High-Yield-Markt wird nach Korrektur für Emittenten teurer

22.08.14 08:14

Verunsicherung trifft Markt für Hochzinsanleihen

Von Sabine Paulus

Der Markt für Hochzinsanleihen ist in den vergangenen Tagen eingebrochen. Neben der geopolitischen Unsicherheit in der Ukraine und im Nahen Osten, gab es aber auch noch einige weitere Sonderfaktoren.

Verunsicherung trifft Markt für Hochzinsanleihen

Thinkstock / Getty Images

Die geopolitischen Unruhen in der Ukraine und im Nahen Osten sorgen für Verunsicherung am Markt für Hochzinsanleihen.

Das Debakel um die portugiesische Banco Espirito Santo sowie die geopolitischen Unruhen in der Ukraine und im Nahen Osten sorgen nicht nur an den Aktienmärkten für Verunsicherung. Inzwischen haben sich die Bedenken auch auf den High-Yield-Bond-Markt übertragen. Der Markt für Hochzinsanleihen ist in den vergangenen Tagen eingebrochen, Händler klagen über mangelnde Offerten für derlei Papiere. Einige Unternehmen, die in den Startlöchern stehen, haben ihre Emissionen verschoben.

Zwar präsentiert sich der High-Yield-Markt in den Sommermonaten grundsätzlich schwächer als im restlichen Jahr, neben der geopolitischen Unsicherheit gab es aber weitere Sonderfaktoren, die zu den jüngsten Abverkäufen geführt haben. Der Appetit der Investoren bei der Zeichnung neuer Anleihen hat vor der Sommerpause im August insbesondere deshalb abgenommen, weil es in den vorangegangenen Monaten bereits ein sehr hohes Emissionsvolumen gegeben hatte. Allein im Juni wurden der UniCredit Bank zufolge Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von 15 Milliarden Euro am europäischen High-Yield-Markt platziert. Im Juli waren es immerhin noch 10 Milliarden Euro.

Veränderte Mittelzuflüsse in den USA haben großen Einfluss

Darüber hinaus haben sich die Mittelzuflüsse in den USA drastisch verändert. „Die High-Yield-Fonds verzeichneten im Jahresverlauf einen Wechsel von soliden Nettozuflüssen zu Nettoabflüssen, der innerhalb von nur drei Wochen im Juli stattfand“, sagt Chris Bullock, Co-Manager des Henderson Horizon Euro High Yield Bond Fund. Zum Vergleich: Vor dem Monat Juli wurden in 20 von 21 der vorausgegangenen Wochen Mittelzuflüsse verzeichnet. „In den drei Wochen seit Beginn der Abverkaufswelle wurden in den USA Fondsanteile in Höhe von rund 12 Milliarden US-Dollar zurückgenommen“, sagt Bullock weiter.

Hinzu kommt die Zinsentwicklung in den USA. „Die Wirtschaftsdaten in den USA sehen recht positiv aus“, sagt Marcus Bröcker, Director High Yield Capital Markets bei der UniCredit Bank. „Deshalb rechnet der Markt mittelfristig mit einem höheren Wirtschaftswachstum und somit steigenden Zinsen.“ Die Wachstumsphantasie lässt Aktien gegenüber Anleihen für Investoren als attraktiver erscheinen, zugleich führen steigende Zinsen tendenziell zu Kursverlusten bei bereits ausstehenden Bonds. Zwar sei davon auszugehen, dass die EZB über die nächsten zwölf Monate ihre Zinspolitik nicht grundsätzlich ändern werde. „Der jüngste Einbruch zeigt aber auch, dass sich der europäische High-Yield-Markt von den Entwicklungen in den USA nicht vollständig entkoppeln kann“, sagt der Banker.

Markt für Hochzinsanleihen wird sich bald erholen

Trotz dieser Entwicklungen geht High-Yield-Experte Bröcker davon aus, dass sich der Markt bald wieder erholen wird. „Im Vergleich zum Aktienmarkt sehen viele Analysten den High-Yield-Markt immer noch als adäquat bewertet an. Zugleich wird die vorhandene Anlageliquidität mittelfristig weiterhin nach renditeträchtigen Anlagen suchen“, sagt der Banker. Auf der anderen Seite bleibe auch die Transaktionspipeline weiterhin gut gefüllt, dies verschaffe Investoren eine größere Wahlmöglichkeit bezüglich ihrer Investments.

Besonders Unternehmen und Private-Equity-Investoren, die Übernahmen fremdfinanzieren wollen, dürften die Treiber sein. Allerdings müssen sie gegenüber den historischen Tiefstständen vermutlich wieder mit einem leicht erhöhten Pricing rechnen – historisch gesehen bleibt es aber auf sehr niedrigem Niveau. „Das Marktumfeld wird für die Emittenten im Vergleich zu den Transaktionen, die wir im zweiten Quartal gesehen haben, vermutlich etwas teurer, aber Anleihen dürften weiterhin gut platzierbar sein“, sagt Bröcker. Auch Henderson-Fondsmanager Bullock rechnet damit, „dass einige renditeschwache Monate am High-Yield-Markt wohl noch für einige Wochen für negative oder schwache Mittelflüsse sorgen dürften.“ Er geht aber auch davon aus, dass die Sommerflaute vorübergehen wird.

Paulus[at]derTreasurer.de