Der Ölmulti fürchtet eine Zuspitzung der Euro-Krise / Andere verändern Anlagestrategie nicht

09.08.12 14:48

Shell zieht Cash aus Euro-Zone ab

Von Andreas Knoch

US-Treasuries statt Euro-Investments. Der britisch-niederländische Ölkonzern Royal Dutch Shell zieht 15 Milliarden Euro Cash aus Europa ab – offenbar aus Angst vor einer weiteren Zuspitzung der Euro-Krise.

Shell zieht 15 Milliarden Euro Cash aus Europa ab.

Shell

Shell zieht 15 Milliarden Euro Cash aus Europa ab.

Shell-Finanzvorstand Simon Henry kündigte gegenüber der Londoner Tageszeitung The Times an, der Konzern wolle die genannten 15 Milliarden lieber in US-Treasuries bzw. bei US-Banken anlegen. Dabei handelt es sich um den größten Teil der Liquiditätsreserven. Shell sehe sich gezwungen, sein Exposure in den am schwersten von der Schuldenkrise betroffenen Ländern der Euro-Zone zurückzufahren, hieß es. Geschäfte in den Peripheriestaaten könnten nun anders bepreist werden. Henry sagte: „Wir haben unsere Bereitschaft, Kreditrisiken in Europa zu übernehmen, verändert. Die Krise hat unsere Bereitschaft, Kredit zu gewähren, beeinflusst.“ Einen Teil des Geldes muss der Konzern indes zur Finanzierung des laufenden Geschäfts in den Tochtergesellschaften belassen.

Treasurer läuten neue Stufe der Euro-Krise ein

Damit würde die Euro-Krise im Treasury eine weitere Stufe erreichen. Bislang haben Treasurer und CFOs schon den jeweiligen Kontrahentenrisiken der Banken eine hohe Bedeutung beigemessen und ihr Geld zu möglichst sicheren Geschäftspartnern transferiert. In Erinnerung ist hier noch immer die angebliche Verlagerung von 500 Millionen Cash durch Siemens von der Société Générale zur EZB. Der weitgehende Abzug liquider Reserven aus der gesamten Währungszone wäre indes eine erhebliche Eskalation und wird den Euro weiter belasten. Von dieser Publikation befragte Auslandsbanken sahen eine verstärkte Suche nach Opportunitäten, konnten hingegen keinen Trend zu Dollar-Deposits bei kurzfristigen Anlagen bestätigen.

Bislang sieht es also nicht nach einer großen Kapitalflucht aus dem Euro aus. Sprecher von Daimler und BASF sagten dem Handelsblatt, ihre Anlagestrategien nicht wegen der Euro-Krise ändern zu wollen. Die britischen Konzerne Vodafone und Glaxo Smith Kline gaben jedoch laut F.A.Z. an, täglich Geld aus Griechenland und anderen Krisenländern abzuziehen. Die schwedische Securitas und die niederländische ING-Gruppe haben vor allem Sorge um ihr Geld in Spanien und reduzieren laut Dow Jones ihr Engagement.

Knoch[at]derTreasurer.de