Emittenten beobachten Zentralbank mit gemischten Gefühlen

21.06.16 08:00

Reaktionen zum EZB-Kaufprogramm

Von Antonia Kögler

Die ersten Informationen über Details der EZB-Käufer sickern langsam durch. Bei den Unternehmen gibt es unterschiedliche Ansichten über die Maßnahme.

Der neue Großinvestor aus Frankfurt: Die europäische Zentralbank

typhoonski/iStock/Thinkstock/Getty Images

Der neue Großinvestor aus Frankfurt: Die europäische Zentralbank

Die Europäische Zentralbank hat ihr Kaufprogramm für Unternehmensanleihen begonnen. Medienberichten zufolge soll die Zentralbank unter anderem Papiere von Siemens, Volkswagen und Generali gekauft haben. Auch Anleihen der Telecom Italia sollen laut Bloomberg dabei gewesen sein. Damit schlägt die Zentralbank gleich bei einem Unternehmen zu, das von Ratingagenturen im High-Yield-Bereich gesehen wird. Lediglich die Ratingagentur Fitch stuft den Emittenten als Investmentgrade ein.

Einige Marktteilnehmer befürchten, dass das Kaufprogramm zu Verzerrungen am Bondmarkt führen könnte. Ob das so kommen wird, lässt sich laut Matthias Minor, Firmenkundenchef der Royal Bank of Scotland (RBS) in der DACH-Region, nach so kurzer Zeit noch nicht absehen: „Bisher haben sich die nationalen Zentralbanken, die für die EZB Anleihen kaufen, um große Transparenz bemüht“, sagt er. „Sie wollen die Marktteilnehmer nicht überraschen, sondern Unsicherheit vermeiden.“ Insgesamt sei die Zentralbank daran interessiert, als Anleger mit einem konservativen Ansatz aufzutreten, so Minor.

Doch die Volumina, die die Zentralbank am Bondmarkt einsammeln will, sind enorm. Die RBS schätzt, dass sie monatlich rund 7,5 Milliarden Euro in den Markt pumpen wird. Die erste offizielle Zahl stammt vom 10. Juni. Am ersten Tag der Veröffentlichung ihres Bestands hielt die Zentralbank bereits Unternehmenspapiere über 348 Millionen Euro.

Nicht alle wollen die EZB als Gläubiger

Einige Marktteilnehmer befürchten daher ein Austrocknen der Liquidität am Sekundärmarkt, die ohnehin gering ist. „Wir gehen deshalb davon aus, dass die Zentralbank den Großteil ihres Investitionsvolumens durch Käufe am Primärmarkt abdecken wird“, sagt Minor. Beim Kauf von Neuemissionen wiederum könnte der Einstieg der Zentralbank die Preise noch weiter drücken.

Während einige Unternehmen die EZB deshalb gerne im Investorenkreis begrüßen, reagieren andere zurückhaltend. Ihr Grund: Die Zentralbank wird nicht ewig am Markt sein, und die Emittenten wollen ihre bisherigen Investoren nicht verprellen. Die könnten unter Umständen weniger große Zuteilungen erhalten, wenn die Zentralbank mitmischt. „Die Unternehmen diskutieren gerade, inwiefern sie eine Zentralbank als Bondgläubiger haben wollen“, berichtet Minor.

Andere Marktteilnehmer kritisieren, dass die EZB Firmen mit Kapitalzugang fördert, während kleinere und mittlere Unternehmen ohne diesen Zugang leer ausgingen.

koegler[at]derTreasurer.de