S&P-Report: Neue Kreditstrukturen werden erwartet

11.08.16 13:04

Brexit wirft Leveraged-Finance-Markt nur kurzfristig aus der Bahn

Von Sabine Paulus

Das Brexit-Referendum wird keinen langfristigen Effekt auf das Pricing und die Emissionsaktivität im europäischen Leveraged-Finance-Markt haben, glauben Experten. Dennoch wird es einige Veränderungen am Markt geben.

Nach dem Brexit-Referendum sind katastrophale Auswirkungen auf den europäischen Leveraged-Finance-Markt ausgeblieben.

Tomas Sereda/Thinktstock/Getty Images

Nach dem Brexit-Referendum sind katastrophale Auswirkungen auf den europäischen Leveraged-Finance-Markt ausgeblieben.

Das Ergebnis des Brexit-Referendums hat keine langfristigen Folgen für den europäischen Leveraged-Finance-Markt. Die Märkte für Hochzinsanleihen, Leveraged Loans und Collateralized Loans Obligations (CLOs) waren zwar nach dem Votum der Briten, aus der EU austreten zu wollen, kurzzeitig ausgetrocknet. Inzwischen haben sie sich aber wieder erholt, im Laufe des Juli sogar deutlich.

Der durchschnittliche Kurs der Leveraged Loans am Sekundärmarkt rutschte beispielsweise nach dem Brexit-Referendum deutlich ab, erholte sich aber im Juli auf bemerkenswerte Art und Weise wieder, schreibt die Ratingagentur S&P in einem aktuellen Report. „Ende Juli lag der durchschnittliche Kurs der Leveraged Loans sogar 35 Basispunkte über par und erreichte ein 12-Monats-Hoch“, heißt es in dem Report, den S&P im Nachgang an seine jährliche Leveraged-Finance-Konferenz zusammenstellte. Auch die Renditekurve für High-Yield-Emittenten sank in Europa wieder unter das Vor-Referendumsniveau.

Neue Strukturen bei Krediten und CLOs nach Brexit

Die Experten sind sich einig, dass das Brexit-Referendum keinen langfristigen Effekt auf das Pricing und die Emissionsaktivität im europäischen Leveraged-Finance-Markt haben wird. Die Märkten sind nach wie vor kreditnehmerfreundlich. Nichts desto trotz gibt es einige Bedenken. Das erwartete Abschwächen der britischen Wirtschaft infolge des Brexits dürfte die verbraucherorientierten Branchen in Großbritannien und Europa treffen, glauben die befragten Experten.

Darüber hinaus dürften sich neue Strukturen bei Krediten und CLOs etablieren. Erste Anzeichen hierfür gab es schon vor dem Brexit-Referendum. Vor einigen Wochen integrierten Banken Klauseln in die Verträge, nach denen das vereinbarte Pricing angepasst werden darf, wenn es tatsächlich zu einem Brexit kommen sollte. Allerdings ist es S&P zufolge unwahrscheinlich, dass sich die Kreditstrukturen wesentlich verändern werden, wenn der Brexit umgesetzt wird.

Auch am Sekundärmarkt könnte es zu Veränderungen kommen: Die in Sterling denominierten Krediten und Anleihen könnten noch illiquider werden als sie es ohnehin schon sind. Denn historisch gesehen ist die Liquidität dieser Instrumente gering.

Insgesamt betrachtet geht die Ratingagentur davon aus, dass das Emissionsvolumen im Leveraged-Finance-Markt 2016 etwas niedriger sein wird als im vergangenen Jahr. Das liege aber vielmehr an der allgemeinen Unsicherheit im Markt und weniger am Brexit-Referendum. Die extrem expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank und die gerade erfolgte Leitzinssenkung der Bank of England dürfte aber die Marktaktivität noch etwas ankurbeln.

Paulus[at]derTreasurer.de

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