Grenzüberschreitendes Cash Pooling bald in ganz China erlaubt

23.06.14 08:00

China lockert Renminbi Cash Pooling weiter

Von Desiree Backhaus

In der Freihandelszone in Schanghai erlauben die chinesischen Regulierungsbehörden grenzüberschreitendes Cash Pooling seit Februar. Nun soll diese Möglichkeit auf das gesamte Land ausgeweitet werden – für Treasurer könnte sich das Abwarten lohnen.

Grenzüberschreitendes Cash Pooling bald in ganz China erlaubt

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Treasurer könnten schon bald mehr Freiheiten beim Cash Management in Festland-China haben.

Schon bald könnten alle in China tätigen Unternehmen grenzüberschreitendes Cash Pooling in Renminbi nutzen. Auch das Netting von Forderungen und Verbindlichkeiten soll bald landesweit erlaubt werden. Das geht aus einer Mitteilung hervor, die die chinesische Zentralbank PBOC an einige Banken herausgeschickt hat und die seit dem vergangenen Montag auch auf der Website der PBOC zu finden ist.

Darin heißt es etwas umständlich, dass „multinationale Unternehmen zentralisierte, grenzüberschreitende Renminbi Funding Aktivitäten wie Cash Pooling und die zentralisierte Abwicklung von eingehenden und ausgehenden RMB-Zahlungen im Kontokorrentverkehr“ durchführen dürfen, natürlich nur in Einklang mit den Regularien der PBOC. Dafür dürfen sie eine Tochtergesellschaft mit Sitz in China als Leader ernennen, bisher muss dieser in der Freihandelszone Schanghai sitzen. „Es gibt noch keine genauen Details, aber es sieht so aus, als würde die PBOC Unternehmen in ganz China gestatten, RMB in beide Richtungen grenzüberschreitend zu leihen beziehungsweise zu verleihen“, sagt Heinz Hilger, Leiter des deutschen Großkundengeschäfts bei der Standard Chartered Bank.

Cash Management in China wird einfacher

Für Treasurer wäre das ein Durchbruch beim Cash Management in China: Seit Februar ist grenzüberschreitendes Renminbi Cash Pooling zunächst nur Unternehmen mit Sitz in der Freihandelszone Schanghai erlaubt. Auf Druck anderer Städte, die im ökonomischen Wettbewerb nicht ins Hintertreffen geraten wollen, will die chinesische Zentralbank diese Möglichkeit nun auf das gesamte Land ausweiten.

Die Geschwindigkeit, mit der China sich öffnet, überrascht selbst China-Spezialisten: „Die Lockerungen in der Freihandelszone sind nur ein paar Monate alt, und bisher nutzen sie erst wenige Unternehmen“, sagt ein Cash-Management-Banker. „Offenbar haben sich die Erwartungen der PBOC erfüllt, und es ist kein Hot Money über diesen Kanal in das Land hereingeflossen.“ Die Sorge vor spekulativem „heißem“ Geld ist eine von Chinas größten Sorgen und Hauptgrund für die Kapitalverkehrskontrollen. Banker gehen davon aus, dass die landesweite Lockerung noch in diesem Jahr in Kraft treten könnte. Für Treasurer könnte es sich lohnen abzuwarten – die Bereitschaft, sich kurzfristig auf die Freihandelszone Schanghai einzulassen, dürfte daher sinken.

Backhaus[at]derTreasurer.de