Siag Schaaf Industrie: Erster Emittent einer Mittelstandsanleihe insolvent

29.03.12 13:51

Warnschuss für die „Mini-Bonds“

Von Sabine Paulus

Die Insolvenz des Windenergietechnikherstellers Siag Schaaf sorgt für Nervosität am Markt für "Mini-Bonds". Drohen noch bei weiteren Mittelstandsanleihen bisher unentdeckte Risiken?

Mit Siag Schaaf Industrie ist der erste Emittent einer Mittelstandsanleihe insolvent.

Siag

Mit Siag Schaaf Industrie ist der erste Emittent einer Mittelstandsanleihe insolvent.

Gerade erst erholt sich das noch junge Marktsegment der „Mini- Bonds“ nach der schweren Flaute im zweiten Halbjahr 2011, da schreckt die Insolvenz des Windenergietechnikherstellers Siag Schaaf Industrie den Markt auf. Da die deutschen Ratingagenturen viele Mittelstandsemittenten unterhalb des Investmentgrades bewerten, befürchtet manch einer, die Insolvenz von Siag könnte erst der Auftakt einer Pleitewelle von Emittenten gewesen sein. „Siag muss als Sonderfall gesehen werden“, sagt Susann Ihlau, Partnerin bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Mazars. Die Schieflage des Windkraftzulieferers kam nicht völlig überraschend: Als erster deutscher Mittelstandsemittent hatte Siag seinen Bond damals von S&P bewerten lassen. Die Ratingagentur sah die Anleihe im Sommer 2011 im sehr spekulativen Bereich und bewertete sie mit einem vorläufigen CCC+. Das Unternehmen selbst erhielt ein vorläufiges B-. Im Oktober kündigte Siag seinen Vertrag mit S&P. Dazu kommt, dass im Februar 2012 bekannt wurde, dass mindestens die Hälfte des Grundkapitals von Siag aufgezehrt sei. Als Grund für die Probleme wurden Verzögerungen bei der Projektabwicklung genannt. „Siag wird den Markt der Mittelstandsanleihen nicht zusammenbrechen lassen“, ist Ihlau überzeugt. Der Keksproduzent Pauly Biskuit, der auch einen Mittelstandsbond begeben hat, der aber an keiner Börse gelistet ist, meldete kurz nach Siag Insolvenz an.

 

Für Mittelständler ist der Bondmarkt immer wichtiger geworden. Sollten die Mittelstandssegmente untergehen, würde für die Firmen eine gerade erst entstandene Finanzierungsquelle wegbrechen. Um dem vorzubeugen, müssen die Börsen nachlegen. „Die Anforderungen an die Emittenten werden steigen“, glaubt Ihlau. „Das ist wichtig. Denn der Markt kann langfristig nur dann überleben, wenn es eine hohe Qualität gibt und die Geschäftsmodelle der Unternehmen belastbar sind und eine Zukunft haben.“

 

Die Pleite von Siag ist ein Warnschuss, bislang streiken die Anleger aber noch nicht. Doch weitere Ausfälle könnten die für dieses Segment so wichtige Investorengruppe der Privatanleger nachhaltig verschrecken. Auch institutionelle Investoren würden sich wohl zurückziehen.

Paulus[at]derTreasurer.de