Steigendes Volumen

29.04.15 08:00

Der neue Boom der Hybridanleihe

Von Antonia Kögler

Es könnte ein gutes Jahr für Hybridkapital werden. Das Niedrigzinsumfeld und die starken M&A-Aktivitäten beflügeln die Emissionen.

RWE reiht sich ein: Emission von Hybrid-Bond, Hybridanleihe boomt.

Alexander Stein/JOKER/dpa/Picture Alliance

RWE reiht sich ein: Der Energiekonzern hat in einer Dual-Tranche-Emission Hybridkapital begeben und liegt damit genau im Trend.

Die Emission von Hybridanleihen boomt. Während in Deutschland das Gesamtemissionsvolumen im vergangenen Jahr bei etwa 10,45 Milliarden Euro lag, steht es nach den ersten vier Monaten des Jahres 2015 bereits bei 6,95 Milliarden Euro. „Die Chancen stehen  gut, dass das Vorjahresvolumen weit übertroffen wird“, sagt Matthias Minor, Leiter Kapitalmarktfinanzierungen für den deutschsprachigen Bereich bei der Royal Bank of Scotland (RBS). Aus Marktkreisen heißt es, dass sogar eine Verdopplung des Volumens möglich ist, sowohl in Deutschland als auch in Europa.

Ein Grund für die steigende Beliebtheit von Hybridbonds ist das derzeitige Niedrigzinsumfeld.  „Für Hybridanleihen zahlen Unternehmen im Schnitt etwa 2 bis 3 Prozent mehr als für normale Anleihen“, sagt Bondexperte Sven Döbeling von der SEB. Damit ist das Instrument beim derzeitigen Zinsumfeld eine günstige Möglichkeit, um an Eigenkapital zu kommen und stößt auf großes Interesse bei Investoren, die auf der Suche nach Renditen sind. Die gibt es nämlich bei den nachrangigen Anleihen wegen des Risikoaufschlags noch.

Mittlerweile hat sich ein Marktstandard etabliert, was die Emission für Unternehmen erleichtert. „Allerdings sind die Verhandlungen der genauen Konditionen mit den Ratingagenturen wichtig und auch deutlich komplexer als bei normalen Anleihen“, betont Matthias Minor. Die Ratingagenturen erkennen bei den meisten Transaktionen 50 Prozent des Volumens als Eigenkapital an, Unternehmen können so ihr Kreditrating stärken. Das macht das Instrument gerade für die Finanzierung von M&A-Deals interessant, bei denen sich Unternehmen stark verschulden. Das Schienenlogistikunternehmen VTG machte zu Beginn dieses Jahres von dieser Möglichkeit für die Übernahme des Wagonvermieters AAE Gebrauch. 250 Millionen Euro sammelte das Unternehmen mit seiner ersten Hybridanleihe ein.

Trend zu Dual-Tranche-Emissionen

Die Anleihe gehört zu den kleineren Transaktionen in dieser Asset-Klasse. Die meisten Emissionen liegen im Benchmark-Bereich, also bei Volumina von mindestens 500 Millionen Euro – und es geht noch größer. „Wir sehen derzeit einen Trend hin zu Dual-Tranche-Emissionen“, sagt Sven Döbeling. Bei diesen Emissionen liegen dann sogar beide Tranchen im Benchmark-Bereich. Im vergangenen Jahr hat Bayer mit einer solchen Jumbo-Transaktion 3,25 Milliarden Euro eingesammelt – ebenfalls für eine M&A-Finanzierung. Aber auch in diesem Jahr haben sich bereits drei der fünf deutschen Emittenten an eine Doppelemission gewagt: Bertelsmann, RWE und Volkswagen.

Das Spektrum der Unternehmen, die sich für die Emission von Nachrangkapital entscheiden, hat sich in den vergangen Jahren erweitert. „Die Industrien der Emittenten haben sich stark differenziert“, sagt Minor. „Früher wurden Hybridanleihen größtenteils von Versorgern emittiert,  heute machen diese nur noch 31 Prozent der Emittenten aus“. Auch ungeratete Unternehmen nutzen das Instrument, um ihr Eigenkapital zu stärken, ohne die Anteile der Eigentümer zu verwässern. Allerdings müssen sie höhere Risikoaufschläge zahlen als Emittenten mit einem Rating.

Trotz der Euphorie sollten Finanzverantwortliche die Refinanzierung nicht außer Acht lassen. Wenn Hybridkapital nicht wieder durch einen Bond mit Eigenkapitalcharakter abgelöst wird, dann verschieben sich auch die Eigenkapitalquoten des Unternehmens wieder. Dann könnte das Zinsumfeld nicht so günstig sein wie momentan. Nach einem M&A-Deal ist das meist zu verkraften, wenn die Emittenten nur temporär ihr Rating stützen wollten und eine klare Entschuldungsagenda haben. Unternehmen, die Hybridkapital nutzen, um ihre Eigenkapitalbasis zu stärken, werden es schwerer haben, sich wieder davon zu lösen.

Koegler[at]DerTreasurer.de