Neue Lösungen im Working Capital Management

04.07.17 15:30

Trade Finance: Commerzbank und Fraunhofer forschen zu Blockchain

Von Sabine Paulus

Ein Blockchain-Projekt jagt das nächste. Nun wollen die Commerzbank und das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML überprüfen, wie Unternehmen diese Technologie in der Handelsfinanzierung und im Supply Chain Management verwenden können.

Die Commerzbank und das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML prüfen gemeinsam, welche Möglichkeiten Blockchain bei der Handelsfinanzierung und im Supply Chain Management bietet.

Commerzbank AG

Die Commerzbank und das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML prüfen gemeinsam, welche Möglichkeiten Blockchain bei der Handelsfinanzierung und im Supply Chain Management bietet.

Das nächste Blockchain-Projekt startet: Die Commerzbank und das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML wollen gemeinsam untersuchen, wie die Blockchain-Technologie bei der Handelsfinanzierung und im Supply Chain Management zum Einsatz kommen könnte. Kern der Kooperation sei es, Szenarien für die Lieferketten der Zukunft zu entwickeln und daraus letztlich neue Lösungen für das Working Capital Management abzuleiten, teilten die Bank und das Forschungsinstitut am heutigen Dienstag mit.

„Die Digitalisierungsansätze im Supply-Chain-Management wie zum Beispiel die Entwicklung smarter Container, die in der Lage sind, sich selbst zu routen, Logistikdienstleister zu beauftragen und diese selbstständig zu bezahlen, ermöglichen zukünftig völlig neue Geschäftsmodelle für Banken in den Geschäftsbereichen Finanzierung, Risikomanagement und Transaktion“, sagt Michael Henke, Institutsleiter des Fraunhofer-IML. Die Blockchain-Technologie sei zentral für die Verknüpfung physischer und finanzieller Supply Chains, glaubt der Wissenschaftler.

Blockchain gilt als Zukunftstechnologie in der Finanzbranche. Vereinfacht ausgedrückt handelt es sich dabei um eine dezentral und stetig wachsende Datenbank, deren Inhalte auf verschiedenen Servern liegen. Jeder Teilnehmer verfügt dadurch in Echtzeit über den gleichen Informationsstand. Blockchain gilt als effizient und sehr sicher, da die Einträge rückwirkend nur schwer verändert werden können. Diese Technologie ist auch die Basis sogenannter Smart Contracts. Darunter sind intelligente Verträge in einer programmierbaren Computerform zu verstehen, die sich selbst überwachen.

Blockchain im Zahlungsverkehr und in der Handelsfinanzierung

Gerade im Zahlungsverkehr, Wertpapierhandel sowie dem grenzüberschreitenden Warenverkehr bieten sich verschiedene Anwendungsmöglichkeiten für die Blockchain-Technologie an. „Blockchain kann Auswirkungen auf nahezu die gesamte Wertschöpfungskette haben“, sagte der Daimler-Trasury-Chef Kurt Schäfer erst vor einigen Tagen. Ende Juni hatte der Autobauer einen Schuldschein mit Hilfe der Blockchain platziert.

Banken, Börsen und weitere Finanzmarktteilnehmer prüfen derzeit, wie sie die Blockchain-Technologie nutzen können. Erst Anfang dieses Jahres haben sich beispielsweise sieben europäische Banken zusammengeschlossen, um eine gemeinsame Blockchain-Plattform für die internationale Handelsfinanzierung aufzusetzen. Mit dem Aufbau und das Hosting der Plattform, die vor allem die Handelsfinanzierung für kleine und mittelständische Unternehmen erleichtern soll, haben die Kreditinstitute in der vergangenen Woche den Technologiekonzern IBM beauftragt.

Auch die Commerzbank treibt eigenen Angaben zufolge das Thema Blockchain voran: „Wir arbeiten in zahlreichen Projekten und Konsortien auch mit anderen internationalen Banken an der Digitalisierung von Produkten und Dienstleistungen, ebenso an Anwendungsmöglichkeiten für Blockchain-Technologien“, sagt Bernd Laber, Bereichsvorstand Trade Finance und Cash Management Firmenkunden der Commerzbank.

Blockchain könnte bald zum alltäglichen Leben gehören

Die Finanzmarktteilnehmer müssen darauf achten, dass sie das Momentum bei der Blockchain-Technologie nutzen. Denn einer aus diesem Frühjahr stammenden globalen Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC zufolge könnte Blockchain schon in naher Zukunft Teil des alltäglichen Bankgeschäfts werden: 55 Prozent der Befragten wollen diese Technologie bereits im kommenden Jahr in ihren Systemen und Prozessen anwenden, 77 Prozent planen das bis 2020.

Auch einige Experten gehen davon aus, dass in der Finanzbranche in wenigen Jahren die Blockchain-Technologie eine wichtige Rolle spielen wird. Bis 2025 werde auf Basis der Technologie eine Infrastruktur entstehen, über die Geschäfte mit sämtlichen handelbaren Assets – Wertpapiere, Derivate, Devisen, Grundstücke und Co. – abgewickelt werden können, prognostiziert Markus Krall, Managing Director bei der Unternehmensberatung Goetzpartners: „Es werden völlig neue Gebührenmodelle im Banking entstehen“, sagte Krall kürzlich im Interview mit FINANCE-TV. Allerdings ist derzeit noch unklar, wie in der Regulierung mit der Blockchain umgegangen werden soll. Derzeit ist es noch nicht erlaubt, eine Finanztransaktion allein via Blockchain abzuwickeln.

Paulus[at]derTreasurer.de

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