Vorteile von Sepa quantifizieren

30.03.15 10:10

Cash Management optimieren: Commerzbank startet Berechnungstool

Von Desiree Backhaus

Dank Sepa können Unternehmen ihren Zahlungsverkehr zentralisieren und konsolidieren. Doch unter welchen Umständen zahlen sich diese Projekte aus? Die Commerzbank stellt heute ein neues Instrument vor, mit dem Treasury-Abteilungen die Vorteile berechnen können.

Die Commerzbank hat eine neue Treasury-App für Firmenkunden entwickelt.

Julia Schwager/Commerzbank AG

Die Commerzbank hat eine neue Treasury-App für Firmenkunden entwickelt.

Lohnt sich die Einführung einer Payment Factory? Wie viel kann mein Unternehmen durch die Reduzierung von Bankkonten einsparen? Wie wirkt sich ein schnelleres Mahnwesen auf die Liquidität aus? Im Nachgang an die Sepa-Umstellung werben zahlreiche Banken damit, dass Firmenkunden die Vorteile des harmonisierten Euro-Zahlungsverkehrs nutzen und Prozesse zentralisieren sollen. Einige Treasurer haben dies vor, wie sie im Rahmen des 12. Treasurer-Panels im vergangenen Mai zu Protokoll gegeben haben. Doch welche Projekte sich für sie tatsächlich auszahlen, wissen viele Unternehmen nicht.

Um Treasurern einen Richtwert zu geben, hat die Commerzbank jetzt ein neues Tool entwickelt, das sie heute vorstellen wird, wie DerTreasurer vorab erfuhr. „Unternehmen können damit ihren Business Case überschlägig errechnen“, sagt Dirk Braun, Cash-Management-Spezialist der Commerzbank und Ideengeber der neuen App. 15 verschiedene Projekte können Unternehmen dort durchrechnen, mit denen sie ihre Liquidität verbessern, Zinsen senken und den Administrationsaufwand reduzieren können.

Das Tool ist bewusst einfach gehalten: Pro Ansatzpunkt müssen Unternehmen lediglich etwa drei bis zehn Kennzahlen eingeben, dann berechnet es die monetären Vorteile. „Damit schaffen wir auch ein Bewusstsein für die Einflussfaktoren“, so Braun. Sprich: Auf welche Kostenblöcke muss ein Treasurer schauen, welche Informationen muss er sich möglicherweise an anderen Stellen im Unternehmen einholen.

Commerzbank hat keinen Zugriff auf Nutzerdaten

Als Zielgruppe für den kostenlosen Service sieht die Bank vor allem kleinere und mittelgroße Mittelständler, die sich bislang noch kaum mit den Optimierungsmöglichkeiten im Cash Management befasst haben. Ein reiner Selbstzweck ist das Tool nicht, am Ende des Tages will die Commerzbank natürlich auch Produkte verkaufen. Die Zahlen, die der Algorithmus auswirft, sollte man daher mit der nötigen Vorsicht zu genießen. Einen möglichen Interessenskonflikt will die Bank dadurch abmildern, indem sie betont, die Zahlen nicht als exakte finanzielle Vorteile zu verstehen: „Mit dem Tool können Treasurer vorselektieren, welche Ansatzpunkte grundsätzlich interessant für das Unternehmen sind und weitere Aufmerksamkeit verdienen“, sagt Braun.

Ein weiterer Pluspunkt: Nutzer müssen sich nicht registrieren oder die App herunterladen. Die Bank hat daher nach eigenen Angaben keinen Zugriff auf die Daten. „Wir sehen nicht, wer dort was eingibt“, versichert Braun, es sei denn ein Nutzer suche über den E-Mail-Button bewusst den Kontakt. Das soll die Akzeptanz des Tools in der Zielgruppe erhöhen.

In einem zweiten Schritt soll die App um Rechner für Trade-Finance-Services erweitert werden, später könnten auch andere Bereiche des Corporate Treasury folgen.

Backhaus[at]derTreasurer.de