Banken wollen wieder ins Risiko gehen

10.05.12 13:52

Neue Klauseln bei syndizierten Krediten

Von Markus Dentz

Der Markt für syndizierte Kredite liegt noch immer weiter unter seinem Normalmaß – und das obwohl die Banken durchaus wieder zu Risiken bereit sind.

iStock / Thinkstock / Getty Images

So stark wie das Jahr für Bonds begonnen hat, so verhalten ist momentan die Nachfrage nach syndizierten Krediten. „Allein der westeuropäische Markt liegt fast 50 Prozent unter dem Vorjahr“, erklärt Mathias Noack, Global Head of Loan Syndication bei UniCredit. Der deutsche Markt präsentiert sich mit einem Minus von 8 Prozent zumindest statistisch vergleichsweise stabil, was aber zum großen Teil mit der Refinanzierung eines Milliardenkredits von Schaeffler Ende Januar zu erklären ist.

 

Gründe für die relativ schwache Nachfrage gibt es mehrere. „Zum einen haben Unternehmen bereits im Jahr 2011 Finanzierungen der kommenden Jahre massiv vorgezogen“, sagt Noack. Zum anderen fehlt dem M&A-Markt derzeit der Schwung. Trotz dieser Hemmnisse sind Banken durchaus bereit, ins Risiko zu gehen. „Underwritings sind kein Problem“, weiß Noack. Großvolumige M&A-Transaktionen werden allerdings in erster Linie als „Bridge-to-Bond“ strukturiert, damit die risikogewichteten Aktiva der Banken nicht allzu stark belastet werden.

Gutes Kreditumfeld für den Mittelstand

Klauseln bei syndizierten Krediten

Schaeffler hat 2012 einen Megakredit refinanziert.

Neben den Multinationals haben Mittelständler wieder gute Chancen, fünf Jahre zu konkurrenzfähigen Konditionen zu bekommen, erklärt Noack. „Die Preise für Konsortialkredite sind absolut wettbewerbsfähig", bestätigt auch Arne Mühlholm, Structured-Finance- Spezialist der SEB. Allerdings gibt es auch Lehren aus der Krise – gerade bei Backup-Fazilitäten, die nor malerweise nicht in Anspruch genommen werden. Neben den bekannten Bereitstellungsprovisionen, die häufig etwa bei 35 Prozent bis 40 Prozent der Marge festgezogen werden, haben sich im westeuropäischen Markt für syndizierte Kredite vor allem Inanspruchnahmegebühren („Utilisation Fees“) dem aktuellen Umfeld weiter angepasst. Wird die Kreditlinie bis zu einem Drittel gezogen, gibt es beispielsweise einen Aufschlag um 15 Basispunkte. Bei einer Ziehung von bis zu zwei Dritteln werden 30 Basispunkte verlangt, und bei über 66 Prozent der Summe werden 50 Basispunkte fällig.


Mit derlei Stepup- Klauseln reagieren die Banken auf die Tatsache, dass einzelne Kunden „die Beziehung zu ihrer Bank getestet“ und Kredite vollständig gezogen haben. Die erhöhten Inanspruchnahmegebühren tragen somit den deutlich erhöhten Fundingkosten der Banken bei Ziehungen Rechnung. Diese Art von Gebühren sind nicht zu verwechseln mit sogenannten Sicherheitsmechanismen, die Banken im Falle eines Underwritings etablieren, falls Kredite wider Erwarten nicht zeitnah erfolgreich platziert werden können. Hierbei handelt es sich um sogenannte „Structure-flex“- und „Price-flex“-Mechanismen, die individuell und situationsbedingt mit dem jeweiligen Kunden verhandelt werden. Ein Beispiel für Structureflex wäre die Möglichkeit, während der primären Syndizierung eines Konsortialkredits in unterschiedlichen Währungen die Gewichtung innerhalb der verschiedenen Währungstranchen zu verschieben, sollten Banken Probleme mit der Verfügbarkeit zum Beispiel von USDollar haben. Kreditzusagen könnten dann in einer anderen Währung akzeptiert werden.

 

Unter dem Strich hat sich der Markt für syndizierte Kredite nach den EZB-Geldspritzen zwar deutlich entspannt – von den paradiesischen Zuständen früherer Tage ist man aber weit entfernt.

Dentz[at]derTreasurer.de