Rendite muss nicht geringer sein

23.03.15 15:16

Nachhaltiges Investment bleibt Nischenthema

Von Antonia Kögler

Nachhaltiges Investieren steht bei Unternehmen nicht weit oben auf der Agenda. Dabei muss die Rendite bei der verantwortungsbewussten Geldanlage nicht geringer sein.

Beim Investieren achten wenige auf Nachhaltigkeit.

violetakaipa/iStock/Thinkstock/Getty Images

Beim Investieren achten wenige auf Nachhaltigkeit.

Nachhaltiges Investieren, grünes Anlegen, sustainable Asset Management – es gibt viele Ausdrücke für den verantwortungsbewussten Auswahlprozess bei der Geldanlage. Allerding ist dieser Ansatz nach wie vor ein Nischenthema, wenn er auch vor allem bei institutionellen Anlegern und Stiftungen langsam an Bedeutung gewinnt. Ende 2014 gab es in Deutschland 393 Publikumsfonds mit einem Volumen von etwa 47 Milliarden Euro, die einem nachhaltigen Ansatz folgen. 2013 waren es noch zehn Fonds und 7 Milliarden Euro weniger.

 „Bei deutschen Unternehmen gibt es in dem Bereich einen großen Nachholbedarf“, sagt Paschen von Flotow, Leiter des Sustainable Business Instituts und Herausgeber der Plattform nachhaltiges-investment.org. Bisher spiele die Nachhaltigkeit bei der Geldanlage nur eine verschwindend geringe Rolle, vermutlich auch in Treasury-Abteilungen. „Dabei tragen diejenigen, die an einer freien globalen Wirtschaft interessiert sind, auch die Verantwortung dafür, ihre ökologischen und sozialen Grundlagen zu schützen.“ Das Argument, dass die Performance sich durch nachhaltiges Investieren verschlechtere, gilt seiner Ansicht nach nicht mehr. „Die Datenbasis und die Breite des Anlageuniversums sind mittlerweile so groß, dass man keine geringeren Renditen oder größere Risiken mehr in Kauf nehmen muss“, betont von Flotow.

Anlagerisiken lassen sich senken

Für die Auswahl der Papiere, in die sie investieren, nutzen Publikumsfonds unterschiedliche Strategien, die auch Treasurer anwenden könnten. Zum einen können bestimmte Kategorien von vornherein aus dem Anlageuniversum herausgenommen werden. „Anleger können beispielsweise bestimmte Branchen – wie zum Beispiel die Rüstungsindustrie – ganz ausschließen“, sagt Fabian Bauer von der Universität Stuttgart, Koautor einer aktuellen Studie zur Transparenz von Nachhaltigkeitsfonds.


Eine andere Möglichkeit ist dagegen, in den einzelnen Branchen nur in die Unternehmen zu investieren, die die besten Nachhaltigkeitsprofile aufweisen. Das kann nach seiner Einschätzung auch aus finanzieller Perspektive eine gute Entscheidung sein, da man so bestimmte Risiken reduzieren kann. Dazu zählen zum Beispiel Reputationsrisiken. Ein Skandal über schlechte Arbeitsbedingungen oder Umweltschäden kann erheblichen Schaden anrichten und den Wert der Anlage drücken. Aber auch für das eigene Unternehmensimage kann es nicht schaden, die Nachhaltigkeit bei der Geldanlage stärker in den Blick zu nehmen.

Koegler[at]derTreasurer.de