Dr. Manfred Ertl, Bereichsleiter Corporate Finance bei Giesecke & Devrient, über die Swift-Einführung

23.05.13 10:18

Giesecke & Devrient nutzt Swift

Von Sabine Paulus

Im Rahmen der konzernweiten IT-Umstellung hat Giesecke & Devrient auch im Bereich Treasury aufgeräumt. Ein wichtiger Baustein für die weitere Zentralisierung und Standardisierung war dabei die Umstellung auf Swift.

Giesecke & Devrient setzen auf Swift.

Giesecke & Devrient

Giesecke & Devrient setzen auf Swift.

Der Technologiekonzern Giesecke & Devrient (G&D) hat sich vor vier Jahren dazu entschieden, konzernweit ein einheitliches IT-System auf der Basis SAP ECC 6.0 auszurollen. Auch das Treasury des Familienunternehmens (Umsatz 2012: 1,79 Mrd. Euro) war davon betroffen. Dr. Manfred Ertl, Bereichsleiter Corporate Finance, nutzte die Gelegenheit und stellte alle Prozesse im Treasury auf den Prüfstand. Das Ziel: die bisher bereits gelebte Zentralisierung und Standardisierung im Treasury auch systemtechnisch umzusetzen. Das galt ebenfalls für die Verbindung zu den Banken. „Swift entspricht diesen beiden Grundsätzen, weshalb wir uns dazu entschieden haben, unsere Transaktionen künftig über den Finanznachrichtendienst abzuwickeln“, sagt Ertl. Vorteile sind insbesondere, dass weltweit fast alle Banken über Swift erreichbar sind (Versand von Zahlungsdateien/Empfang von Kontoauszügen), alle Formate abbildbar sind und Swift für die Übertragung der Daten haftet. Der Nachteil: Mit allen beteiligten Banken müssen bilaterale Verträge geschlossen werden.

 

Voraussetzung hierfür ist eine Mitgliedschaft bei Swift für die Muttergesellschaft G&D, wodurch der Technologiekonzern eine eigene Swift- Kennung bekommt und das SAP Integration Package for Swift, das durch die SAP-Gesamtlösung von G&D schon vorhanden war. „Rund 20 Tochtergesellschaften werden nun sukzessive angeschlossen“, sagt Ertl. Der Prozess wird bis 2015 andauern.

Zahlungsverkehr zentralisiert, Cash Management optimiert

Dr. Manfred Ertl Giesecke & Devrient

Dr. Manfred Ertl

Der Bereichsleiter Corporate Finance packt zudem die Gelegenheit beim Schopf und zentralisiert den Zahlungsverkehr, optimiert das Cash Management und macht den Technologiekonzern fit für Sepa – alles mit Hilfe von SAP und Swift. „Wir bauen gerade für unsere europäischen Gesellschaften ein Shared Service Center Zahlungsverkehr mit Hilfe SAP Inhouse Cash in München auf. Kreditoren- und Entgeltzahlungen werden zentral über Konten der Muttergesellschaft ausgeführt, der Gegenwert dem Inhouse-Cash-Konto der Tochter belastet. Bei den Tochtergesellschaften wird eine kleine Swift-Lösung installiert“, sagt Ertl. Lokale Bankverbindungen blieben weitgehend bestehen. „Die lokalen Banken melden dann jeden Tag Kontoauszüge über Swift an unsere Swift-Kennung. Wir in der Münchener Zentrale leiten das an den entsprechenden Buchungskreis der Tochter weiter.“ Das sei relativ kostengünstig, da die europäischen Gesellschaften keine vollständige Swift-Anbindung bräuchten und gleichzeitig die von Sepa geforderte XML-Format-Umstellung zentral in München erfolge.

 

Alle Gesellschaften außerhalb des Sepa-Raums mit SAP-Anbindung und Inhouse-Cash-Konto erhalten hingegen eine komplette Swift-Anbindung. Dies ist notwendig, da der lokale Zahlungsverkehr bei der Tochtergesellschaft verbleibt. Der grenzüberschreitende Zahlungsverkehr wird dagegen – wie für die Gesellschaften im Sepa- Raum – zentralisiert.

Serviceprovider bremst Kosten für Swift

Swift stellt aber besondere Anforderungen an den Aufbau der Referenzarchitektur. Dies kann entweder vom Unternehmen selbst oder über einen Serviceprovider erbracht werden. „Unsere IT hat uns aus Kostengründen eine Absage erteilt. Insbesondere zusätzlicher Aufwand für Hardware sowie Personalbereitstellung wäre angefallen“, sagt Ertl. Stattdessen wickelt das Familienunternehmen die Transaktion gegen eine im Verhältnis zu den internen Kosten attraktive Gebühr über das Service Bureau Broadridge ab.

 

Rückblickend kann Ertl sagen: „Mit Swift fahren wir besser als früher mit verschiedenen unterschiedlichen lokalen Lösungen.“ Grundsätzlich sei Swift im Vergleich zu einer lokalen Banklösung, wenn man allein auf die Kosten schaue, zwar nicht kostengünstiger. Aber wenn man eine internationale, standardisierte Lösung suche, sei Swift durchaus eine Alternative. Die Implementierung hat Ertl zufolge drei Monate gedauert. Giesecke & Devrient ist im vergangenen Dezember in Deutschland live gegangen. Aber: „Eine Swift-Einführung ist sehr komplex, sie darf vom internen Arbeitsaufwand nicht unterschätzt werden, da mit jeder einzelnen Bank individuelle Verträge abgeschlossen werden müssen“, sagt Ertl abschließend. Die Verträge gleichen sich vom Inhalt her. Einen grundsätzlichen Standard für die Bankverträge gebe es allerdings noch nicht.

Paulus[at]derTreasurer.de