Corporate Bonds im Asset Management

07.03.14 08:00

„Die Sahnestückchen liegen im Crossover-Bereich“

Von Andreas Knoch

Corporate-Bond-Investoren finden im Crossover-Bereich zurzeit die besten Opportunitäten. Bastian Gries, Leiter Corporate Credit Investment Grade bei Meriten Investment Management, erklärt, warum das so ist und worauf es bei einer Investition in diesem Segment ankommt.

Fresenius

Der Bad Homburger Fresenius-Konzern ist mit einem Rating von BB+ ein aktiver Emittent im Crossover-Universum.

>> Herr Gries, Sie sehen im Crossover-Bereich für Corporate-Bond-Investoren zurzeit die besten Opportunitäten. Warum?


Unter Risiko-/Ertragsgesichtspunkten liegen die Sahnestückchen bei Corporate Bonds aus Investorensicht aktuell im BBB- und BB-Segment, das was man üblicherweise als Crossover-Bereich bezeichnet. Diese Ratingklassen weisen attraktive Risikoprämien – im BB-Bereich sind das aktuell rund 290 Basispunkte – bei gleichzeitig überschaubaren Ausfallrisiken auf. Die Gründe dafür sind unter anderen die Ratingrestriktionen vieler institutioneller Anleger bzw. begrenzte Risikobudgets. Das führt zu Preisineffizienzen in diesen Ratingklassen und eröffnet Anlegern, die dort investieren können, attraktive Opportunitäten.

Bastian Gries

>> Über was für ein Marktvolumen sprechen wir dabei?
Aktuell liegt das in Euro denominierte Anleihevolumen bei rund 550 Milliarden Euro. Rund 70 Prozent davon entfallen auf das BBB-, etwa 30-Prozent auf das BB-Universum. Gut 200 Emittenten tummeln sich zurzeit im Crossover-Bereich – darunter viele global agierende Konzerne, denen Größe wichtiger ist als das Rating und die oftmals über eine finanzielle Flexibilität wie die von Bluechip-Unternehmen verfügen. Die Zahl der Crossover-Emittenten hat wegen der sinkenden Länderratings in der Euro-Peripherie zuletzt sogar noch deutlich zugenommen, darunter viele Telekommunikationsanbieter oder Versorger.

 

>> Worauf kommt es bei der Einzeltitelauswahl an?
Unserer Meinung nach ist eine fundamentale Kreditanalyse mit einer dynamischen Cashflowmodellierung über mehrere Jahre das Herzstück einer erfolgreichen Crossover-Credit-Strategie. Zentral für den Anlageerfolg ist es, frühzeitig Anhaltspunkte zu bekommen, wie sich Ratings entwickeln werden. Denn Credit-Upgrade-Kandidaten, die sogenannten Rising Stars, erzielen einen großen Teil ihrer Outperformance noch während sie im Highyield-Universum notieren. Credit-Downgrade-Kandidaten, die sogenannten Fallen Angels, wiederum realisieren einen Großteil ihrer Underperformance bevor sie in den Highyield-Bereich rutschen.

 

>> Wie schlagen sich Crossover-Strategien in einem Umfeld steigender Zinsen?
Die Zinssensitivität des Crossover-Universums ist deutlich geringer als bei Investmentgrade-Titeln. Die höheren Risikoaufschläge und die in der Regel kürzere Duration bieten in einem Umfeld steigender Zinsen einen besseren Puffer. Sehr schön beobachten konnte man das im vergangenen Jahr, als die Zinsen kräftig anzogen. Während Investmentgrade-Portfolien über das Jahr eine Rendite von gut 2 Prozent abwarfen, lag diese bei Crossover-Portfolioen mit rund 4,5 Prozent mehr als doppelt so hoch. Auch über einen längeren Zeitraum betrachtet überzeugen Crossover-Strategien mit attraktiven risikoadjustierten Erträgen.

 

>> Welche Möglichkeiten haben Anleger, diese Strategie umzusetzen?
In Europa gibt es eine Reihe von Publikumsfonds – auch mit institutionellen Anteilsklassen – die Crossover-Strategien verfolgen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, die Strategie über Spezialfonds abzubilden. Allerdings ist die kritische Größe mit rund 25 Millionen Euro im Einzelfall recht hoch. Darunter macht es aus Allokationsgesichtspunkten und wegen der in der Regel hohen Mindeststückelung der Anleihen aus meiner Sicht nicht viel Sinn.

 

Knoch[at]derTreasurer.de