Batavia soll Anfang 2018 starten

04.10.17 17:47

Trade Finance: Konkurrenz für Blockchain-Plattform formiert sich

Von Andreas Mehring und Desirée Backhaus

Im Dezember wollen sieben Banken eine Blockchain-Plattform für Handelsfinanzierungen an den Markt bringen. Jetzt bekommt die Digital Trade Chain Konkurrenz: Die Commerzbank und drei weitere Banken machen gemeinsame Sache mit der UBS und IBM. Ihre Pläne klingen ähnlich.

Tryaging/Thinkstock/iStock/GettyImages

Ein weiteres Konsortium arbeitet an einer neuen Blockchain-Plattform. Welche Variante sich auf lange Sicht durchsetzen wird, ist fraglich.

Fünf Banken arbeiten gemeinsam an einer neuen Blockchain-Plattform, die der geplanten Plattform Digital Trade Chain den Rang ablaufen soll. So lässt sich eine gemeinsame Pressemitteilung des Technologiekonzerns IBM sowie der fünf Banken deuten.

Darin teilen die Commerzbank, die österreichische Erste Group, die spanische Caixa Bank sowie die kanadische Bank of Montreal mit, dass sie einer Initiative der Schweizer Bank UBS und IBM beitreten. Ihr Ziel: Eine Blockchain-basierte Plattform für die inländische und grenzüberschreitende Handelsfinanzierung zu entwickeln.

Die Plattform mit dem Namen Batavia diene der Finanzierung von Handelsaktivitäten aller Art, beispielsweise bei der Beförderung von Waren auf dem Luft-, Land- oder Seeweg, teilten die beteiligten Parteien mit. Für Unternehmen sollen Transaktionen so effizienter, transparenter und kostengünstiger werden. Anfang 2018 sollen erste Pilottransaktionen mit Kunden stattfinden.

Welche Blockchain-Plattform für Trade Finance gewinnt?

Die Ziele von Batavia, die ursprünglich 2016 durch eine Kooperation von UBS und IBM ins Leben gerufen wurde, erinnern damit stark an die Blockchain-Lösung Digital Trade Chain (DTC). Diese hatten sieben Geldinstitute –Deutsche Bank, HSBC, KBC, Natixis, Rabobank, Société Générale und Uni Credit – im Januar initiiert. Pikantes Detail hierbei: IBM ist ebenfalls an der Entwicklung von DTC beteiligt.

Die Digital Trade Chain soll im Dezember an den Start gehen und steht auch anderen Häusern als den sieben beteiligten Banken offen, wie Roberto Mancone aus dem Chief Digital Office der Deutschen Bank gegenüber DerTreasurer erklärte.

Offenbar gibt es aber unter den Wettbewerbern ein Bedürfnis, eine eigene Plattform für Handelsfinanzierungen zu entwickeln. Die Blockchain-Plattform Batavia des Konsortiums rund um UBS und IBM ist während der Testphase offen für Unternehmen jeglicher Größe.

Langfristig dürfte sich allerdings nur ein Konsortium durchsetzen – schließlich steht und fällt der Erfolg von Plattformen mit der Anzahl der beteiligten Unternehmen, Banken und anderen Dienstleistern. Im Bereich der Handelsfinanzierung sind das etwa Zoll- und Steuerbehörden, Regulatoren und Versicherer.

Blockchain-Technologie minimiert Risiken im Handel

Die Handelsfinanzierung gilt neben dem Schuldschein als eines der Paradebeispiele für die Anwendung der Blockchain-Technologie. Durch ihren Einsatz können die Risiken bei internationalen Handelsgeschäften minimiert und die Effektivität des Handelsprozesses gesteigert werden. Denn als dezentrale Datenbank ermöglicht die Blockchain eine direkte Verbindung zwischen den Handelspartnern. Ziel ist die Schaffung totaler Transparenz und Effizienz für die Geschäftspartner.

Ebendiese Effizienzsteigerung soll mit der Beseitigung der papierbasierten Dokumentation der Geschäfte erreicht werden. Zukünftig sollen beispielsweise die Vertragsregelungen oder die Rechnungsstellung direkt über die Plattform abgewickelt werden können. Zudem soll der gesamte Prozess automatisch ablaufen, um Fehler bei der manuellen Eingabe zu beseitigen.      
 
Mehring[at]derTreasurer.de


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