Die wichtigsten Begriffe im Überblick

27.09.16 09:00

Konsortialkredit nach LMA-Standard: Das müssen Mittelständler wissen

Von Peter C. Reszel

Laufende Kreditlinien in einem Konsortialkredit zu bündeln, klingt für viele Mittelständler verlockend. Doch die LMA-Verträge sind komplex. Diese Begriffe sollte man kennen.

Konsortialkreditverträge nach dem LMA-Standard sind komplex – ein Überblick über die wichtigsten Klauseln.

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Konsortialkreditverträge nach dem LMA-Standard sind komplex – ein Überblick über die wichtigsten Klauseln.

Für wachsende mittelständische Unternehmen stellt sich früher oder später die Frage: Konsortialkredit ja oder nein? Wie auch immer die Entscheidung ausfällt: Neulinge sind gut beraten, sich vor Vertragsabschluss eingehend über Risiken und Nebenwirkungen dieses Vertragsgebildes zu informieren. Sonst kann es eine teure Fehlentscheidung werden.

Konsortialkredite werden, auch wenn ausschließlich deutsche Banken beteiligt sind, in der Regel nach dem LMA-Standard, einem Mustervertrag der britischen Loan Market Association strukturiert. Trotz des englischsprachigen Regelwerks gilt deutsches Recht, was das Verständnis des ohnehin komplexen Vertrags nicht gerade erleichtert. Die Verträge, die den klassischen angelsächsischen Vertragsmustern entsprechen, sind mit rund 130 Seiten recht lang, wobei allein auf Begriffsdefinitionen rund 20 Seiten entfallen. Das Verhandeln der Verträge ist daher gerade für den Mittelständler, der sich zum ersten Mal an einen Konsortialkredit heranwagt, eine Herausforderung. Folgendes sollte er schon vorab im Auge behalten.

Der Weg zum Konsortialkredit: das Term Sheet

Mittelständler müssen bei den Verhandlungen über ihren Konsortialkredit von Anfang an sehr wachsam sein, denn das Vertragswerk ist in seiner Struktur recht bankenfreundlich. Wesentliche Eckdaten werden schon im Vorfeld der Vertragsverhandlungen in einem Term Sheet festgeschrieben. Es handelt sich dabei um Themen wie Margen, Laufzeiten, vorzeitige Rückzahlungen, Sicherheiten, Zusicherungen, Kündigungsgründe und den Gerichtsstand.

Auch die Financial Covenants und Corporate Covenants (Schutzklauseln) sowie Bereitstellungsprovisionen oder Rückzahlungsmodalitäten werden in dem Papier festgehalten. Hier kann zum Beispiel auch festgelegt werden, dass der Kreditnehmer verpflichtet wird, unter bestimmten Bedingungen außerordentliche Einkünfte zur Tilgung seines Kredits zu verwenden.

Bankenfreundliche Musterverträge

Den Kernbereich eines jeden LMA-Vertragsmusters bilden die Representations und Undertakings (Zusicherungen und Verpflichtungen) sowie die Events-of-Default-Klausel (Kündigungsgründe). Diese Zusicherungen und Verpflichtungen zielen darauf ab, die wirtschaftliche Bewegungsfreiheit der Unternehmen zu begrenzen. Damit soll verhindert werden, dass im Unternehmen Entscheidungen getroffen werden, die die Rückzahlungswahrscheinlichkeit des Kredits verringern.

Dazu gehört zum Beispiel die Aufnahme neuer Schulden. Einiges ist hier aber Verhandlungssache, wie zum Beispiel die Bestimmung von Schwellenwerten bei Akquisition oder Beteiligungen. Wer sich also die Option für Zukäufe offenhalten will, muss dies bereits in den Verhandlung festzurren.

