Neues Instrument für Handelsfinanzierung

04.11.14 08:00

BPO feiert Deutschlandpremiere

Von Desiree Backhaus

Manche hatten die Bank Payment Obligation (BPO) schon abgeschrieben, nun gab es die ersten Livetransaktionen in Deutschland: Die Commerzbank und UniCredit haben erste BPO-Deals für deutsche Unternehmen aufgesetzt. Das neue Instrument für die Handelsfinanzierung hat einige Vorteile – aber auch viele Tücken.

Die BPO soll die Handelsfinanzierung erleichtern.

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Die BPO soll die Handelsfinanzierung erleichtern.

Drei deutsche Unternehmen haben in den vergangenen zwei Wochen erstmals die Bank Payment Obligation (BPO) genutzt. Sie enthält ein unwiderrufliches Versprechen der Bank des Käufers an die Bank des Verkäufers, bei Fälligkeit der Rechnung eine entsprechende Zahlung zu leisten. Zunächst gab die Commerzbank bekannt, eine solche Transaktion für den Rohstoffimporteur Polytrade abgewickelt zu haben. Das Zahlungsversprechen ging an die Bangkok Bank. Kurz darauf vollzog die UniCredit BPO-Deals für den Rührwerkhersteller RVT und den Chemiefaserhersteller TWD Fibres Service. Beide sind Exporteure, die UniCredit erhält daher Zahlungsversprechen, im Fall von RVT von der Bank of Tokyo-Mitsubishi.

„Die ersten Transaktionen werden Signalwirkung für den Markt haben“, sagt Frank-Oliver Wolf, Global Head of Cash Management & International Business bei der Commerzbank. Er rechnet damit, dass die BPO in den kommenden Jahren einen festen Platz in der Handelsfinanzierung einnehmen wird, ohne dabei das Akkreditiv zu verdrängen.

Weniger Fehler, mehr Effizienz und besseres Cash Management

Dieser Ansicht schließt sich Markus Wohlgeschaffen, Global Head of Trade Products bei der UniCredit an: „Akkreditive werden bei einmaligen Geschäftsbeziehungen weiterhin eine wichtige Rolle bei der Zahlungsabsicherung spielen. Bei revolvierenden Geschäftsbeziehungen hat die BPO dagegen Vorteile.“ Da die Daten des Handelsgeschäfts über die TSU-Plattform des Finanznachrichtendienstleisters Swift elektronisch übermittelt und abgeglichen werden, sinkt die Fehleranfälligkeit und Prozesse werden effizienter. „Bislang müssen unsere Kunden die Daten dort noch semi-manuell hochladen“, erklärt Wohlgeschaffen. Mit steigenden Transaktionszahlen sollen die Prozesse aber automatisiert werden. Dank des Zahlungsversprechens zu einem festen Fälligkeitstermin kann der Exporteur außerdem sein Cash Management verbessern.

Der Weg zum BPO-Durchbruch ist noch weit

Trotz dieser Vorteile musste Deutschland lange auf die erste BPO-Transaktion warten: Im Juli 2013 trat der Industriestandard auf Basis von ISO 20022 für die BPO in Kraft. In diesem Mai, also knapp ein Jahr danach, nutzen laut eines Swift-Reports aber lediglich 25 Corporates und acht Banken die BPO. 17 weitere Banken waren zwar bereit dafür – darunter auch die Commerzbank und die UniCredit – hatten aber noch keinen Kunden gefunden, der mitmachen wollte.

Die Herausforderung liegt darin, dass bei der BPO vier Parteien involviert sind. „Selbst wenn wir einen Kunden haben, der die BPO nutzen möchte, muss er also zunächst seinen Geschäftspartner davon überzeugen – und der muss wiederum eine Bank haben, die BPO-fähig ist“, sagt Wolf. Es werden noch deutlich mehr Banken und Unternehmen aufspringen müssen, um die kritische Masse zu erreichen. Der Anfang ist jetzt gemacht.

Backhaus[at]derTreasurer.de