Kosten als Hemmschuh

05.11.15 12:26

Treasurer vernachlässigen Bankenkontenverwaltung

Von Desiree Backhaus

Eine Verwaltung der Bankkonten lässt in vielen Treasury-Abteilungen zu wünschen übrig. Vor allem an einheitlichen Prozessen und den richtigen Tools mangelt es. Das liegt auch an den Kosten.

Claudio Ventrella/Thinkstock/Getty Images

In der Bankkontenstruktur herrscht oft Wildwuchs. Dem Herr zu werden, kann Jahre dauern.

Die einheitliche Bankkontenverwaltung ist eine der größten Baustellen im Zahlungsverkehr deutscher Unternehmen. Viele Treasury-Abteilungen haben hierfür weder Systeme im Einsatz, noch einheitliche Prozesse definiert. Das geht aus einer noch unveröffentlichten Umfrage der Managementberatung BearingPoint und des ProcessLab der Frankfurt School of Finance & Management hervor, die DerTreasurer in Auszügen vorliegt. Für die Umfrage wurden zwischen dem vierten Quartal 2014 und dem zweiten Quartal dieses Jahr 34 überwiegend börsennotierte Unternehmen befragt.

Mehr als zwei Drittel der Befragten verfügen demnach nicht über eine Tool-gestützte Bankkontenverwaltung. Hierunter fallen die Administration von Bankkontostammdaten und Zeichnungsberechtigungen, der gesamte Eröffnungs- und Schließungsprozess sowie die zentrale Archivierung relevanter Dokumente. „Die Unternehmen unterschätzen die Prozesse hinsichtlich ihrer Komplexität“, schlussfolgern die Autoren und warnen vor Wildwuchs in der Kontenstruktur und vor Compliance-Risiken – schließlich handle es sich um hochsensible Schnittstellen zur Bankenwelt.

Die Bankenlandschaft zu harmonisieren kostet Zeit und Geld

In der Tat verfügen nicht wenige Dax-Konzerne sowie international tätige Großunternehmen über eine hohe dreistellige oder gar vierstellige Anzahl an Konten, die sie kaum überblicken können. Ist diese Struktur allerdings erst einmal gewachsen, fällt es schwer auszusortieren: Ein deutscher Großkonzern, der derzeit eine Payment Factory aufsetzt, ist beispielsweise seit über einem Jahr damit beschäftigt, Konten zu schließen und die Bankenlandschaft zu harmonisieren. Ein Tool zur Bankkontenverwaltung war ursprünglich auch vorgesehen – aus Kostengründen legte das Unternehmen diese Pläne aber erst einmal auf Eis.

Eine weitere Baustelle im Cash Management gibt es laut Studie bei der Finanzdisposition: Zwar geben 85 Prozent der Befragten an, die Erhebung des Tagesfinanzstatus stark oder vollständig automatisiert zu haben. Dies gilt aber vor allem für Treasury-Zahlungen und Bankkontosalden. Bei Debitoren- und Kreditoren-Zahlungsströme ist der Automatisierungsgrad dagegen geringer. Bei Löhnen und Gehältern sowie Steuern und Abgaben, gelingt es sogar nur jedem zehnten Unternehmen, die zahlungsrelevanten Informationen automatisiert in den Tagesfinanzstatus zu integrieren. Die Autoren raten deshalb zu einer besseren Integration der Prozesse im Cash Management und Rechnungswesen.

Backhaus[at]derTreasurer.de