Jeder zweite befragte Treasurer betroffen

28.05.15 08:00

Der Angriff der Negativzinsen

Von Markus Dentz

Jedes zweite Unternehmen ist nach einer Umfrage von DerTreasurer bereits mit Strafzinsen konfrontiert. Viele schichten im Rahmen der bestehenden Richtlinien um, um den negativen Zinsen zu entgehen.

Jedes zweite Unternehmen ist nach einer Umfrage von DerTreasurer bereits mit Strafzinsen konfrontiert.

Meronn/istock/Thinkstock/Getty Images

Immer tiefer: Anleger kämpfen mit negativen Zinsen.

Bereits seit fast einem Jahr sind negative Zinsen Realität. Diese Tatsache bereitet Treasurern zunehmend Kopfzerbrechen, wie aus einer aktuellen Befragung von DerTreasurer hervorgeht. Nachdem Banken Strafzinsen zunächst nur vereinzelt weitergegeben haben, haben inzwischen viele Unternehmen mit ihnen Bekanntschaft gemacht. Mehr als jeder zweite Treasurer wurde nach einer Umfrage unter 85 deutschen Treasurern von seiner Bank auf negative Zinsen angesprochen.

Allerdings zahlt nur ein verschwindend geringer Anteil der befragten Unternehmen tatsächlich Strafzinsen. Das hat mehrere Gründe: Negativzinsen werden häufig erst effektiv, wenn ein gewisser Sockelbetrag überschritten ist und die Unternehmen sehr hohe Liquiditätsbestände haben. Diesen Sockelbetrag handhaben die Geldhäuser sehr unterschiedlich. Während einige wenige den negativen Einlagenzins der EZB bereits ab niedrigen Millionen-Euro-Beträgen weiterreichen, akzeptieren andere nach Absprache auch dreistellige Millionenbeträge ohne Belastung.

Vielen Befragten ist es darüber hinaus gelungen, die Negativzinsen durch Verhandlungen mit den Banken abzuwenden (31 Prozent). Ein weitaus größerer Teil der Befragten hat allerdings Geldanlagen strategisch umgeschichtet (56 Prozent). Nur ein kleiner Teil (4 Prozent) nimmt bewusst ein höheres Risiko in Kauf, knapp jeder fünfte denkt über eine Überarbeitung der Anlagerichtlinie nach. Die allermeisten fühlen sich weiterhin gut aufgestellt mit ihrer Anlagerichtlinie.

Osram schichtet um

Zu den Unternehmen, die aus strategischen Gründen eine hohe Geldreserve halten, zählt der Leuchtenkonzern Osram. „Wir halten aktuell eine Nettoliquidität von rund 400 Millionen Euro“, sagt Roland Mittenhuber. „Bislang konnten wir Negativzinsen bei der Euro-Anlage vermeiden“, fügt der Treasury-Chef von Osram hinzu. Die frühere Siemens-Tochter hat klare Limite für alle Banken definiert, die sich am schwächsten externen Rating der Kontrahenten ausrichten („Worst Rating Ansatz“).

Wie die Deutsche Bahn und die Deutsche Annington reagiert haben, können Sie im aktuellen E-Magazin von DerTreasurer lesen.

Dentz[at]derTreasurer.de