Unsicherheit im Cash- und Währungsmanagement

12.08.14 09:29

Russland-Sanktionen: Unternehmen ziehen Cash ab

Von Desiree Backhaus

Der drohende Handelskrieg zwischen der EU und Russland verunsichert auch deutsche Treasurer. Sie ziehen die Liquidität aus Russland ab, Cash-Pooling-Lösungen verzeichnen großen Zulauf. Die Befürchtung schwingt mit, dass Russland dem bald einen Riegel vorschieben könnte.

dpa

Eiszeit zwischen der EU und Russland: Auch deutsche Treasurer reagieren auf die Sanktionen.

Exportverbote, Währungsverfall, Unsicherheit im Cash Management: Für die in Russland tätigen deutschen Unternehmen ist eine schwierige Zeit angebrochen. Seit die EU vor knapp zwei Wochen erstmals breit angelegte Wirtschaftssanktionen gegen Russland verhängt hat, wächst die Sorge vor einem Handelskrieg.

Schon jetzt spüren einige Unternehmen die härtere Gangart gegenüber Russland: Der Rüstungskonzern Rheinmetall darf ein Gefechtsübungszentrum nicht an die russischen Streitkräfte ausliefern. Die Bundesregierung stoppte den Verkauf, Rheinmetall entgeht zumindest ein Teil des 120-Millionen-Euro-Geschäfts. Das Unternehmen senkte deshalb heute sein Jahresziel.

Schränkt Russland das Cash Management ein?

Doch auch jenseits der von den Sanktionen direkt betroffenen Unternehmen wächst die Sorge um das Russland-Geschäft. Treasurer sehen Handlungsbedarf: „Viele Treasurer ziehen inzwischen täglich oder mehrmals am Tag ihre Liquidität aus Russland ab“, sagt Axel Goedecke von der Unternehmensberatung Horváth & Partners. Grund dafür sei die Angst vor weiteren Sanktionen, die den Zahlungsverkehr einschränken könnten.

Auch Vergeltungsmaßnahmen Russlands, die noch tiefere Einschnitte bedeuten könnten, bereiten den Unternehmen Sorgen: Sollte das Land Devisenbeschränkungen einführen, könnten Treasurer ihr Russland-Cash nicht ohne weiteres nach Deutschland holen.

Auch die österreichische Raiffeisen Bank International, die in Russland mit einer Tochtergesellschaft vertreten ist, verzeichnet bereits seit längerer Zeit Interesse an grenzüberschreitenden Pooling-Lösungen mit Russland: „Wir gehen davon aus, dass die Sanktionen dieser Nachfrage zusätzlichen Auftrieb verleihen“, sagte eine Sprecherin gegenüber DerTreasurer. Ob künftige Sanktionen Einfluss auf das Cash-Pooling-Angebot hätten, sei nicht absehbar. Die ebenfalls in Russland aktive UniCredit wollte sich auf Anfrage von DerTreasurer nicht dazu äußern, ob sie Vergeltungsmaßnahmen fürchtet.

Diese Sorgen sind nicht unbegründet: Per Dekret hat Russlands Präsident Vladimir Putin gestern den Import von europäischen und US-Agrarerzeugnissen verboten. Moskau erwägt offenbar auch ein Überflugverbot für europäische Airlines.

Rubel-Verfall bereitet Treasurern Sorgen

Treasurer müssen außerdem eine Antwort auf den Verfall des Rubels finden. Die russische Währung hat seit der Bekanntgabe der Sanktionen deutlich an Wert eingebüßt: Ein Euro ist nun 48 Rubel wert, Mitte Juli waren es nur 46 Rubel, im vergangenen September sogar nur 43 Rubel.

Der Schmierstoffhersteller Fuchs Petrolub hat wegen der Rubel-Schwäche gerade seine Gewinnprognose für dieses Jahr gekappt. Zwar produziert das MDax-Unternehmen auch lokal, doch der Natural Hedge über sinkende Kosten vor Ort reicht offenbar nicht aus. Absicherungsgeschäfte gegen Wechselkursausschläge nehme Fuchs nicht vor, da dies spekulativ sei, zitiert Reuters den Finanzvorstand Alexander Selent. Großunternehmen zögen bereits in Erwägung, die Faktura-Währung auf Euro oder US-Dollar umzustellen, sagt Berater Goedecke: „Ob sie das bei ihren russischen Geschäftspartnern durchsetzen können, hängt allerdings von ihrer  Marktmacht ab.“ Im Russland-Geschäft gibt es derzeit einige Baustellen für Corporate Treasurer.

Backhaus[at]derTreasurer.de