Kommentar zur Platzierung zweier unrated Bonds

05.11.14 08:20

Adidas-Anleihen: doch nicht top

Von Markus Dentz

Kurz nachdem Adidas Anleihen platziert hat, notieren diese unter par. Beobachter machen besonders die schwache Investorenkommunikation des Sportartikelherstellers dafür verantwortlich.

Kurz nachdem Adidas Anleihen platziert hat, notieren diese unter par. Beobachter machen besonders die schwache Investorenkommunikation des Sportartikelherstellers dafür verantwortlich.

FINANCE

Wie in jeder Ausgabe haben wir auch im vergangenen E-Magazin 20-2014 eine „Top-Finanzierung“ gekürt: die aktuelle Anleiheplatzierung von Adidas. Dem Sportartikelhersteller war es gelungen, zwei ungeratete Bonds mit Laufzeiten von sieben und zwölf Jahren zu platzieren. Leser haben uns darauf aufmerksam gemacht haben, dass die Transaktion nicht so „top“ war, wie wir angenommen hatten – besonders aus Investorensicht. Ein Blick auf die Kurse der beiden Bonds gab schnell Aufschluss: Sie liegen momentan bei rund 97 für die lange Tranche und bei 98,7 für die kürzere. Bereits kurz nach dem Abschluss der Transaktion hatten die Kurse nachgegeben und lagen unter dem Ausgabepreis.

Anleiheexperten machen für den Kursverfall mehrere Gründe verantwortlich. Ganz oben auf der Liste steht die unzureichende Investorenkommunikation. Im Vorfeld der Emission gab es nach Informationen von DerTreasurer weder eine Roadshow noch einen Investoren-Call. Nach Bekanntgabe der Transaktion über Bloomberg gaben dennoch viele Investoren ihr Gebot ab, da die Herzogenauracher über einen guten Track Record als ungerateter Emittent verfügen. Doch der Verwendungszweck, ein Teil der Erlöse ist für einen Aktienrückkauf eingeplant, sorgte für Stirnrunzeln. Spätestens bei der Zuteilung fühlten sich viele überrumpelt: Trotz „starker Nachfrage“ (Pressemitteilung von Adidas) bekamen viele mehr Anleihevolumen, als ihnen lieb war. Wenig später trennten sich einige wieder von den Adidas-Papieren.

Adidas hat sich und dem Markt keinen Gefallen getan

Grund genug, noch einmal mit Adidas selbst zu sprechen.  Leider gab sich der Sportartikelhersteller auch unserer Redaktion gegenüber sehr schmallippig – mit Verweis auf die Quiet Period vor den anstehenden Q3-Zahlen. Mit der holprigen Transaktion hat sich der Sportartikelkonzern möglicherweise keinen Gefallen getan, da Investoren künftige Anleihen sicher kritischer sehen werden. Auch das Bankenkonsortium rund um die BayernLB, die Deutsche Bank, JP Morgan, Mizuho und UniCredit hat sich nicht mit Ruhm bekleckert. Selbst für den Gesamtmarkt der ungerateten Papiere könnte der Fall negative Auswirkungen haben, wie ein Beobachter vermutet. Das kann sicher nicht im Sinne der sonst als professionell bekannten Finanzabteilung von Adidas gewesen sein.

markus.dentz[at]finance-magazin.de