dieser Investorengruppe lässt sich eine leichte Tendenz zu mehr Risiko erkennen: 22 Prozent der Befragten wollen mit ihrer Geldanlage einen Ertrag über 3 Prozent erzielen und sind dafür bereit, stärkere Kursschwankungen zu erzielen. Vor zwei Jahren waren es lediglich 11 Prozent. Immerhin 31 Prozent wollen zwischen 1 und 2 Prozent erzielen und nehmen dafür auch gewisse Kursschwankungen in Kauf. Knapp ein Drittel der Mittelständler bleibt bei dem Credo: Anlagen müssen kurzfristig verfügbar sein, auch wenn das keine oder negative Renditen bedeutet.

Um in dem herausfordernden Zinsumfeld so gut wie möglich zu bestehen, setzt auch der deutsche Mittelstand vor allem auf die Laufzeit als Stellschraube. Viele schichten von der kurzfristigen zur langfristigen Geldanlage um. So legen inzwischen mehr als 13 Prozent der Mittelständler mit einem Anlagehorizont von mehr als fünf Jahre an. Das ist der höchste Wert, der in der Studie, die bereits zum achten Mal durchgeführt wurde, je gemessen wurde.

Eine möglichst hohe Verzinsung zu erreichen ist für den deutschen Mittelstand vor allem im Blick auf die Pensionsverpflichtungen von großer Bedeutung: Bei rund der Hälfte der Mittelständler mit solchen Verpflichtungen sind sie nicht oder nicht ausreichend finanziert.

Mehring[at]derTreasurer.de

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