Interview mit Thomas A. Woelk, Head of Corporate Treasury bei Wacker Neuson

04.09.13 12:05

Innovative Absatzfinanzierung bei Wacker Neuson

Von Markus Dentz

Der Baumaschinenhersteller Wacker Neuson geht neue Wege in der Absatzfinanzierung. Seit Juli hat das SDAX-Unternehmen ein „virtuelles“ Joint Venture mit der Finanzierungsgesellschaft De Lage Landen. Der Leiter des Konzern-Treasurys, Thomas A. Woelk, hat mit Der Treasurer über die Hintergründe gesprochen.

Wacker Neuson schließt ein „virtuelles“ Joint Venture für die Absatzfinanzierung.

Wacker Neuson

Wacker Neuson schließt ein „virtuelles“ Joint Venture für die Absatzfinanzierung.

Thomas Woelk ist seit Juli 2010 Head of Corporate Treasury bei der Wacker Neuson SE.

Thomas Woelk ist seit Juli 2010 Head of Corporate Treasury bei der Wacker Neuson SE.

Bei Baumaschinen spielt die Absatzfinanzierung von jeher eine wichtige Rolle: Ein nicht unerheblicher Teil des Verkaufs von größeren Baumaschinen wird bei Wacker Neuson darüber finanziert. Der Münchener Baumaschinenhersteller (Umsatz 2012: rd. 1,1 Mrd Euro) dachte deshalb intensiv über neue Möglichkeiten nach. Eine Option wäre die Gründung einer eigenen Bank gewesen, womit die Automobilhersteller gut fahren. „Doch bei näherer Betrachtung hat sich das für uns nicht gerechnet, da mitunter Regularien für eine Bank oder auch Leasinggesellschaft einfach zu umfangreich geworden wären“, erklärt Thomas A. Woelk, seit 2009 Leiter des Konzern-Treasurys des SDAX-Unternehmens.

Trotz niedriger Forderungsausfallquoten hielt der Finanzmanager es dann für sinnvoll, mit einem Partner zu kooperieren. „Unser Kerngeschäft bleiben die Produktion und der Verkauf von Baugeräten und -maschinen, nicht aber deren Finanzierung“, betont Woelk. Das Ziel war es, den Absatz und die Kunden noch mehr zu stärken und zudem eventuelle Finanzierungsrisiken aus der Bilanz zu heben.

Virtuelles Joint Venture mit De Lage Landen seit Juli

Nach intensiver Zusammenarbeit zwischen Vorstand, Corporate Treasury und der Rechtsabteilung wurden Verträge gemeinsam mit der Finanzierungsgesellschaft De Lage Landen für ein „virtuelles“ Joint Venture geschlossen. „Das Besondere dabei ist, dass es sich anfühlt wie ein echtes Joint Venture, wesentliche Risiken und aufsichtsrechtliche Tätigkeiten aber bei unserem Partner liegen“, sagt Woelk. Es ist zwar keine selbständige Rechtseinheit, „werde aber so gelebt“, sagt Woelk. Die Risiken und Gewinne von „Wacker Neuson Finance“, die nach außen gegenüber den Kunden mit eigener Handelsmarke und Logo auftritt, werden von De Lage Landen verwaltet, die Teil der niederländischen Rabobank-Gruppe ist.

Ein weiteres Kriterium für die Niederländer war, dass sie wie Wacker Neuson global aufgestellt sind. „Wir müssen selbst Kunden in Südamerika, Australien oder Fernost ein Angebot unterbreiten, das kann nicht jeder Finanzdienstleister. Da ist die gemeinsame Marktpräsenz schon ausschlaggebend“, so Woelk.

Im Juli ist das neue Joint Venture „live“ gegangen. Wichtig für den Vertrieb sei, dass Entscheidungen sehr schnell getroffen werden können. „In den meisten Ländern gibt es bereits ein Frontend-Tool, in das sich auch der Vertrieb direkt via Tablet-PCs einloggen könne“, sagt Woelk. Bereits wenige Sekunden nach der Eingabe der Daten zur Finanzierungsanfrage kommt die Entscheidung. Die hohe Anzahl von Finanzierungszusagen basiert auf der mit De Lage Landen bereits seit 2004 bestehenden partnerschaftlichen Zusammenarbeit. Lediglich in Ausnahmefällen sei mit einer detaillierteren Prüfung von Kennzahlen des zu finanzierenden Kunden zu rechnen. Für den Kunden stehe im Dialog immer Wacker Neuson an erster Stelle. „Er fühlt sich damit zu Hause und hat einen zentralen Ansprechpartner: Wacker Neuson“, erklärt Woelk.

Dentz[at]derTreasurer.de