Logistikunternehmen zentralisiert Cash Management in Asien

21.08.14 10:11

Cargo-Partner zentralisiert Treasury

Von Desiree Backhaus

Alexander Gutmann, CFO bei dem österreichischen Logistikunternehmen Cargo-Partner, spricht mit DerTreasurer über den Aufbau eines zentralisierten Cash Managements in Asien.

Alexander Gutmann, CFO beim österreichischen Logistikunternehmen Cargo-Partner über den Aufbau eines zentralisierten Cash Managements in Asien.

privat

Alexander Gutmann ist seit 2011 CFO beim Logistikunternehmen Cargo-Partner.

Einmal hat sich Cargo-Partner an den Regulierungen in Asien schon die Zähne ausgebissen, im zweiten Anlauf soll es nun klappen: Das österreichische Logistikunternehmen mit einem Umsatz von 550 Millionen Euro baut gerade ein zentralisiertes Cash Management in Asien auf: „Wir sind in neun asiatischen Ländern tätig, und die Region wird für uns zunehmend wichtig“, sagt Alexander Gutmann, seit 2011 CFO bei Cargo-Partner. „Nachdem es zuletzt spürbare Erleichterungen bei den Regulierungen der Zahlungsströme gab, sind wir das Projekt Zentralisierung vor einem halben Jahr erneut angegangen.“

Das Projekt, an dem der CFO mit einem fünfköpfigen Team arbeitet, ist ein wichtiger Baustein der Zentralisierung und Professionalisierung des Treasury in dem Familienunternehmen: Die Verantwortlichkeit, die bislang in den lokalen Gesellschaften lag, wird für Europa in der Konzernzentrale in Fischamend, in der Wiener Umgebung, gebündelt, für die Region Asien in Hongkong. Dort hat Cargo-Partner bereits ein regionales Head Office und gute Kontakte zur HSBC, die das Unternehmen beim Aufbau des Treasury-Centers unterstützt.

Wildwuchs durch starkes Wachstum bei Cargo-Partner

Das 1983 gegründete Unternehmen ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Das führte zu immer mehr Wildwuchs in den Strukturen mit dem Ergebnis, dass das Unternehmen seine Innenfinanzierungspotentiale nicht optimal ausschöpfen konnte: „Als Spedition müssen wir bei einigen Geschäften in Vorlage treten“, erklärt Gutmann. „Insbesondere kleine, noch junge Gesellschaften haben dazu aber nicht immer die notwendigen Mittel.“ Sie könnten von den Gesellschaften die cashrich sind, unterstützt werden. Doch ohne zentrale Verantwortlichkeiten ist das schwierig. Das soll sich nun ändern.

Ein wichtiges Instrument dafür ist das grenzüberschreitende Cash Pooling, das Cargo-Partner gerade in Asien aufbaut. Das ist bei den herrschenden Kapitalverkehrskontrollen kein leichtes Unterfangen, doch Gutmann gibt sich optimistisch: „Wir gehen davon aus, dass wir in Hongkong knapp 80 Prozent unseres asiatischen Cashs poolen können“, sagt der 33-Jährige. In China, dem wichtigsten asiatischen Markt für Cargo-Partner, kommt dem Unternehmen die Liberalisierung zugute. Doch auch in anderen Ländern sieht Gutmann positive Entwicklungen: „In Thailand dürfen wir zwar die lokale Währung Baht nicht außer Landes poolen, den US-Dollar allerdings schon“, sagt der CFO. Da das Unternehmen in Thailand allerdings hauptsächlich mit Baht arbeitet, wird der Cash Pool mit einem FX-Management kombiniert.

Treasury-Setup: Zentrales Clearing für interne und externe Zahlungen

Ein weiterer Eckpfeiler des Treasury-Setups in Hongkong ist ein zentrales Clearing – sowohl für konzerninterne als auch externe Zahlungen: „Die interne Zahlungsabwicklung ist in den meisten Ländern relativ unkritisch“, sagt Gutmann. Das gelte zumindest, wenn man nicht auf das Netting von Forderungen und Verbindlichkeiten beharren, sondern mit einer separaten Abrechnung einverstanden sei. Schwieriger werde es beim externen Clearing: „Insbesondere Vietnam und Bangladesch sind hier sehr restriktiv.“

Darüber hinaus will das Unternehmen Garantien künftig zentral in Hongkong abschließen, eine Betriebsmittellinie soll ebenfalls von dort gesteuert werden. Größere Finanzierungen für strategische Investitionen schließen die vier Mitarbeiter im Treasury-Center in Fischamend ab.

Im Januar 2015 soll das Projekt abgeschlossen sein. Erste Erfolge kann Gutmann aber bereits jetzt vorweisen: War Cargo-Partner mit 25 Banken und 100 Konten in Asien gestartet, arbeitet das Unternehmen dort mittlerweile nur noch bei 13 Banken und 30 Konten. Der CFO sieht weiteres Potential für Ersparnisse: „Unser Ziel sind zwei Kernbanken pro Region plus eine lokale Bank, dort wo es für Steuer- und Gehaltszahlungen notwendig ist.“

Backhaus[at]derTreasurer.de