Towers Watson: Ausfinanzierungsgrad der Pensionspläne ist wieder zurückgegangen

28.02.13 14:54

Pensionsverpflichtungen drücken

Von Andreas Knoch

Die niedrigen Zinsen machen den Pensionsfonds der großen deutschen Unternehmen zunehmend zu schaffen. Im vergangenen Jahr sank der Ausfinanzierungsgrad ihrer Pensionspläne deutlich – trotz positiver Anlageergebnisse.

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Der gesunkene Rechnungszins drückt auf den Deckungsgrad der Pensionspläne.

Der Ausfinanzierungsgrad der Pensionspläne von großen deutschen Unternehmen (DAX und MDAX) ist im Jahr 2012 deutlich zurückgegangenen. Gemäß einer aktuellen Studie von Towers Watson, die auf Modellberechnungen basiert, ist der Deckungsgrad um 7,7 Prozentpunkte auf 57,9 Prozent bei DAX-Unternehmen gesunken. Im MDAX ging er um 5,0 Prozentpunkte (auf 43,9 Prozent) zurück. Im Rahmen des German Pension Finance Watch werden von der Unternehmensberatung seit 2003 die aktuellen Entwicklungen der Pensionsverpflichtungen sowie die Erträge der hierfür reservierten Kapitalanlagen anhand von Musterplänen analysiert.

Als Grund für den Rückgang macht die Beratungsgesellschaft in erster Linie den aufgrund niedriger Kapitalmarktzinsen gesunkenen Rechnungszins aus. Dieser gab zum 31. Dezember 2012 gegenüber dem Vorjahr um 140 Basispunkte auf 3,35 Prozent nach. Das sorgte somit in den Bilanzen der Unternehmen dafür, dass die Pensionsverpflichtungen aufgrund der veränderten Diskontierung mit einem entsprechend höheren Zeitwert angesetzt werden mussten.

Zinsen treiben Pensionsverpflichtungen in die Höhe

Bei den DAX-30-Unternehmen stiegen die Pensionsverpflichtungen so auf 317 Milliarden Euro, nachdem es per 31. Dezember 2011 noch 259 Milliarden Euro waren. Analoges zeigt sich im MDAX, hier liegen die Pensionsverpflichtungen bei nunmehr 41 Milliarden Euro. Diese massive Änderung des Rechnungszinses konnte auch nicht durch die sehr positiven Anlageergebnisse der Pensionsvehikel kompensiert werden. Gemäß Towers Watson lagen diese im Jahr 2012 bei durchschnittlich 12 Prozent.

„Die Entwicklung des Deckungsgrads im Jahr 2012 illustriert deutlich, wie stark die Bewertung der Pensionsverpflichtungen mit dem Rechnungszins schwankt“, erklärt dazu Dr. Thomas Jasper, Leiter des Beratungsbereichs „Betriebliche Altersversorgung“. Er rechnet vor: „Hätte man zum Jahresende 2012 den höheren Rechnungszins vom 31. Januar 2013 zugrunde legen können, wären die Pensionsverpflichtungen niedriger eingestuft worden, und der Ausfinanzierungsgrad der DAX-Pensionspläne läge dann bei knapp über 60 Prozent. Das historische Zinstief wurde ausgerechnet zum Bilanzierungsstichtag 31. Dezember 2012 erreicht.“ Per Januar stieg der Rechnungszins auf 3,7 Prozent, was nach Ansicht von Jasper als erstes Anzeichen einer Zinsnormalisierung gedeutet werden kann.

Knoch[at]derTreasurer.de