Neuer paneuropäischer Markt für Privatplatzierungen entwickelt sich

08.04.14 09:45

Schuldschein bekommt mit Euro-Private-Placement Konkurrenz

Von Sabine Paulus

Immer wieder nutzen Unternehmen den sogenannten Euro-Private-Placement-Markt, um im Rahmen einer Privatplatzierung frisches Geld einzusammeln. Damit tritt das Euro-Private-Placement in Konkurrenz zu dem bereits etablierten Finanzierungsinstrument Schuldschein. Einige Finanzdienstleister möchten nun auch einen paneuropäischen Euro-Private-Placement-Markt aufbauen.

Der thüringische Kurbelwellenhersteller Feuer Powertrain hat neben einem Konsortialkredit auch ein Euro-Private-Placement abgeschlossen.

Feuer Powertrain

Der thüringische Kurbelwellenhersteller Feuer Powertrain hat neben einem Konsortialkredit auch ein Euro-Private-Placement abgeschlossen.

Der Thüringer Kurbelwellenhersteller Feuer Powertrain hat nach aufreibenden Wochen und Monaten eine spannende Finanzierung abgeschlossen. Der neue Konsortialkredit, der unter anderem Investitionslinien sowie eine Borrowing-Base-Finanzierung enthält und bereits der dritte Konsortialkredit des Familienunternehmens (Umsatz 2013: 114 Millionen Euro) ist, wird erstmals durch eine langfristige Privatplatzierung mit der Pricoa Capital Group ergänzt. Die Anlagetochter des US-amerikanischen Versicherungskonzerns Prudential Financial, der nicht zum britischen Unternehmensverbund Prudential gehört, stellt Feuer Powertrain über ein sogenanntes Euro-Private-Placement insgesamt 20 Millionen Euro zur Verfügung. Beide Instrumente, Konsortialkredit und Euro-Private-Placement, laufen bis 2020.

„Mit dieser neuen Finanzierungsbasis ist das Fundament für Feuer Powertrain gelegt, um kontrolliert zu wachsen und auch künftig Wachstumsraten im zweistelligen Prozentbereich stemmen zu können“, sagt Oliver Wönnmann, CFO von Feuer Powertrain zu FINANCE. Der Kurbelwellenhersteller realisierte zuletzt organische Wachstumsraten von rund 30 Prozent im Jahr.

Paneuropäischer Euro-Private-Placement-Markt noch nicht etabliert

Mit dem Euro-Private-Placement hat sich Feuer Powertrain für eine Alternative zum Schuldschein entschieden. Der Euro-Private-Placement-Markt entsteht in Europa aber nur langsam. Im Jahr 2012 platzierten 20 Emittenten 2,1 Milliarden Euro an diesem Markt.

Verschiedene Finanzdienstleister wollen einen paneuropäischen Privatplatzierungsmarkt etablieren und damit ein europäisches Gegenstück zum US-Private-Placement-Markt schaffen. „Wir brauchen in Europa einen Standard im Privatplatzierungsmarkt“, sagt Franz Plesser, Managing Director der Frankfurter Niederlassung der niederländischen NIBC Bank. „Es gibt in Europa keine übergeordnete Regulierungsbehörde.“ Einzelne Länder wie Deutschland, Frankreich und Großbritannien haben eigene Standards. Im vergangenen Jahr haben Unternehmen am französischen Privatplatzierungsmarkt rund 3,3 Milliarden Euro emittiert. Am deutschen Schuldscheinmarkt wurden zwischen 8 und 9 Milliarden Euro platziert. Ein paneuropäischer Privatplatzierungsmarkt könnte die verschiedenen nationalen Strömungen zusammenführen.

EU Private Placement Association will Standards etablieren

Um für Unternehmen einen europaweiten Anreiz zu schaffen, diesen Markt auch zu nutzen, haben 2013 einige Finanzdienstleister mit der EU Private Placement Association eine Initiative ins Leben gerufen. Zu den Initiatoren gehören niederländische Banken und Asset Manager, wie NIBC und Delta Lloyd, sowie der Asset Manager M&G, der zu dem britischen Versicherungskonzern Prudential gehört. Die Kanzleien Clifford Chance und Allen & Overy haben sie dabei unterstützt. Die niederländischen Aufsichtsbehörden sind ebenfalls involviert. Auch mit einigen deutschen und französischen Versicherern laufen Gespräche.

Die Initiative verfolgt primär das Ziel, die Dokumentation zu standardisieren. Das soll für eine deutliche Verbreiterung des Marktes und eine erhöhte Akzeptanz bei den potentiellen Investoren sorgen. Vorbild für dieses Projekt ist der bereits etablierte US-Private-Placement-Markt, der von der standardisierten Dokumentation und der Kreditwürdigkeitsprüfung durch die National Association of Insurance Commissioners (NAIC) profitiert. Eine Institutionalisierung wie beispielsweise ein NAIC-äquivalentes Ratingsystem ist in Europa momentan aber nicht vorgesehen. „Darüber hinaus zeichnet sich der Euro-Private-Placement-Markt gerade dadurch aus, dass ein Rating von Investoren meist nicht verlangt wird“, sagt Plesser. Deshalb gebe es auch keine standardisierte Kreditwürdigkeitsprüfung und kein standardisiertes Reporting. Dies bleibe jedem Investor selbst überlassen.

Unterschiede von US-, Euro-Private-Placement und Schuldschein

Es bleibt abzuwarten, wie sich der paneuropäische Euro-Private-Placement-Markt entwickelt. „Der US-amerikanische Finanzierungsmarkt, der mehrheitlich über den Kapitalmarkt abgebildet wird, ist als Modell für Europa anzusehen“, sagt Plesser. „In ein paar Jahren wird der Euro-Private-Placement-Markt so selbstverständlich wie der europäische Bankenmarkt sein“, ist der Banker zuversichtlich. Der Grund: Er bietet mittelständischen Unternehmen eine weitere Möglichkeit, um ihre Finanzierungsquellen zu diversifizieren.

Denn die drei Finanzierungsinstrumente US-Private-Placement, Euro-Private-Placement und der deutsche Schuldschein unterscheiden sich in einzelnen Aspekten wie Laufzeit und Investorenanzahl voneinander. Bei einem US-Private-Placement sind beispielsweise Volumina bis 750 Millionen US-Dollar und Laufzeiten von bis zu 30 Jahren möglich, wohingegen beim Schuldschein und beim Euro-Private-Placement höchstens bis zu 250 Millionen Euro platziert werden (siehe Schaubild). Auch die Investoren sind unterschiedlich: Sind bei den US- und Euro-Private-Placements nur eine Handvoll Investoren beteiligt, sind beim Schuldschein in der Regel mehr als 50 Investoren involviert.

Fremdkapitalmöglichkeiten im Überblick: US Private Placement, EU Private Placement und Schuldschein