Banken müssen aufpassen

05.08.14 08:00

Zahlungsverkehr: Welche mobilen Lösungen sich durchsetzen werden

Von Desiree Backhaus

Auf dem Markt für mobile Zahlungen tummeln sich diverse Anbieter. Doch nur wer echte Mehrwerte gegenüber den klassischen Zahlungsinstrumenten bietet und eine hohe Reichweite erreicht, wird überleben. Die Banken müssen aufpassen, warnt eine aktuelle Studie.

Zahlungsverkehr: Welche mobilen Lösungen sich durchsetzen werden. Die Banken müssen aufpassen.

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Neue Anbieter wildern im Stammgeschäft der Banken: Eine Studie

beschreibt, wie sich mobiler Zahlungsverkehr durchsetzen kann.

Immer mehr Anbieter für mobile Zahlungen drängen auf den Markt für Zahlungsverkehr. Doch der Durchbruch dieser neuen Bezahlmethode ist bislang noch nicht geglückt – weder in Deutschland noch im Rest von Europa. Einen wichtigen Grund sieht die Beratungsgesellschaft Dr. Thede Consulting im Versagen der Anbieter: „Der Mehrwert für den Kunden wird meist völlig außer Acht gelassen“, urteilt die Beratung in ihrem „TC Payment Report 2014“, der den Lesern von DerTreasurer in unserer White Paper Library als Kurzversion zum Download zur Verfügung steht. Viele Angebote konzentrierten sich zu sehr auf neue technische Möglichkeiten und zu wenig auf den Bedarf der Kunden.

Die Autoren der Studie haben die Vorteile für den Kunden gegenüber den klassischen Zahlungsinstrumenten als besonders wichtigen Faktor für den Markterfolg eines Mobile-Payment-Lösung identifiziert. Anbieter könnten etwa Finanzierungsmöglichkeiten oder einen kostenfreien Versicherungsschutz für die gekaufte Ware in die Bezahllösung integrieren, denkbar sind auch interaktiven Elementen wie die Zusammenstellung einer Einkaufsliste und die Einlösung von Gutscheinen.

Mit Kundendaten lässt sich im Zahlungsverkehr Geld verdienen

Dieser Mehrwert trägt schlussendlich auch dazu bei, dass die Anbieter für sich ein ertragreiches Geschäftsmodell schaffen. Denn im Zahlungsverkehr lässt sich Geld verdienen – jedoch nicht mit der Transaktion an sich, sondern mit den Daten, schreiben die Autoren. Je mehr die Händler über ihre Kunden wissen, desto mehr können sie ihre Angebote daran anpassen und Kunden binden.

Eine hohe Reichweite bei Händlern und Kunden ist ohnehin unabdingbar für den Erfolg einer Bezahllösung. Hier sieht Dr. Thede Consulting insbesondere die Lösung von Edeka und Netto, die auch anderen deutschen Einzelhändlern als White-Label-Lösung angeboten wird, auf einem guten Weg: Mit über 4.000 Filialen sei es das größte Mobile-Payment-Angebot in Deutschland.

Ebenso wichtig ist aus Sicht der Studienautoren aber, dass Kunden sowohl Online als auch Offline Zugriff auf das Bezahlverfahren haben. Denn der stationärer Handel, E-Commerce und M-Commerce wachsen immer stärker zusammen. Hier sehen die Autoren Vorteile für die Otto-Tochter Yapital, die alle Kanäle bedient und außerdem an einem Offline-Angebot arbeitet.

EU-Regulierung bedroht Zahlungsverkehrsgeschäft der Banken

Trotz der bislang niedrigen Akzeptanz mobiler Bezahlmethoden, sollten die Banken die Entwicklung nicht unterschätzen. Das liegt nicht zuletzt an der Regulierung aus Brüssel, wie der Report betont: Nach den aktuellen Entwürfen der überarbeiteten Richtlinie für Zahlungsdienste (PSD2) müssen die etablierten Banken ihre Zahlungssysteme für Dritte öffnen. Das könnte zu Sicherheitsrisiken führen. Gleichzeitig bestehe das Risiko, so die Autoren, dass das Zahlungsverkehrsgeschäft auf den eigenen Systemen durch Dritte abgewickelt wird und so das Transaktionsgeschäft verloren geht. Erlöse brächen weg und direkte Kontakte zu Kunden gingen verloren.

Backhaus[at]derTreasurer.de 

Sie wollen mehr über den Markt für mobilen Zahlungsverkehr erfahren? Eine Kurzversion des „TC Payment Report 2014“ können Sie in unserer White Paper Library herunterladen.