Interview

30.06.13 23:27

„Das KAGB ist ein gelungener Wurf“

Von Andreas Knoch

Gelungene Neuerung oder Schlag ins Wasser? Ralf Bräuer, Leiter institutionelles Geschäft bei Universal Investment, spricht über das neu verabschiedete Kapitalanlagegesetzbuch.

Anlagebedingungen der Spezialfonds müssen künftig vor ihrer Auflage der BaFin vorgelegt werden.

BaFin

Anlagebedingungen der Spezialfonds müssen künftig vor ihrer Auflage der BaFin vorgelegt werden.

>> Herr Bräuer, Mitte Mai hat der Deutsche Bundestag das neue Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) verabschiedet. Ein gelungener Wurf oder Stückwerk?

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Unter dem Strich ist das neue KAGB ein gelungener Wurf. Die Unterscheidung in regulierte und unregulierte Fonds, die bislang existierte, ist vom Tisch. Damit verschwindet der Graubereich geschlossener Fonds. Für Anleger ist das ein deutlicher Zugewinn an Sicherheit.

Ralf Bräuer

Ralf Bräuer

>> Was ändert sich bei den bei Unternehmen beliebten Anlagevehikel Spezialfonds?

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Die ursprünglich vorgesehene Abschaffung des Spezialfonds ist erfreulicherweise vom Tisch. Spezialfonds sind weiterhin zulässig. Allerdings wird das administrative Prozedere bei der Auflage solcher Fonds aufwändiger. So müssen die Anlagebedingungen der Spezialfonds künftig vor ihrer Auflage der BaFin vorgelegt werden und es gilt – ähnlich wie bei Publikumsfonds – auch für diese Vehikel eine Pflicht zur Erstellung eines umfangreichen Verkaufsinformationsdokumentes. Damit geht der Gesetzgeber zwar über das tatsächliche Schutzbedürfnis vieler institutioneller hinaus, allerdings hätte es auch deutlich schlimmer kommen können. Positiv ist, dass künftig auch semi-professionelle Anleger, zu denen viele kleine und mittelgroße Corporates zählen dürften, Spezialfonds auflegen dürfen.

>> Was erwarten Sie für das neu geschaffene Instrument der Investment-KG?

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Gerade für multinational agierende Unternehmen ist das ein interessantes Vehikel für die Bündelung von betrieblichen Altersvorsorgevermögen in Deutschland. Bislang scheiterte das insbesondere an der steuerlichen Behandlung der Anlagevehikel, da die Vorgaben von Land zu Land unterschiedlich sind. Unternehmen müssen nun nicht mehr in jedem Land einen eigenen Pensionsplan auflegen, sie können die Verwaltungskosten für das Portfoliomanagement reduzieren, Mehrfachstrukturen vermeiden und ihre finanziellen Risiken besser kontrollieren. In der Praxis werden noch einige Details bei dieser neuen, interessanten Form der Kapitalanlage geklärt werden müssen, doch die Richtung stimmt: Mit der Investment-KG wird nun auch in Deutschland ein attraktiver Rechtsrahmen für das Pension Pooling geschaffen.

Knoch[at]derTreasurer.de