HVB beendet Pilotphase nach über einem Jahr

20.11.15 09:42

Neue Standardlösung für virtuelle Konten

Von Desiree Backhaus

Virtuelle Konten erleichtern die Zentralisierung des Zahlungsverkehrs. Für Ausgangszahlungen kommen sie bislang allerdings kaum zum Einsatz. Das will die HypoVereinsbank (HVB) mit einer neuen Lösung jetzt ändern.

B. Braun Melsungen

Der Medizintechnikkonzern B. Braun Melsungen war Pilotkunde der HVB für virtuelle Konten.

B. Braun Melsungen machte es vor: Als Pilotkunde der HypoVereinsbank (HVB) zentralisiert der nordhessische Medizintechnikkonzern seinen Zahlungsverkehr mit Hilfe von virtuellen Konten. Nach über einem Jahr im Pilotbetrieb rollt die HVB diese Portallösung jetzt für alle deutschen Firmenkunden aus: „Wir haben inzwischen eine zweistellige Zahl an Unternehmen auf die Plattform aufgesetzt“, sagt Gerhard Bystricky, Leiter Produktentwicklung Cash Management bei der HVB.

Das Prinzip der virtuellen Konten ist einfach: Ein Unternehmen kann jeder Tochtergesellschaft, jedem Geschäftspartner und Mitarbeiter eine virtuelle IBAN zuweisen – und alle mit einem realen Bankkonto verknüpfen. Das hat diverse Vorteile: Eingehende Zahlungen fließen direkt auf ein zentrales Konzernkonto, können aber dank der virtuellen IBAN eindeutig zugeordnet und entsprechend verbucht werden. „Das erhöht die Transparenz im Accounting und reduziert komplexe Cash Pooling Strukturen “, sagt Bystricky. Im Endeffekt können Unternehmen die Anzahl ihrer realen Konten drastisch reduzieren – ein Zustand, den diverse Treasury-Abteilungen anstreben.

Virtuelle Konten für Eingangs- und Ausgangszahlungen

Der Fokus solcher Lösungen, die einzelne Banken ihren Firmenkunden anbieten, lag bislang auf der Eingangsseite. „Vergleichbare Produkte am Markt waren bislang nur für die Empfängerseite einsetzbar“, so Bystricky. Mit virtuellen Konten für Ausgangszahlungen in Euro und Fremdwährung ist die HVB dagegen nach eigenen Angaben Pionier in Deutschland.

Zwar hat der Schweizer Pharmakonzern Roche schon vor zwei Jahren mit der Deutschen Bank eine Struktur aufgebaut, bei der er mit Hilfe von virtuelle Konten Zahlungen im Namen von Tochtergesellschaften ausführt („Payments on Behalf“). Bei der HVB-Lösung sind virtuelle Konten-Strukturen dank der neuen Plattform nun aber für nahezu alle Unternehmen realisierbar. Über eine Schnittstelle wird die HVB-Lösung mit dem Treasury- und dem ERP-System des Unternehmens verbunden: „Zahlungen werden automatisch eingespeist, die Bank liefert im Anschluss elektronische Auszüge über die virtuellen Konten zurück“, sagt Bystricky. Bislang können virtuelle Konten nur mit realen Konto der HVB verbunden werden, die Bank prüft aber auch die Kombination mit Drittkonten.

50 Länder sollen erreichbar sein

Die Lösung ist im gesamten Sepa-Raum einsetzbar, auch in Nordamerika funktioniert sie bereits. „Für China fehlt noch das finale Statement und an Südafrika sind wir gerade dran“, sagt Bystricky. Insgesamt hat die Bank in ca. 50 Ländern Rechtsgutachten eingeholt, um zu prüfen, ob und unter welchen Umständen eine Payment- und Collections-on-Behalf-Struktur mit virtuellen Konten möglich ist. „Zu klären sind dabei ähnlich rechtliche Fragen wie beim Cash Pooling, etwa in Bezug auf die Insolvenzfestigkeit “, sagt Bystricky.

Backhaus[at]derTreasurer.de