Verlängerung läuft ab

31.07.14 09:43

Ab morgen geht im Euro-Zahlungsverkehr nichts ohne Sepa

Von Desiree Backhaus

Die Übergangsfrist für die Umstellung auf Sepa läuft mit dem heutigen Tag endgültig ab. Die Mehrheit der deutschen Unternehmen ist gut gerüstet – dank der Last-Minute-Verlängerung der Deadline durch die EU im Januar. Das nächste Kapitel von Sepa kann beginnen.

Die Sepa-Umstellung ist in fast allen Unternehmen abgeschlossen, jetzt beginnt ein neues Kapitel im Euro-Zahlungsverkehr.

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Die Sepa-Umstellung ist in fast allen Unternehmen abgeschlossen, jetzt beginnt ein neues Kapitel im Euro-Zahlungsverkehr.

Jetzt ist es soweit: Ab morgen müssen Unternehmen das Sepa-Verfahren für den Euro-Zahlungsverkehr nutzen – nationale Formate dürfen Banken dann nicht mehr akzeptiert. Doch anders als zur ursprünglichen Deadline am 1. Februar bereitet das Ende der Übergangsfrist dieses Mal kaum einem Treasurer oder Cash-Management-Banker schlaflose Nächte: Die große Mehrheit der Unternehmen hat ihre Umstellung erfolgreich abgeschlossen.

Im Juni 2014 waren bereits 92,7 Prozent aller Überweisungen in Deutschland Sepa-Überweisungen, wie in der vergangenen Woche veröffentlichte Zahlen der Bundesbank zeigen. Der Sepa-Anteil bei den Lastschriften lag im Juni bei 84 Prozent. Hier liegt der Richtwert allerdings unter 100 Prozent, da der Einzelhandel das populäre Elektronische Lastschriftverfahren (ELV) noch bis zum 1. Februar 2016 nutzen darf. Erst dann wird es durch die Sepa-Lastschrift abgelöst.

Mit einem Chaos im Zahlungsverkehr rechnet daher kaum jemand, wie aus einer Blitzumfrage von DerTreasurer unter sieben Banken, vier Treasury-Systemanbietern und einem Beratungshaus hervorgeht. Die SEB akzeptiert bereits seit Ende April keine nationalen Zahlungsformate mehr, weil alle ihre Kunden die Sepa-Umstellung abgeschlossen hatten. Bei der HypoVereinsbank und der Commerzbank haben „nahezu alle Kunden“ die Umstellung geschafft. Die HSBC gab den Umstellungsstand ihrer Kunden Mitte Juli mit etwa 95 Prozent an. Die wenigen, die jetzt noch nicht fertig ist, werden sich mit Notfall-Konvertierungslösungen behelfen – ein Restrisiko allerdings bleibt.

Treasury-Abteilungen haben die Sepa-Verlängerung genutzt

Im vergangenen Jahr hatte die Situation noch ganz anders ausgesehen: Die Commerzbank hatte Ende November gewarnt, dass bis zu 40 Prozent der deutschen Mittelständler Gefahr liefen, die ursprüngliche Februar-Deadline zu verpassen. Kurz vor Weihnachten zeigte sich auch die Bundesbank alarmiert  angesichts der niedrigen Sepa-Nutzungszahlen bei kleinen und mittleren Unternehmen.

Wenige Wochen vor Ablauf der Deadline reagierte die EU und verlängerte die Sepa-Übergangsfrist um sechs Monate bis zum 1. August.  EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier sah damals keine Alternative, um Störungen im Zahlungsverkehr zu vermeiden. Banken zeigten sich verärgert, der Spitzenverband Deutsche Kreditwirtschaft bezeichnete die Verlängerung als „nicht notwendig“.

Im Nachhinein stellte sich die Entscheidung der EU aber als richtig heraus: Insbesondere bis Ende April, bei den Lastschriften sogar bis Ende Mai, stieg die Umstellungsquote gemäß Bundesbank-Zahlen steil nach oben. Auch die Mehrheit der Banken bewertet die Verlängerung im Rückblick daher als sinnvoll.

Treasurer wollen jetzt die Vorteile von Sepa nutzen

Das leidige Kapitel Sepa-Umstellung ist mit dem morgigen Tag nun weitestgehend abgeschlossen. Jetzt stellt sich für viele Unternehmen die Frage, wie sich ihre Investitionen in die Migration bezahlt machen können. Bislang dominierten auch bei den Unternehmen, die bereits auf Sepa umgestellt hatten, die Nacharbeiten: Viele Treasurer sehen noch kaum Vorteile, sie klagen sogar über ineffizientere Zahlungsverkehrsprozesse, wie zahlreiche Umfragen ergeben haben.

Doch gerade unter den größeren, international aufgestellten Unternehmen erkennen einige die Vorteile eines harmonisierten Euro-Zahlungsverkehrs und wollen diese jetzt nutzen. Dazu gehören vor allem die Zentralisierung des Zahlungsverkehrs und die Konsolidierung des Bankenkreises. Allerdings gibt es auch hier noch einige Hürden, an denen die Regulatoren nachbessern müssen – so richtig geht Sepa eigentlich jetzt erst los.

backhaus[at]derTreasurer.de

Alle Informationen rund um das Ende der Übergangsfrist, die Reaktionen der Banken und Systemanbieter und die Punkte, an denen Regulierer noch nachbessern müssen, finden Sie auch in unserem Sepa-Countdown.