Markt für nachhaltige Geldanlage wächst

16.06.16 08:00

Investoren wollen Verfehlungen abstrafen

Von Antonia Kögler

Green Bonds und nachhaltige Investments – was derzeit wie Marketingfloskeln wirkt, könnte in einigen Jahren ein entscheidender Faktor bei der Finanzierung sein. Der Druck der Investoren steigt.

 

Axa schließt sich der Divest-Bewegung an und investiert nicht mehr in Tabakkonzerne.

AXA

Axa schließt sich der Divest-Bewegung an und investiert nicht mehr in Tabakkonzerne.

Bisher spielt die Responsible-Investment-Bewegung für Treasurer deutscher Unternehmen kaum eine Rolle. Doch das könnte sich ändern. Viele Anleger schauen bei der Geldanlage genauer hin. Eine Umfrage des globalen Thinktanks Diplomatic Council hat ergeben, dass von 1.400 befragten Anlegern rund 77 Prozent auf die ethische Ausrichtung ihrer Geldanlage achten. Als Aktionär wären 39 Prozent bereit, auf bis zu einem Viertel der Rendite zu verzichten, wenn das Unternehmen dafür im Sinne einer verantwortungsvollen Unternehmensführung handelt. 44 Prozent würden sogar noch auf mehr verzichten.

Ob es sich dabei lediglich um Lippenbekenntnisse handelt, wird sich zeigen. Will Oulton, Global Head of Responsible Investment bei First State Investment, sagt dazu: „Die Generation der sogenannten Millenials wird von der Industrie verlangen, dass auch bei der Geldanlage auf Nachhaltigkeit geachtet wird.“ Der Markt für nachhaltige Investments ist zwar noch vergleichsweise klein, wächst aber rapide. Ende 2015 lag das Gesamtvolumen in der DACH-Region bei 326,6 Milliarden Euro, besagt eine Studie des Vereins Forum Nachhaltige Geldanlage. Das entspricht einem Anstieg von 65 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Der größte Teil des Wachstums stammt aus der Schweiz, in Deutschland entwickelte sich der Markt langsamer. Eine der am weitesten verbreitete Strategie des nachhaltigen Investierens ist der Ausschluss bestimmter Werte aus den eigenen Portfolien.

Nachfrage der Anleger steigt

Für Schlagzeilen sorgte damit Anfang Mai beispielsweise der französische Versicherungskonzern Axa, der sich von seinen Beteiligungen im Wert von rund 1,7 Milliarden Euro an Tabakkonzernen trennen will.

Doch nicht nur umstrittene Branchen wie Tabakkonzerne oder die Rüstungsindustrie haben einen schweren Stand. Das Vorgehen kann Unternehmen aus allen Bereichen treffen, die sich nicht verantwortungsvoll verhalten. Zu den Top 5 der häufigsten Ausschlusskriterien in Deutschland zählten im vergangenen Jahr Arbeitsrechtsverletzungen, Umweltzerstörung sowie Korruption und Bestechung. Rund 20 Milliarden Euro haben Investoren pro Kriterium in Deutschland aus ihren Portfolien ausgeschlossen.

Gerade deshalb könnte dasThema, das häufig noch als Marketingtrend gesehen wird, in Zukunft zu einem entscheidenden Faktor bei der Finanzierung werden. Schlechte Corporate Governance oder sonstiges Fehlverhalten könnte zukünftig längerfristige Konsequenzen am Kapitalmarkt haben – sei es bei der Platzierung von Aktien oder Rentenpapieren.

koegler[at]derTreasurer.de