ABC arrangiert RMB-Schuldschein nach deutschem Recht

15.04.15 15:59

Deutsche Leasing emittiert ersten Renminbi-Schuldschein

Von Desiree Backhaus

Novum in der Unternehmensfinanzierung in China: Die Deutsche Leasing hat als erstes deutsches Unternehmen einen Renminbi-Schuldschein begeben. Das Papier läuft fünf Jahre und ist nach deutschem Recht aufgesetzt – zwei Eigenschaften, die das Instrument auch für andere Unternehmen interessant machen dürften.

Nutzt mit dem Renminbi-Schuldschein ein neues Finanzierungsinstrument in China: die Deutsche Leasing.

Deutsche Leasing

Nutzt mit dem Renminbi-Schuldschein ein neues Finanzierungsinstrument in China: die Deutsche Leasing.

Die Deutsche Leasing hat als erstes deutsches Unternehmen ein Renminbi-Schuldscheindarlehen über 75 Millionen Renminbi (rund 11 Millionen Euro) emittiert. Das hat soeben die Agricultural Bank of China mitgeteilt, die den Schuldschein für die Bad Homburger Leasinggesellschaft arrangiert hat. Das Papier läuft über fünf Jahre und ist nach deutschem Recht aufgesetzt: Die Deutsche Leasing nimmt das Geld bei der ABC in Deutschland auf und reicht es über ein unternehmensinternes Darlehen an ihre chinesische Tochtergesellschaft weiter.

„Eine fristenkongruente Refinanzierung wäre für uns in Mainland China aufgrund der lokalen Bankenmarktusancen nicht möglich gewesen“, sagt Helmut Meier-Tanski, Bereichsleiter Group Treasury der Deutschen Leasing. „Mit dieser Lösung können wir nun unseren Kunden in China Finanzierungslaufzeiten von bis zu fünf Jahren ermöglichen – ein echter Mehrwert.“ Die Deutsche Leasing ist in China insbesondere in den Branchen Bau, Agrar, Transport unf Industrieanlagen tätig.

Stillschweigen zu Konditionen des Renminbi-Schuldscheins

Sowohl Zinszahlungen als auch die Tilgung des Schuldscheins erfolgen in Renminbi, das Wechselkursrisiko entfällt damit. Zu den Konditionen haben die beiden Parteien Stillschweigen vereinbart. Michael Lamla, Firmenkundenchef bei der ABC in Deutschland sagte gegenüber DerTreasurer lediglich, es handele sich um „attraktive Marktkonditionen“.

Bei dem Renminbi-Schuldschein handelt es sich um eine Offshore-Finanzierung. Diese sind aufgrund des hohen und staatlich regulierten Zinsniveaus in China in der Regel etwas günstiger als Onshore-Finanzierungen – wie etwa ein lokaler Kredit oder der Panda-Bond. Allerdings unterliegen Offshore-Finanzierungen der sogenannten Borrowing Gap, die die Fremdkapitalaufnahme in China begrenzt. Außerdem fällt auf Zinszahlungen aus China heraus eine 10-prozentige Quellensteuer an.

Laufzeit und deutsches Recht machen Renminbi-Schuldschein attraktiv

Mit dem Renminbi-Schuldschein steht deutschen Unternehmen nun ein weiteres Offshore-Finanzierungsinstrument zur Verfügung: Insbesondere die fünfjährige Laufzeit, die für chinesische Verhältnisse relativ lang ist, dürfte den Renminbi-Schuldschein zu einer interessanten Finanzierungsalternative für deutsche Unternehmen mit China-Geschäft machen: In China übliche Kreditlaufzeiten von ein bis oft maximal drei Jahren sind zur Finanzierung von Investitionsprojekten wenig geeignet. Ein Vorreiter bei den Syndizierten Krediten ist der Anlagenbauer Voith, der einige Überzeugungsarbeit leisten musste, um einen syndizierten Kredit über fünf Jahre in China zu erhalten.

Auch die deutsche Dokumentation könnte den Renminbi-Schuldschein hierzulande populär machen: Ein Panda-Bond, wie ihn der Autobauer Daimler im vergangenen Jahr als erster ausländischer Emittent begeben hat, schreckt viele Emittenten wegen der aufwendigen Dokumentationspflichten in chinesischer Sprache eher ab.

Nach dem ersten Renminbi-Schuldschein bleiben Fragezeichen: Wie attraktiv sind die Konditionen des Renminbi-Schuldschein tatsächlich? Welche Investoren stehen bereit um den Renminbi-Schuldschein zu zeichnen? Und welches Volumen lässt sich mit dem Instrument erzielen? Von diesen Faktoren wird abhängen, ob das Instrument viele Nachahmer findet.

Backhaus[at]derTreasurer.de