Kurzfristige Liquidität für Händler

21.07.17 09:15

Mastertrading will Lücke von WCF Finetrading schließen

Von Desiree Backhaus

Hat Finetrading nach dem Aus von Marktführer WCF noch eine Zukunft? Der Anbieter Mastertrading glaubt ja – und baut seine Einkaufsfinanzierung aus.

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Vor allem Importeure und Händler nutzen Finetrading.

Ende Juni hat mit WCF Finetrading Deutschlands erster und größter Einkaufsfinanzierer sein Geschäft nach 13 Jahren eingestellt. Der Spezialversicherungsmakler GFL berichtet, der Umsatz von WCF, die zur Eos-Gruppe und damit zum Versandhändler Otto gehören, soll 2016 gesunken sein. Die Zurückhaltung der Kreditversicherer, Limite für Einkaufsfinanzierer zur Verfügung zu stellen, belastet laut GFL die gesamte Finetrading-Branche.

Dennoch positionieren sich nach dem Rückzug des Platzhirsches nun die Wettbewerber: „Wir wollen die Lücke füllen, die WCF-Finetrading bei der Beschaffung von kurzfristiger Liquidität hinterlässt“, kündigt Christian Mangold, der als Mitglied der Geschäftsleitung von Mastertrading für die DACH-Region zuständig ist, im Gespräch mit DerTreasurer an.

Der Anbieter mit Sitz im bayerischen Starnberg ist vor acht Monaten mit seinem Absatzfinanzierungsangebot für Mittelständler an den Start gegangen – und hat in dieser Zeit nach eigenen Angaben bereits 25 Kunden gewonnen, mit denen er ein Geschäftsvolumen von rund 200 Millionen Euro auf Jahresbasis absehen kann. „Wir adressieren vor allem Händler und Importeure beziehungsweise produzierendes Gewerbe, die zwischen 50 und 500 Millionen Euro Jahresumsatz machen und ein Einkaufsvolumen von 1 bis 15 Millionen Euro zwischenfinanzieren wollen“, beschreibt Mangold die Zielgruppe.

Mastertrading will künftig auch Investoren einbinden

Mastertrading agiert wie ein üblicher Finetrader: Er kauft die Waren für einen Händler beim Lieferanten ein und verkauft sie anschließend mit einem Zahlungsziel weiter. Für ein Zahlungsziel von 30 Tagen verlangt der Anbieter eine Gebühr von 1,25 Prozent der Finanzierungssumme, für 60 Tage 2,5 Prozent. „Dieser Wert lässt sich durch die Ausnutzung von Skonto wieder reinholen“, ist Mangold überzeugt. Das Ausfallrisiko will der Zwischenhändler durch gutes Risikomanagement klein halten: „Wir schauen uns die Bilanz und die Finanzplanung des Händlers genau an und nehmen die Waren als Sicherheit“, sagt Mangold. Ein BBB-Rating sei die Voraussetzung, um Geld zu bekommen. Mastertrading greift aber nicht auf Warenkreditversicherungen für die Absicherung zurück.

Derzeit investiert Mastertrading nur eigenes Geld, perspektivisch könnten auch Investoren eingebunden werden. Hinter dem Anbieter steht der im Nasdaq notierte südafrikanische Zahlungsabwickler Net1, der 2016 bei einem Umsatz von 591 Millionen US-Dollar ein operatives Ergebnis von 114 Millionen Dollar erwirtschaftete.

Backhaus[at]derTreasurer.de

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