Druck auf die Banken steigt

26.07.17 11:34

Handel: Instant Payments revolutionieren den Zahlungsverkehr

Von Desiree Backhaus

Die deutschen Einzelhändler versprechen sich von Instant Payments große Vorteile. Sie fordern deshalb eine schnelle Umsetzung von den Banken. Bei einer gestrigen Konferenz wurde aber klar, dass das nicht die einzige Hürde ist.

GeorgeRudy/iStock/Thinkstock/Getty Images

Bezahlen per Smartphone ist in Deutschland nicht sehr populär. Der Handel hofft, das Instant Payments das ändern können.

Was bringen Instant Payments meinem Unternehmen? Während sich viele Corporate Treasurer aus Industriekonzernen diese Frage stellen, ist die Antwort aus Sicht von Handelsunternehmen klar: „Instant Payments sind eine längst überfällige Entwicklung“, sagte Ulrich Binnebößel vom Handelsverband Deutschland (HDE) beim Sepa-Instant-Payment-Praxistag des Zahlungsverkehrsanbieters Payment Group International, der am gestrigen Dienstag am Frankfurter Flughafen stattfand. Der Vertreter eines großen deutschen Lebensmittelherstellers geht sogar noch weiter. Er sieht in den Echtzeitzahlungen „eine Chance für eine Revolution im Zahlungsverkehr“.

Die Händler versprechen sich von der Einführung von Instant Payments drei Vorteile: Erstens können sie sofort über das Geld verfügen, weil eine finale Gutschrift innerhalb von 10 Sekunden erfolgt – und das 365 Tage im Jahr rund um die Uhr. Zweitens wären Händler künftig bei der Abwicklung des Zahlverfahrens nicht mehr von einem zwischengeschalteten Zahlungsdienstleister abhängig. Dank des steigenden Wettbewerbs könnten drittens auch die Kosten für den Zahlungsverkehr sinken, hoffen die Händler.

Instant Payment eine Chance für Banken?

Der entscheidende Unterschied zu Kartenzahlungen: Instant Payments werden direkt vom Bankkonto des Zahlenden initiiert. Bei dieser Zahlmethode könnten Händler daher auf einen Intermediär verzichten – und damit die anfallenden Gebühren deutlich senken. „Das Bankkonto wird wieder Dreh- und Angelpunkt des Zahlungsverkehrs am Point-of-Sale“, sagt der Handelsverbandsexperte Binnebößel. Er sieht darin auch einen Vorteil für die Banken, die vor allem im Onlinehandel bereits viel Geschäft an Paypal, Klarna und Co. verloren haben: „Mithilfe von Instant Payments könnten die Banken mit diesen Plattformanbietern mithalten.“

Diese Chance haben inzwischen auch einige Banken erkannt und treiben die Einführung von Instant Payments voran: Gestern kündigte die UniCredit als eine der ersten Banken überhaupt an, ihren Kunden die neue Echtzeitzahlung „zeitnah“ zum Start im November 2017 anzubieten. 

Der 21. November gilt als offizieller Starttermin für die Sepa Instant Payments. Denn dann tritt das Regelwerk des European Payment Council (EPC) in Kraft, das die technischen Standards der Zahlungen im Interbankenverkehr regelt. Gleichzeitig geht RT1 an den Start, die paneuropäische Echtzeitzahlungsplattform von EBA Clearing, die es Banken ermöglicht, Zahlungen sofort abzuwickeln. Neben der UniCredit planen nach Angaben der EBA 30 weitere Finanzinstitute, sich bis November mit RT1 zu verbinden.

Für den Erfolg von Instant Payments braucht es Reichweite

Am Anfang werden aber wohl nur geringe Volumina über die Plattform laufen, räumen selbst Experten der EBA ein. Denn die für die Banken freiwillige Einführung von Instant Payments ist nicht nur mit hohen Investitionen in die eigenen Systeme verbunden. Es nützt auch wenig, als erstes Haus Echtzeitzahlungen für die Kunden durchführen zu können, wenn die Bank des Zahlungsempfängers die Echtzeitzahlungen nicht als solche verarbeiten kann. „Wir brauchen Reichweite“, fordern daher auch Handelsvertreter.

Das Gros der Banken wird aber wohl frühestens im kommenden Jahr Sepa Instant Payments anbieten: 2018 wollen sich dem Betreiber EBA Clearing zufolge 70 weitere Banken an die Echtzeitzahlungsplattform RT1 anschließen. Als Vorreiter beim Thema Instant Payment gelten etwa die Niederlande oder Belgien. In Deutschland hielten sich dagegen vor allem Genossenschaftsbanken und Sparkassen bedeckt hinsichtlich ihrer Pläne, bemängelte ein Teilnehmer der Veranstaltung.

Paymentgroup stellt Instant Payment Prototypen vor

Nicht nur das Thema Reichweite treibt die deutschen Einzelhändler um: Sie fordern auch schnell konkrete Anwendungen für Echtzeitzahlungen am Point-of-Sale. Dafür benötige es offene, standardisierte Schnittstellen für den Zahlvorgang zwischen Kunde und Händler sowie für die Bestätigung des Zahlungseingangs seitens der Händlerbank.

Bei der gestrigen Veranstaltung präsentierten die Paymentgroup, die Kassensystem-Plattform POSPartners und der Standardsetzer GS1 anhand eines Prototypen wie der Bezahlvorgang künftig aussehen könnte: Die Kasse erzeugt einen QR-Code, den der Kunde mit seinem Handy abscannt. Daraufhin öffnet sich automatisch eine App, der Kunde klickt den Button „Zahlen“ an und gibt ein Passwort ein. Der Rest läuft innerhalb weniger Sekunden im Hintergrund ab: Die Zahlung wird per Ebics an die Kundenbank geschickt, sie führt die Zahlung durch und die Zahlungsempfängerbank bestätigt die Gutschrift dem Händler.

Kunden, denen der dreistufige Prozess – Scan, Button klicken, Passwort eingeben – zu aufwendig ist, können festlegen, dass eine Zahlung erst ab einem gewissen Betrag per Passwort authentifiziert werden muss. Außerdem kann der Kunde gewisse Händler grundsätzlich für Echtzeitzahlungen freischalten. Dann muss er nach dem Scan nicht einmal den Zahl-Button drücken. Vor allem an der Benutzerfreundlichkeit, aber auch der grundsätzlichen Bereitschaft vor allem deutscher Verbraucher sind innovative Zahlmethoden wie Yapital im Handel in der Vergangenheit gescheitert.

EZB geht in Konkurrenz zu EBA Clearing

Zahlen der EZB, auf deren Betreiben die Einführung eines harmonisierten Euro-Echtzeitzahlungsverkehrs zurückgeht, machen aber Mut: Die Europäische Zentralbank geht davon aus, dass 2020 etwa 12 Prozent des Zahlungsverkehrsvolumens in der Sepa-Zone über Instant Payments abgewickelt werden könnten. Bis 2023 sollen es schon 22 Prozent sein. Das ist das Ergebnis einer Umfrage unter Banken.

Um die Banken anzutreiben, hat die EZB mit TIPS kürzlich ebenfalls eine Plattform für Echtzeitabwicklung vorgestellt – sehr zum Missfallen der privatwirtschaftlich organisierten EBA Clearing, die das EZB-Angebot als Konkurrent zu ihrer Plattform RT1 sieht. TIPS wird allerdings erst im November 2018 an den Start gehen, so der Plan der EZB.

Backhaus[at]derTreasurer.de

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