Niedrigzinsumfeld als größte Herausforderung

14.09.17 11:59

Pensionsverpflichtungen bereiten Treasurern Kopfzerbrechen

Von Antonia Kögler

Das Problem ist bekannt: Im Niedrigzinsumfeld steigen bei vielen Unternehmen die Pensionsverpflichtungen, während die Assets hinterherhinken. Doch wie gehen Treasurer damit um?

Auf Unternehmen kommen in den nächsten Jahren viele Rentenzahlungen zu. Die Gelder, die dafür heute zurückgelegt werden, sinnvoll anzulegen, ist im Niedrigzinsumfeld nicht einfach.

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Auf Unternehmen kommen in den nächsten Jahren viele Rentenzahlungen zu. Die Gelder, die dafür heute zurückgelegt werden, sinnvoll anzulegen, ist im Niedrigzinsumfeld nicht einfach.

Je länger das Niedrigzinsumfeld anhält, umso lauter wird die Diskussion um alternative Assetklassen, neue Anlagestrategien und risikoreichere Renditebringer. Für viele Treasurer wird das Thema nicht nur am kurzen Laufzeitende drängender, sondern besonders bei den Pensionsverpflichtungen. Dieses Thema, das früher in vielen Treasury-Abteilungen weniger im Fokus stand, rutscht nun auf der Prioritätenliste nach oben. Auch deshalb hat sich der Verband Deutscher Treasurer (VDT) entschieden, dem Thema erstmals eine eigene Veranstaltung zu widmen. Am gestrigen Mittwoch diskutierten Treasurer in Frankfurt über den richtigen Ansatz.

Das wichtigste Ergebnis vorweg: ein Königsweg kristallisiert sich nicht heraus, da sind die Diskutanten sich einig. Viel zu unterschiedlich sind die Anforderungen in den einzelnen Unternehmen. Während bei einigen ein Fokus auf Deutschland besteht, managen andere Pensionspläne über die ganze Welt verteilt. Ebenso variieren personelle Ausstattung und das Know-how in den Abteilungen stark.

Pensionsverpflichtungen: ja oder nein zu alternativen Assets

Einige Treasurer aus dem Dax-Bereich haben sich den Gegebenheiten der Kapitalmärkte schon angepasst: Bundesanleihen sind in ihren Portfolios kaum noch zu finden, höchstens als Bodensatz zur Absicherung. Statt auf Bonds setzten die großen Corporate-Anleger bei ihrem Anlagemix stattdessen stärker auf Loans, Immobilienkredite, Emerging Market Debt und auch liquid Alternatives, also Hedgefonds im UCITS-Mantel. Diese Anleger nehmen damit höhere Risiken sehenden Auges in Kauf.

Andere vertreten eher die Auffassung, dass ihr Portfolio möglichst simpel aufgestellt sein sollte. Über die klassischen Anlageformen wollen und können diese Treasury-Vertreter nicht hinausgehen. Auch die Präferenz des jeweiligen Finanzvorstands spielt bei der Asset-Entscheidung meist eine nicht unbedeutende Rolle.

Doch wie ermittelt man die optimale Asset Allocation für das eigene Portfolio? Ein Weg sind seit einigen Jahren die sogenannten Asset-Liability-Studien. Im Rahmen dieser integrierten Analysen werden die bestehenden Verpflichtungen gleichzeitig mit den vorgehaltenen Assets betrachtet und anschließend je nach Risikopräferenz des Unternehmens strategisch gesteuert.
 
Aber auch bei der Frage, ob sich dieser Ansatz bewährt hat, gehen die Meinungen der Treasurer weit auseinander. Während einige sich von der Methode schon wieder verabschieden, da diese zu stark auf Erkenntnissen aus der Vergangenheit basiert, nutzen andere diese Art der Berechnung regelmäßig. Als Trend zeichnet sich allerdings ab, dass sich die wenigsten voll und ganz auf solche rein quantitativen Modelle zur Erstellung des Portfolios verlassen wollen. „Die Einbeziehung der Erfahrung der Treasurer kann an der ein oder anderen Stelle nicht schaden“, kommentiert einer der Treasurer.

Treasurer wildern in Personalthemen

Ebenfalls herrscht Einigkeit unter den Treasurern darüber, dass mittelfristig die Pensionsverbindlichkeiten durch weitere Dotierungen reduziert werden sollten. Gutes Asset -Management allein dürfte dafür nicht ausreichen.

Die Umstellung von leistungsorientierten zu beitragsorientierten Pensionsplänen hat in vielen Unternehmen bereits begonnen. Anstrengende und langwierige Verhandlungen mit Gewerkschaften und Arbeitnehmervertretern dürften auf die Unternehmen in den kommenden Jahren zukommen: Widerstandslos werden die Arbeitnehmer nicht die Risiken in der Altersvorsorge auf sich nehmen, wie zahlreiche Beispiele zeigen.

Ob und wieweit die Treasury-Abteilung in diese Entscheidungen eingebunden ist, unterscheidet sich je nach Größe des Unternehmens stark. Die Vielzahl der unterschiedlichen Durchführungswege und Pensionspläne, die es vor allem in größeren Unternehmen parallel gibt, dürften Treasurern in jedem Fall auch in den kommenden Jahren noch Kopfzerbrechen bereiten.

Koegler[at]derTreasurer.de

Die niedrigen Zinsen bringen für Treasurer sowohl bei der langfristigen als auch bei der kurzfristigen Gelanlage Probleme mit sich. Über die aktuellen Entwicklungen hält sie die Themenseite Herausforderung Niedrigzinsumfeld und unser Niedrigzinsenticker auf dem Laufenden.