Lufthansa-Treasurer Torsten Kohrs im Interview

23.09.15 08:03

„Hybridanleihen sind ihr Geld noch wert“

Von Desiree Backhaus

Das Niedrigzinsumfeld setzt der Lufthansa gleich doppelt zu: Die Lufthansa hält nicht nur eine milliardenschwere Kriegskasse, langfristig müssen Pensionszusagen ausfinanziert werden. Torsten Kohrs, Head of Group Treasury bei Lufthansa über die Geldanlage im Niedrigzinsumfeld.

Andreas Klehm

Bei der Geldanlage gefordert: Lufthansa-Treasury-Chef Torsten Kohrs

Torsten Kohrs ist seit rund einem Jahr Chef des Lufthansa-Treasury. Dass er mit dem Thema Geldanlage bestens vertraut ist, dürfte ihm bei diesem Karrieresprung zupass gekommen sein: Von 2008 bis 2011 baute Kohrs die Pensionsvermögensgesellschaft der deutschen Lufthansa-Töchter auf Malta auf.

Dieses Wissen muss er nun einbringen, denn die Fluggesellschaft steht angesichts des Niedrigzinsumfelds vor großen Herausforderungen: Auf 6,6 Milliarden Euro summieren sich die Pensionsrückstellungen zum Halbjahr 2015. Zwar sind Pensionsverpflichtungen um mehr als 500 Millionen Euro gegenüber Ende 2014 gesunken, weil der Rechnungszins gestiegen ist. Doch es gibt keine Entwarnung. „Die immense Bewegung zeigt, wie groß das Problem ist“, sagt Kohrs.

Sein Team muss fünf Prozent Kapitalrendite liefern, damit das Ziel erreichbar bleibt: die Pensionslücke bis 2019 schließen. Aktuell liegt der Deckungsgrad der Pensionszusagen knapp über 60 Prozent. In Zeiten von Strafzinsen und negativen Renditen mutet das wie ein Himmelfahrtskommando an. Doch das Treasury hat in den vergangenen Jahren noch immer geliefert, sagt Kohrs.

Treasury-Chef Kohrs setzt auf Hybridanleihen

Damit das so bleibt, erweitern die Lufthansa-Anlageprofis gerade das Blickfeld: Bislang setzt sich die Assetallokation der Airline zu 30 Prozent aus Aktien zusammen. Der Rest umfasst vor allem Staats- und Unternehmensanleihen aus den USA und dem Euro-Raum und nur wenige alternative Assetklassen wie Immobilien oder Private Equity. Diese Alternativen will Kohrs ausbauen: „Wir haben uns Anfang des Jahres dafür entschieden, einen Teil des Vermögens diskretionär, also nach eigenem Ermessen, zu investieren. So wollen wir alternativen Assets eine Chance geben, die bislang unterhalb unseres Radars waren.“ Überzeugt zeigt sich Kohrs vor allem von Hybridanleihen: „Da sehe ich eine Risikoprämie, die ihr Geld noch wert ist.“ Zwar sind die Volumina in der Assetklasse nicht sehr hoch: „Aber ein kleines Portfolio im Euro-Raum können wir uns schon aufbauen.“

Warum der Treasurer auf der Aktienseite einen guten Instinkt bewiesen hat und wie Kohrs bei der kurzfristigen Geldanlage vorgeht, das lesen Sie im aktuellen E-Magazin.

Backhaus[at]derTreasurer.de