Anlageuniversum genau definieren

24.07.17 09:56

Für wen Infrastruktur-Investments interessant sind

Von Antonia Kögler

Unter den alternativen Assetklassen gewinnt auch das Thema Infrastruktur an Beliebtheit. Infrastrukturfonds können helfen, die Komplexität zu reduzieren.

Treasurer sind verstärkt an Infrastrukturinvestitionen interessiert.

HH Ferries

Treasurer sind verstärkt an Infrastrukturinvestitionen interessiert.

Im Niedrigzinsumfeld ist die Bedeutung von alternativen Anlageklassen stark gestiegen – auch für Treasurer. Ein Schlagwort ist dabei der Begriff „Real Assets“. Rohstoffe, Immobilien und Unternehmensbeteiligungen gehören dazu. Die Experten des australischen Asset Managers First State Investments sehen gerade im Bereich Infrastruktur gute Chancen, langfristig stabile Cashflows zu erzielen.

Nachfrage nach solchen Angeboten gibt es auch unter deutschen Finanzverantwortlichen: „Deutsche Investoren sind ein wesentlicher Bestandteil der Strategie“, erklärt David Gaschik, der die deutsche Niederlassung des Investmenthauses leitet. „Unter deutschen Treasurern sehen wir eine deutlich steigende Nachfrage“, ergänzt er. Insbesondere in der Dax-Liga aber auch bei kleineren Unternehmen sei Interesse vorhanden.

Für die meisten Unternehmen sind Direktinvestitionen in Infrastrukturunternehmen zu komplex, deshalb können Infrastrukturfonds attraktiv sein. „Neben einem Asset Manager braucht man oftmals zudem einen rechtlichen und einen steuerlichen Berater; die Investition rentiert sich daher für Volumina ab circa 10 Millionen Euro aufwärts“, erklärt Alex Nassuphis, der bei First State für die Ausführung der Investitionen eines solchen Fonds zuständig ist.

Das Konzept der Australier funktioniert folgendermaßen: Investoren zahlen in einen Infrastrukturfonds, der sukzessive Unternehmen aus diesem Sektor vollständig oder in Partnerschaft übernimmt. Der Anlagehorizont liegt bei zehn bis fünfzehn Jahren mit der Option auf fünfjährige Verlängerungen solange mindestens zwei Drittel der Investoren weiter beteiligt bleiben wollen.

Besser auf moderate Rendite setzen

„Unser Ziel ist es nicht, nach zehn oder zwanzig Jahren den Exit zu suchen“, erklärt Volker Häussermann, der für die strategische Weiterentwicklung der Unternehmen zuständig ist. „Wir versuchen die Unternehmen, an denen wir uns beteiligten, aktiv zu managen und langfristig erfolgreich zu machen.“ Durch diese aktive Rolle kommt der Wahl des Asset Managers für Treasurer eine besonders wichtige Bedeutung zu. Er muss dem Manager hinsichtlich Auswahl und Einflussnahme auf die von ihm verwalteten Unternehmen vertrauen.

Wenn sich ein Treasurer für eine Infrastrukturinvestition entscheidet, dann raten die Experten, zwei Dinge nicht aus dem Blick zu verlieren. Punkt eins: Was definieren die jeweiligen Anbieter als Infrastruktur? „Während für uns maßgeblich Geschäftsmodelle in Frage kommen, die grundlegende Leistungen an die Gemeinschaft liefern, und charakterisiert sind durch langfristige, voraussehbare und stabile Cashflows – meist getrieben durch staatliche Regulierung – können andere Anbieter einen ganz anderen Ansatz verfolgen“, erklärt Nassuphis.

„Kurz gesagt: Investiert man nur in Flughäfen oder gehören die Dienstleister wie beispielsweise Gepäckabwickler auch noch dazu?“ Sich darüber im Klaren zu sein, ist für die Risikobetrachtung entscheidend. „Bei nichtregulierten Unternehmen oder mehr kommerziell getriebenen Unternehmen entstehen ganz andere Risiken als bei regulierten“, sagt der Experte.

Punkt zwei: Die Rendite. „Sehr hohe Returns lassen sich meist nur mit einem kurzfristig opportunistischem Ansatz oder mit höheren Risiken erzielen“, sagt Häussermann. Wer langfristig stabilen Ertrag wolle, sollte lieber von Beginn an moderatere risikoadjustierte Ziele setzen. Ohnehin sind Infrastrukturinvestitionen nur für diejenigen interessant, die einen langen Atem bei ihrem Anlagevermögen haben und ihr Portfolio diversifizieren wollen.

Koegler[at]derTreasurer.de

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