Bank of China will Volumen auf die Plattform bekommen

17.11.14 13:48

Renminbi-Zahlungsverkehr: Clearing in Frankfurt gestartet

Von Desiree Backhaus

Deutsche Unternehmen können ihren Zahlungsverkehr in Renminbi jetzt direkt über Frankfurt abwickeln. Zu den ersten Nutzern des neuen Renminbi-Clearingcenters gehört der Gasdruckfederhersteller Stabilus. Nun will die Bank of China Volumen auf ihre Plattform bringen – und lockt mit einem besonderen Angebot.

Der Finanzplatz Frankfurt ist um eine Möglichkeit reicher: das Clearing von Renminbi-Zahlungen. Was es bringt, muss sich noch zeigen.

Oliver Hoffmann/Thinkstock/Getty Images

Der Finanzplatz Frankfurt ist um eine Möglichkeit reicher: das Clearing von Renminbi-Zahlungen. Was es bringt, muss sich noch zeigen.

Das Renminbi-Clearing in Frankfurt ist heute offiziell gestartet. Das teilte jetzt Frankfurt Main Finance mit, eine Marketinginitiative des Finanzplatzes Frankfurt. Der Termin dürfte jedoch eher einen symbolischen Wert haben - anlässlich der heute beginnenden EuroFinance Konferenz in Frankfurt. Nach Informationen von DerTreasurer laufen bereits seit Ende September kleinere Transaktionen über das Clearingcenter der Bank of China, das diese am 27. August feierlich eröffnet hatte. Ende Oktober hatte es dann noch ein wichtiges Systemupgrade gegeben, weshalb nun im großen Stil Transaktionen abgewickelt werden können.

Schon am Freitag führte außerdem die Commerzbank für den Gasdruckfederhersteller Stabilus eine Zahlung über das Center durch. Laut der zweitgrößten deutschen Bank ist es die erste Firmenkundenzahlung des Clearingcenters. „Mit der Eröffnung des Renminbi-Clearingzentrums in Frankfurt erreichen wir nun mehr Flexibilität und eine höhere Kosteneffizienz“, sagte Stabilus-CFO Mark Wilhelms.

Der Kampf darum, zu den ersten Nutzern zu gehören, ist derweil entbrannt: Auch die Helaba und die Deutsche Bank gaben heute bekannt, das neue Center genutzt zu haben. Die Zahlung der Helaba erfolgte für die Büchel GmbH & Co. Fahrzeugteilefabrik KG, einen mittelständischen Firmenkunden der Sparkasse Fulda.

Bank of China schließt Kooperationen für das Renminbi-Clearingcenter

Die Commerzbank und die Helaba hatten in der vergangenen Woche einen Kooperationsvertrag mit der Bank of China geschlossen. Bereits im August hatte die Deutsche Bank einen solchen Vertrag unterzeichnet. Laut Bernd Meist, Deutschland-Geschäftsführer der Bank of China, hatte bis Anfang November eine zweistellige Zahl von Banken Renminbi-Clearing-Konten bei der BoC eröffnet: „Darunter sind kleine, regionale Banken, aber auch international operierende Geldhäuser.“

Solche Kooperationen sind für die chinesische Bank wichtig, um möglichst viele Transaktionen über ihre Plattform zu leiten. Zwar unterhält die Bank of China bereits Kundenbeziehungen mit einigen deutschen Unternehmen – dazu gehören etwa Siemens, Daimler und VW. Diese Konzerne könnten ihr Renminbi-Zahlungen künftig direkt bei der Bank of China clearen. Doch je mehr Banken in Deutschland und im Rest der Eurozone das Center unterstützen, umso mehr Volumen wird künftig in Frankfurt abgewickelt.

„Wenn wir Volumen haben, haben wir Liquidität – und wenn man Liquidität hat, dann ist man attraktiv und dann kommen auch die Produkte“, sagte Meist Anfang Oktober im Interview mit unserer Schwesterpublikation FINANCE-TV.   Eine wichtige Erwartung, die mit dem Clearingcenter verbunden ist, ist das Entstehen neuer Renminbi-Produkte. Dazu zählen etwa in Frankfurt begebene Renminbi-Bonds (Goethe-Bond).

Renminbi-Zahlungen nach Festland-China könnten schneller werden

Banker und Politiker schüren außerdem die Erwartung, dass Zahlungen in chinesischer Währung künftig schneller abgewickelt werden können. Überweisungen nach Festlandchina müssen nun nicht mehr den Umweg über Hongkong nehmen, wo viele internationale Großbanken ihr Offshore-Clearing betreiben.

Diese Erwartungshaltung hat offenbar auch auf die Treasurer abgefärbt: Gut ein Drittel der von DerTreasurer im Rahmen des 13. Treasurer-Panels  befragten Unternehmen, rechnet damit, dass Renminbi-Zahlungen über das Center schneller werden. Die Bank of China hat für ein gleichtägiges Clearing nun erstmals zwei so genannte Cut-off Zeiten vorgelegt, die ab sofort gelten: Für den chinesischen Onshore-Markt liegt sie bei 10 Uhr, für das Offshore-Clearing bei 16 Uhr.

Die Bank hat sich außerdem etwas Besonderes einfallen lassen, um Banken davon zu überzeugen, das Clearing über die Frankfurter Plattform – und nicht über andere Kanäle – durchzuführen: Sie will bis Mitte 2015 komplett auf die Erhebung von Transaktionsgebühren verzichten, kündigte Meist in der vergangenen Woche bei dem Hessen-Shanghai Business Forum an. Lediglich für Reklamationen würden Gebühren erhoben.

Ob die jeweiligen Banken diese Vorteile an ihre Firmenkunden weiterreichen werden, ist unklar. Bei der Commerzbank dürfen die Kunden in jedem Fall selbst auswählen, über welchen Kanal ihre Renminbi-Zahlungen abgewickelt werden, erklärte ein Sprecher auf Nachfrage.

Backhaus[at]derTreasurer.de