Umfassende Informationspflichten an die Konsortialbanken

Rechtsanwalt Peter C. Reszel

Mit einem Konsortialkredit kommen auf die Mittelständer auch umfassende Informationspflichten zu. Dazu zählt zum Beispiel ein sogenanntes Compliance Certificate für die Einhaltung der Financial Covenants, und zwar in der Regel zum Quartalsende. Außerdem müssen konsolidierte Quartals- oder Monatsberichte (Management Accounts) abgegeben werden, in denen wesentliche Informationen über die geschäftliche und finanzielle Entwicklung des Unternehmens und seiner Tochtergesellschaften enthalten sind. Der Aufwand, den das mit sich bringt, darf in keinem Fall unterschätzt werden.

Kommt ein Unternehmen dem nicht nach, kann das schnell zur Folge haben, dass einer der Kündigungsgründe (Events of Default) zur Anwendung kommen kann und das Unternehmen den Kredit verliert. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass der Muster-LMA-Vertrag vorsieht, dass es ausreichend ist, wenn 2/3 der Konsorten dann den Daumen senken.

Schutzklauseln zugunsten der Banken: die Blackbox

Breiten Raum innerhalb eines LMA-Vertrages nehmen Klauseln ein, die die Banken vor Margenverlust schützen sollen. Diese Klauseln sind mehr oder weniger nicht verhandelbar. Dazu gehören zum Beispiel Regelungen für den Fall einer Marktstörung (Market Disruption), die nach der Finanzkrise in das Muster aufgenommen wurden. Hiernach muss der Kreditnehmer Preisanpassungen in Kauf nehmen, wenn sich die Refinanzierungskosten der Banken wegen einer Marktkrise deutlich erhöhen.

Sollten sich nach Abschluss des Vertrages gesetzliche oder regulatorische Änderungen ergeben, die die Kreditvergabe verteuern, so sind auch diese zusätzlichen Kosten von den Unternehmen zu tragen. Außerdem findet man Steuerausgleichsklauseln (Tax Gross-up), die vorsehen, dass für den Fall, dass eine Bank durch den Einbehalt von Quellensteuern eine Zinszahlung nicht in voller Höhe erhält, der Kreditnehmer ausgleichspflichtig ist.

Schließlich enthalten LMA-Verträge Klauseln über Abgaben- und Steuerfreistellungen (Tax Indemnity), die den Kreditnehmer verpflichten, den Banken sämtliche Aufwendungen wie Steuern, Gebühren oder Abgaben zu erstatten, die Folge der Kreditgewährung sind.

Sicherheitenbestellung und Ablösung: der unterschätzte Aufwand

Kein Kredit ohne Sicherheiten – der LMA-Vertrag selbst enthält lediglich allgemeine Bestimmungen darüber. Die konkrete Vereinbarung erfolgt durch gesonderte Sicherheitenverträge, die Anlagen zum Kreditvertrag sind. Mittelständische Unternehmen müssen sich spätestens während der Verhandlungen des LMA-Vertrages über ihre frei verfügbaren Sicherheiten Klarheit verschaffen. Hierzu zählen die Immobilien und deren aktuelle Belastungen, die Warenlager, die Warenforderungen (Trade Receivables), Lizenzen, aber auch Bankkonten oder Versicherungsansprüche.

Erfahrungsgemäß wird der Aufwand für die Zusammenstellung der Sicherheitenübersichten unterschätzt. Dies gilt insbesondere dann, wenn Vermögenswerte von Auslandstöchtern ebenfalls als Sicherheiten bereitstehen sollen. Die dort verfügbaren Sicherheiten müssen möglicherweise zulasten anderer Sicherungsnehmer abgelöst werden, was sich unter Geltung fremder Rechtsordnungen als durchaus kompliziert und in der Umsetzung zeitaufwändig erweisen kann.

Redaktion[at]derTreasurer.de

Dr. Peter C. Reszel ist Partner bei FPS Fritze Wicke Seelig Partnerschaftsgesellschaft von Rechtsanwälten mbB in Düsseldorf. Er berät unter anderem Kreditnehmer bei Unternehmens- und Akquisitionsfinanzierungen.