Autobauer plant baldige Rückkehr an den Kapitalmarkt

29.11.16 13:43

VW verlängert Überbrückungskredit bis Sommer 2017

Von Sabine Paulus

VW verlängert den Übergangskredit um ein halbes Jahr, den der Autobauer vor rund einem Jahr abgeschlossen hat. Eine Vorsichtsmaßnahme, denn das Kapitalmarkt-Comeback scheint zum Greifen nahe.

Der Autobauer VW verlängert seinen Überbrückungskredit über 20 Milliarden Euro um ein halbes Jahr.

Volkswagen AG

Der Autobauer VW verlängert seinen Überbrückungskredit über 20 Milliarden Euro um ein halbes Jahr.

Volkswagen hat eine syndizierte revolvierende Kreditlinie über 20 Milliarden Euro verlängert. Der Übergangskredit, den VW infolge des Abgasskandals vor rund einem Jahr aufgenommen hatte, steht Unternehmensangaben zufolge nun bis Juni 2017 zur Verfügung. Der Kredit werde die finanzielle Flexibilität des Konzerns erhöhen, sagte ein Unternehmenssprecher gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Finanzvorstand Frank Witter hatte bereits Ende Oktober erklärt, der Überbrückungskredit sei derzeit ungenutzt. Reuters berichtet aber unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen, dass die Kreditlinie davor zeitweise zu einem Teil gezogen und anschließend wieder zurückgeführt worden sei.

Ein Konsortium von insgesamt 13 Banken hatte die Kreditlinie VW Anfang Dezember vergangenen Jahres gewährt. Citi und Unicredit hatten die Transaktion koordiniert. Der Überbrückungskredit hatte CFO Witter vor rund einem Jahr etwas Luft verschafft, um mit dem weiter schwelenden Abgasskandal umzugehen. Inzwischen ist klar, dass VW bis zu 16,5 Milliarden US-Dollar an US-Autobesitzer, Händler und Behörden an Entschädigungen zahlen muss. Ob die von CFO Witter gebildeten Rückstellungen von bislang rund 18 Milliarden Euro aber ausreichen werden, ist noch ungewiss, da diverse Verfahren noch offen sind.

Keine VW-Anleihe nach Bekanntwerden des Abgasskandals

Nach Bekanntwerden des Abgasskandals hatte VW, bis dahin einer der größten Euro-Bond-Emittenten, keine Anleihe mehr platziert. Nur vereinzelt sind die Finanzsparten des Autobauers seit dem Skandal an den Markt gegangen – beispielsweise im Herbst 2015 mit einer ABS-Transaktion, die aber deutlich teurer ausfiel als VW das gewohnt ist, weil das Investorenvertrauen infolge des Abgasskandals erschüttert war. Auch die VW-Tochter Porsche hatte ein Mega-Schuldscheindarlehen platziert, wie Christoph Kulik, Leiter Corporate Finance und Treasury, gegenüber DerTreasurer berichtete.

Aber auch die schwächeren Ratings des Autokonzerns führen zu ungünstigeren Emissionskosten. Seit Beginn des Abgasskandals hatte VW bei S&P zwei Herabstufungen hinnehmen müssen. Der Autobauer verlor sein A-Rating und wird nun mit BBB+ bewertet, der Ausblick ist negativ. Moody’s sieht den Autobauer bei A3, der Ausblick ist ebenfalls negativ.

VW will bald an den Kapitalmarkt zurückkehren

Volkswagen werde zu gegebener Zeit an den Anleihemarkt zurückkehren, zitiert Reuters nun einen VW-Sprecher. „Wir nutzen weiterhin den Zugang zum Kapitalmarkt über ABS-Transaktionen und Commercial Papers.“ Bereits im September hatte VW-CFO Witter eine Rückkehr an den Kapitalmarkt angekündigt: Zwar sei die Finanzierung des Konzerns nicht wieder bei den Konditionen von vor der Krise, „wir haben aber trotzdem einen Plan, während dieses Kalenderjahrs an den Markt zurückzukehren", sagte der VW-Finanzvorstand in einem auf Englisch geführten Interview mit Bloomberg TV.

Reuters berichtet nun unter Berufung auf zwei Insider, mit VWs Rückkehr an den Kapitalmarkt werde nach der für Mittwoch erwarteten Entscheidung des US-Bezirksgerichts in San Francisco über einen Kompromiss zum Rückkauf und die Reparatur von rund 85.000 größeren Dieselmotoren von Audi gerechnet. Allerdings sei VW nicht unter Zeitdruck und werde sich einen guten Zeitpunkt aussuchen, heißt es weiter. Marktteilnehmer erwarten der Nachrichtenagentur zufolge, dass Volkswagen erst Anfang kommenden Jahres einen Bond über mehrere Milliarden Euro auflegen könnte.

VW gehört unter regulären Umständen zu den aktivsten deutschen Emittenten am Kapitalmarkt. „Wir versuchen die Finanzierungen so kapitalmarktnah wie möglich zu gestalten“, hatte Jörg Boche, Leiter des Konzern Treasury Ende 2014 zu DerTreasurer gesagt (Titelthema der DerTreasurer-Printausgabe 04/2014). Das Instrumentarium ist breit gefächtert: Bond, Hybrids oder ABS. Im Dim-Sum-Markt gehörte VW zu den Pionieren unter den deutschen Emittenten.

Paulus[at]derTreasurer.de

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