EZB senkt Leitzinsen auf historische Tiefs

06.06.14 07:20

Zinstief: Geldanlage wird immer teurer

Von Andreas Knoch

Mit der erneuten Leitzinssenkung der EZB steigt der Leidensdruck für Treasurer bei der Geldanlage noch einmal an. Flexiblere Anlagerichtlinien sind in den Unternehmen dennoch die Ausnahme.

EZB

Mario Draghi ist bei zinsaffinen Anlegern zurzeit nicht wohlgelitten.

Mit der erneuten Leitzinssenkung der EZB steigt der Leidensdruck für Treasurer bei der Geldanlage noch einmal an. Im Gegensatz zu Banken müssen die Unternehmen der Realwirtschaft zwar noch keine negativen Nominalzinsen bei der Anlage fürchten. An negative Realzinsen haben sich viele Treasurer dagegen schon gewöhnt. „Die bei der kurzfristigen Anlage noch immer dominierenden Bankeinlagen werden bei Übernachtgeldern in der Regel gar nicht mehr verzinst. Für längere Laufzeiten sind selten mehr als 20 Basispunkte drin – und das auch nur bei Sonderkonditionen mit überschaubaren Volumina“, klagt ein Treasurer. In Anbetracht dieser Konditionen hilft auch die zuletzt deutlich zurückgegangene Inflationsrate nicht: Die liquiden Mittel werden real Monat für Monate weniger wert.

Kaum Anlagealternativen

Zwar dominiert bei der Geldanlage nach wie vor der Sicherheitsaspekt. Gleichwohl haben einige Unternehmen auf das veränderte Umfeld reagiert und ermöglichen eine größere Flexibilität bei der Anlage liquider Mittel. „Unsere Anlagerichtlinien erlauben uns, in einen relativ breitgefächerten Strauß an Instrumenten zu investieren – angefangen bei Bankeinlagen, die inzwischen aber nur noch eine untergeordnete Rolle spielen, über CPs bis hin zu Repo-Geschäften“, sagt Thomas Gerke, Treasurer beim Kasseler K+SKonzern, der zurzeit rund 2 Milliarden Euro an liquiden Mitteln im Wesentlichen für den Aufbau eines neuen Standorts in Kanada vorhält.

 

Trotz der relativen Freiheit bei der Geldanlage muss Gerke mit dem leben, was der Markt aktuell bietet. Und das ist bei der Maßgabe einer hohen Sicherheit eben nicht viel. „In riskante Anlagen lassen wir uns nicht treiben. Wir haben zwar Renditeplanwerte im Asset Management, doch sind diese eher als Orientierungsgröße zu verstehen. Wenn es das Umfeld nicht hergibt muss man die Renditeerwartungen eben zurücknehmen“, erklärt Gerke. Viele Treasurer haben weitaus engere Fesseln, was unter anderem auch mit bilanziellen Aspekten während der Laufzeit zusammenhängt und der Frage, wie volatil das Zinsergebnis sein darf – oder eben nicht.

Geldmarktfondsanbieter erwägen Gebührenverzicht

Auch auf der Sell-Side reagiert man auf das historisch niedrige Zinsniveau. So positionieren sich die Anbieter von Geldmarktfonds aktuell eher in längeren Laufzeiten. „Wir sind zurzeit am oberen Ende der Maximalduration von 60 Tagen investiert“, sagt der Manager eines Liquidity Fonds. Darüber hinaus erwägen die Fondsgesellschaften, auf Gebühren zu verzichten, um das Renditeniveau nach Abzug der Kosten über der magischen Nulllinie zu halten. Viele Fondsmanager sehen das herausfordernde Umfeld allerdings gelassen: „Es ist immer auch eine Frage der Alternativen. Bei vergleichbaren Risikoprofilen gibt es momentan schlichtweg keine“, bringt es ein Fondsmanager auf den Punkt.

 

Knoch[at]derTreasurer.de