Mischung aus Intercompany Loan und Bond

09.01.14 08:33

HeidelCement: innovative Finanzierung in Indien

Von Desiree Backhaus

Intercompany Loans nach Indien sind nur unter Beachtung strenger Auflagen möglich. Heidelberg Cement hat deshalb eine Struktur gewählt, die so erst seit kurzem möglich ist: Die indische Tochter emittiert einen Bond, die Mutter ist die einzige Zeichnerin. Auch für andere könnte dies eine Finanzierungsalternative in dem asiatischen Land sein.

Strikte Regulierungen erschweren die Finanzierung in Indien: Heidelberg Cement hat nun eine neue Lösung gefunden.

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Strikte Regulierungen erschweren die Finanzierung in Indien: Heidelberg Cement hat nun eine neue Lösung gefunden.

HeidelCement geht mit der jüngsten Refinanzierung seiner indische Tochter einen neuen Weg: Heidelberg Cement India hat einen Bond über 3,7 Millionen Rupie (44 Millionen Euro) emittiert und löst damit bestehende Langfristkredite von lokalen Banken ab. Einzige Zeichnerin der Anleihe, die mit einem für indische Verhältnisse marktüblichen Kupon von 10,4-Prozent verzinst wird, ist die deutsche Muttergesellschaft. Damit ähnelt die komplexe Transaktion einem Intercompany Loan.

Gegenüber einem herkömmlichen konzerninternen Darlehen hat diese Strukturierung Vorteile: „Bei einem klassischen Intercompany Loan nach Indien muss das Unternehmen die Verwendung der Mittel nachweisen.“, sagt Heinz Hilger von Standard Chartered. Die Bank trat als Structuring Agent und Sole Arranger der Transaktion auf: „Außerdem würde HeidelCement regulatorische Restriktionen im Hinblick auf Laufzeit, Höhe und Verzinsung des Darlehens unterliegen – all das entfällt bei dieser Art der Strukturierung.“

Auch im Vergleich zu einem klassischen Bond sei dieses Konstrukt flexibler, so Hilger: „Die Tochter kann je nach Finanzierungsbedarf vorzeitig zurückzahlen oder aufstocken.“ Er geht deshalb davon aus, dass dieses Instrument künftig auch für andere DAX-Unternehmen oder große Mittelständler eine Finanzierungsalternative in Indien darstellen wird.

Indische Regulierungsbehörde erleichtert Finanzierung

Diese Art der Strukturierung ist noch neu. Sie ist in Indien de facto erst seit dem vergangenen Spätsommer möglich, als die indische Regulierungsbehörde SEBI eine Änderung bekanntgab: Die Behörde hat die Grenze, bis zu der sämtliche ausländischen Unternehmen in die Papiere ihrer indischen Töchter investieren durften, auf 51 Milliarden US-Dollar angehoben. Zuvor lag die Grenze lediglich bei einer 1 Milliarde US-Dollar. „Erst durch diese Erhöhung ist die Ausnutzung der sogenannten Qualified-Foreign-Investor-Regel eine wirklich relevante Finanzierungsalternative für Unternehmen geworden“, sagt Hilger.

Mit der Transaktion entsteht aber auch neuer Dokumentationsaufwand: Damit die indische Tochter einen Bond emittieren darf, muss sie geratet werden. Besonders für Unternehmen, die sich mit der Offenlegung schwertun, könnte dies ein Hindernis sein. Außerdem entstehen dadurch zusätzliche Kosten. Anschließend muss die Anleihe in Indien gelistet werden. Die Mutter muss als Investor ebenfalls ein Konto vor Ort unterhalten, da die Transaktion vollständig im Land abgewickelt wird.

Backhaus[at]derTreasurer.de