Fast 30 Finanzinstitute planen Teilnahme an Echtzeitzahlungsplattform bis November

25.07.17 14:19

UniCredit will Wettrennen bei Instant Payments gewinnen

Von Sabine Paulus

Sepa Instant Payments sollen ab November dieses Jahre möglich sein. Die UniCredit will ihren Kunden „zeitnah“ zum Start die Euro-Echtzeitüberweisungen anbieten. Die Umstellung ist für Banken mit enormen Kosten verbunden.

Kunden der UniCredit-Tochter Hypovereinsbank können bald Sepa Instant Payments durchführen.

Hypovereinsbank

Kunden der UniCredit-Tochter Hypovereinsbank können bald Sepa Instant Payments durchführen.

Die UniCredit ist die erste Bank, die sich zur schnellen Umsetzung von Instant Payments bekennt. Die italienische Großbank hat damit begonnen RT1, die paneuropäische Echtzeitzahlungsplattform von EBA Clearing, zu testen, teilten die Bank und der paneuropäische Zahlungsinfrastrukturbetreiber am heutigen Dienstag gemeinsam mit. Die Pilotphase sei ein wichtiger Meilenstein im Rahmen der Markteinführung von Echtzeitzahlungen in Euro für Kunden der UniCredit.

Damit gehört die UniCredit zu den ersten Banken, die ihren Kunden im Sepa-Raum Instant Payments anbieten wird. „Zeitnah zum go live im November 2017 können UniCredit-Kunden in Italien und Deutschland die neue Zahlungsmethode nutzen“, heißt es in der Mitteilung weiter. Wann genau die erste Zahlung umgesetzt wird, bleibt indes unklar.

Sepa Instant Payments ab November 2017 möglich

In Großbritannien, Dänemark, Singapur und Australien sind Echtzeitüberweisungen bereits möglich. In der Euro-Zone sollen ab November dieses Jahres die sogenannten Sepa Instant Payments durchführbar sein. Das neue kontobasierte Zahlverfahren in Echtzeit „beinhaltet eine sekundenschnelle Zahlungsausführung rund um die Uhr einschließlich der Bestätigung über den Erfolg einer Transaktion“, sagt Jan Kupfer, der seit September 2016 als globaler Co-Head das globale Transaction Banking der UniCredit leitet. Der neue Service soll immer, d.h. 24 Stunden, 365 Tage im Jahr, verfügbar sein. Das Geld muss innerhalb von zehn Sekunden final auf dem Konto des Empfängers gutgeschrieben sein. Dadurch soll das Risiko, dass Kunden nicht zahlen, eliminiert werden.

Im Gegensatz zur Sepa-Überweisung und -Lastschrift sind die Banken aber nicht verpflichtet, ihren Kunden Euro-Echtzeitzahlungen zu ermöglichen. Doch gerade die großen Kreditinstitute werden nicht darum kommen, diesen Service anzubieten, um keine Firmenkunden an Wettbewerber zu verlieren. In dem Wettrennen um die ersten Instant Payments positioniert sich die Unicredit jetzt weit vorne.

Zahlungsverkehr in Echtzeit großer Umstellungsaufwand für Banken

Für die Banken ist die Umstellung auf den Zahlungsverkehr in Echtzeit mit einem großen Aufwand verbunden. Einer Umfrage der Beratung Bearing Point zufolge glauben 43 Prozent der Befragten aus 25 Banken, dass die Kosten zur Einführung von Instant Payments höher sein werden als die Kosten der Sepa-Umstellung vor drei Jahren.

Das dürfte aber gerade für die größeren Kreditinstitute kein Hinderungsrund sein, glauben Experten: „Noch in diesem Jahr werden 25 Banken mit Instant Payments starten“, sagte Andreas Windmeier, Leiter Treasury Services Deutschland und Österreich bei JP Morgan im Frühjahr dieses Jahres in einem Gespräch mit FINANCE-TV. „Spätestens 2020 werden Echtzeitzahlungen die neue Normalität“, prognostizierte er. Hays Littlejohn, CEO von EBA Clearing, geht sogar einen Schritt weiter: „Derzeit planen fast 30 Finanzinstitute, sich im November mit RT1 zu verbinden, 70 weitere Banken planen 2018 ihre Teilnahme.“

Die UniCredit gehört zu den 39 finanzierenden Banken, die die Entwicklung der neuen Infrastruktur von EBA Clearing ermöglichen. Der paneuropäische Zahlungsinfrastrukturbetreiber hatte vor mehr als zwei Jahren eine Projektgruppe gegründet, die die Voraussetzungen für eine europaweit einheitliche Echtzeitzahlungsplattform schaffen sollte. Das ist im Sinne der EZB, die eine Fragmentierung des Echtzeitzahlungsverkehrs vermeiden will, wie EZB-Direktoriumsmitglied Yves Mersch im Dezember 2014 erklärte.  Stattdessen solle man Vorteile aus der durch Sepa geschaffenen Harmonisierung des Euro-Zahlungsverkehrs ziehen, sagte Mersch damals weiter.

Paulus[at]derTreasurer.de

Mehr zum Thema Euro-Zahlungssystem finden Sie auf der Themenseite „Der Weg zu Sepa“.