Vorbild Sepa-Überweisung

18.12.15 08:16

Zahlungsverkehr in Echtzeit kommt im November 2017

Von Desiree Backhaus

Euro-Zahlungen in Echtzeit sollen in zwei Jahren Realität sein. Treasury-Abteilungen müssten allerdings ihre Prozesse umstellen, um vom Echtzeitzahlungsverkehr zu profitieren.

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Treibt Euro-Zahlungen in Echtzeit voran: die EZB.

Die Einführung eines europaweiten Zahlungsverkehrsverfahren in Echtzeit wird konkreter. Ab November 2017 sollen Euro-Zahlungen täglich und rund um die Uhr in Echtzeit möglich sein, wie die Europäische Zentralbank (EZB) jetzt bekannt gab. Gleichzeitig hat die Notenbank die Rahmenbedingungen des Instant-Payment-Regelwerks abgesegnet, die das European Payment Council (EPC), ein Gremium der europäischen Zahlungsdienstleister, vorgestellt hat.

Demnach werden sich die Echtzeitzahlungen so weit wie möglich an der Sepa-Überweisung orientieren, damit alle beteiligten Parteien die neue Zahlmethode kostengünstig realisieren können. Die aufwendige Sepa-Umstellung hatte vor allem die Banken viel Geld gekostet. „Die Akzeptanz auf Seiten der Unternehmen wird entscheidend davon abhängen, ob sich Echtzeitzahlungen einfach in bestehende Prozesse integrieren lassen“, sagt Andrej Ankerst, Head of Cash Management Deutschland und Österreich bei BNP Paribas. Mehrwert könnten Echtzeitzahlungen laut Ankerst als Bargeldersatz vor allem im Einzelhandel oder bei Transaktionen zwischen Privatpersonen bieten.

EZB will Fragmentierung des Zahlungsverkehrs vermeiden

Im Hinblick auf Industrieunternehmen ist der Cash-Management-Banker skeptischer: „Mit dem untertätigen Kontoauszug gibt es bereits eine gute Möglichkeit, um etwa die kurzfristige Liquiditätsvorschau oder Mahnprozesse zu optimieren.“ Noch dazu seien Prozesse im Treasury nicht darauf ausgelegt, dass Zahlungen um zehn Uhr abends oder am Wochenende reinkommen. „Dennoch kann es im Einzelfall Vorteile haben“, glaubt Ankerst.

Der EPC entwickelt nun die technischen Details und Umsetzungsrichtlinien für das sogenannte SCT Inst Scheme. Nach einer dreimonatigen Konsultationsperiode sollen diese im November 2016 veröffentlicht werden. Für die Umsetzung bliebe den Banken dann noch ein Jahr. Das Verfahren basiert zwar auf Freiwilligkeit, die EZB betont aber, man erwarte, dass sich die Zahlungsdienstleister dem Regelwerk anschließen werden. Die Zentralbank will eine Fragmentierung des Euro-Echtzeitzahlungsverkehrs vermeiden.

Backhaus[at]derTreasurer.de