Viele Bondemissionen mussten geschoben werden

15.09.15 08:00

Stop and Go am Corporate Bondmarkt

Von Antonia Kögler

Das Auf und Ab der Aktienkurse macht auch vor dem Anleihemarkt nicht halt. Das Umfeld ist schwierig, aber es ist nicht unmöglich auch in dieser Marktsituation neue Bonds zu emittieren. Auf gutes Timing kommt es dabei an.

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Die Volatilität an den Aktienmärkten hat auch den Bondmarkt erreicht. Neuemissionen sind aber dennoch möglich - mit dem richtigen Timing.

In den vergangenen Wochen haben die Turbulenzen an den Aktienmärkten die Finanzbranche in Atem gehalten. Bereits im zweiten Quartal sorgten sprunghaft steigende Zinsen und die Krise in Griechenland für Unsicherheit. „Deshalb haben wir schon in den vergangenen Monaten eine Zurückhaltung bei den Corporate-Bond-Emissionen gesehen“, sagt Sven Döbeling, Anleiheexperte bei der SEB. Einige Emittenten haben ihre Emissionen auf die Zeit nach der Sommerpause verlegt und sondieren jetzt wieder den Markt.

Trotz der gestiegenen Volatilität stehen die Märkte durchaus offen. „Es gibt immer wieder kurze Zeitfenster, in denen Emissionen möglich sind“, beobachtet Anthony Bryson, der bei BNP Paribas für die Corporate Debt Platform in der DACH-Region verantwortlich ist. „Unternehmen müssen allerdings gut vorbereitet sein, um sich schnell für die Emission entscheiden zu können.“ Einige, die zu Beginn dieser Woche geplant waren, konnten kurzfristig nicht durchgeführt werden, da die Volatilität wieder deutlich gestiegen ist.

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BNP Paribas

Anthony Bryson

In den vergangenen Wochen gab es allerdings auch einigermaßen stabile Tage, die zum Beispiel der Pharmakonzern Merck genutzt hat. Das Unternehmen hat sich als Erstes wieder an den Markt getraut und rund 2,1 Milliarden Euro eingesammelt. „Weil Merck die erste großvolumige Emission in Euro nach der Sommerpause war, musste das Unternehmen eine etwas höhere Neuemissionsprämie für die Tranche mit der längsten Laufzeit zahlen“, sagt Bryson. Sie lag bei 10 bis 15 Basispunkten für die 7-jährige Tranche. Anfang des Jahres seien noch zwischen 0 und 5 Basispunkten möglich gewesen. Die Prämie sei seither allerdings aufgrund der jüngsten Marktentwicklungen spürbar gestiegen.

„Auch der Sekundärmarkt bietet mit nur geringen Handelsbewegungen derzeit wenige Anhaltspunkte für die Preisbildung“, erklärt Sven Döbeling. „Das wird aber vor allem Unternehmen mit Investmentgrade-Rating nicht davon abhalten, den September für Neuemissionen zu nutzen“, sagt der SEB-Spezialist. „Die Pipeline ist mit mehr als 15 angekündigten Euro-Transaktionen bereits gut gefüllt.“ Im volatilen Marktumfeld wird das Timing dabei weiterhin wichtig bleiben.

Koegler[at]DerTreasurer.de