Kommentar zur Daimler-Transaktion

18.07.17 08:14

Blockchain-Schuldschein sorgt zu Recht für Furore

Von Desiree Backhaus

Der Blockchain-Schuldschein von Daimler und der LBBW verdient die Aufmerksamkeit, die er bekommt. Doch taugt die neue Technologie auch dann als Emissionskanal, wenn der Emittent auf den Preis schaut? Diesen Nachweis muss die Landesbank nun antreten.

Illustration Sascha Duis

Der Auftakt ist gemacht, jetzt müssen die Banken den Blockchain-Schuldschein weiterentwickeln.

Es war ein Paukenschlag: Der Stuttgarter Autobauer Daimler und die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) haben erstmals die Blockchain-Technologie genutzt, um einen Schuldschein zu platzieren. Eine Nachricht, auf die viele Treasurer gewartet haben, denn endlich füllt sich die abstrakte Aussage, die Blockchain könne Finanzmärkte revolutionieren, mit Leben. Mit Daimler gibt es nicht nur einen konkreten, sondern einen sehr prominenten Anwendungsfall, Treasury-Chef Kurt Schäfer hat die Pilottransaktion persönlich vorangetrieben. Aus diesem Grund verdient der Blockchain-Schuldschein die Aufmerksamkeit, die er jetzt bekommt.

Das heißt nicht, dass sich dabei keine Fragen auftun. Die aktuelle Transaktion kann nur „der erste Schritt“ sein, wie Daimler-CFO Bodo Uebber selbst einräumt. Es gibt zwei große Baustellen, bevor die Schuldscheinplatzierung via Blockchain in Serienproduktion gehen kann.

Nach dem Blockchain-Debüt beginnt die Arbeit erst richtig

Die erste heißt: Regulatoren überzeugen. Bislang müssen Emittenten parallel zum Blockchain-Prozess auch den konventionellen, regulatorisch erforderlichen Platzierungsprozess durchlaufen. Nur wenn die Regulierungsbehörden die Blockchain als alleinigen Emissionskanal akzeptieren, können die Effizienzvorteile der Technologie wirklich zum Tragen kommen.

Die zweite Baustelle: Investoren einbinden. Schließlich steht der Nachweis aus, dass die Technologie auch dann für Schuldscheinplatzierungen taugt, wenn der Emittent auf die Konditionen schaut. Das war bei dieser Pilottransaktion, die die rein technische Machbarkeit demonstrieren sollte, nicht der Fall. Den 100-Millionen-Euro-Schuldschein von Daimler haben daher auch lediglich vier Investoren aus dem Sparkassenuniversum gezeichnet.

Hält der Blockchain-Schuldschein den realen Bedingungen stand?

Eine wirkliche Option für die Unternehmensfinanzierung wird der Blockchain-Schuldschein nur dann werden, wenn eine kritische Masse an Geldgebern bereit steht und miteinander in den Wettbewerb tritt. Deshalb muss die LBBW nun relevante Investoren an ihre private, geschlossene Blockchain anschließen.

Das ist eine Herausforderung, zumal andere Banken ebenfalls mit Blockchains für Schuldscheine experimentieren. Ein fragmentierter Markt kann aber nicht das Ziel sein. Als einer der Marktführer in dem Segment haben die Stuttgarter gute Karten, Vorreiter zu sein und Investoren zu überzeugen. Mit der Transaktion ist ein Auftakt gemacht, die Arbeit geht aber jetzt erst richtig los.

backhaus[at]derTreasurer.de

Blockchain hat das Potential die Bankenwelt zu revolutionieren. Was die neue Technologie ausmacht und welches Pilotprojekte es bereits gibt, das erfahren Sie auf unserer Themenseite Blockchain.