Edelstahlschrotthändler KMR Stainless refinanziert Borrowing-Base-Fazilität

22.08.13 08:31

KMR-CFO Roland Mauss: „Wir leiden unter der derzeitigen Beurteilung der Stahlbranche“

Von Sabine Paulus

Der Edelstahlschrotthändler KMR Stainless hat seinen syndizierten Kredit zur Finanzierung von Beständen, Forderungen und sonstigem Umlaufvermögen refinanziert. Die allgemeinen Skepsis gegenüber der Stahlbranche hat die Verhandlungen mit den Banken nicht leichter gemacht, sagt CFO Roland Mauss.

Der Edelstahlschrotthändler KMR Stainless hat eine neue Borrowing-Base-Fazilität abgeschlossen.

KMR Stainless

Der Edelstahlschrotthändler KMR Stainless hat eine neue Borrowing-Base-Fazilität abgeschlossen.

Herr Mauss, Ihre neue dreijährige, revolvierende Borrowing-Base-Fazilität über 100 Millionen Euro war deutlich überzeichnet. Um wie viel konkret?
Der Kredit war um einen mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Betrag überzeichnet. Fast alle eingeladenen Banken haben sich mit den ihnen zugewiesenen Tickets verpflichtet.

Waren die Bankverhandlungen schwieriger als beim letzten Mal?
Der Bereich Stahl und Edelstahl wird derzeit etwas kritisch gesehen. Auch wir leiden unter dieser allgemeinen Beurteilung der Stahlbranche. Der Kommunikations- und Informationsbedarf an gewissen Stellen war durchaus ein anderer als in den vergangenen Jahren.

Inwiefern hat sich das auf Ihre Kreditkonditionen ausgewirkt?
Die Konditionen sind im Vergleich zu 2010 nicht teurer geworden und wir haben auch keine wesentlichen Änderungen bei den Kreditklauseln.

Aber es gibt sie?
Aufgrund unserer Aktivitäten in Asien, insbesondere in Thailand, gab es eine Anpassung: Der absolute Eigenmittel-Covenant ist nun höher, da eine Finanzierung von Anlagevermögen in Asien mit mehr Eigenkapital unterlegt werden muss. Zudem sind die thailändischen Bestandteile im Kredit de facto unbesichert, da sich das aufgrund des thailändischen Landesrechts nicht anders darstellen ließ.

Roland Mauss, CFO von KMR Stainless

Roland Mauss

Die HSBC war erneuter Bookrunner. Kam für Sie eine eigene Syndizierung in Frage? Man hat das in letzter Zeit häufiger gesehen.
Das würde aufgrund unserer personellen Kapazität keinen Sinn machen. Zudem ist die Kostenersparnis immer auch im Verhältnis zu den Gebühren zu sehen. Und da sich diese aufgrund unserer langjährigen Partnerschaft mit der HSBC auf einem sehr vernünftigen Niveau bewegen, ist das für uns keine Alternative gewesen. Die Reputation eines Bookrunners ist darüber hinaus auch nicht unerheblich für eine Syndizierung. Seine Meinung kann sich positiv auf den Prozess auswirken. Grundsätzlich ist eine eigene Syndizierung aber ein interessanter Ansatz, wenn man betrachtet, welche Leistungen im Rahmen einer Syndizierung erbracht werden. Eigenes Know-how aufzubauen macht aber nur Sinn, wenn man diese Erfahrung auch multiplizieren kann. Das ist bei uns aktuell auch nicht der Fall.

 

Es handelt sich immer noch um einen syndizierten Kredit mit integrierter Warenlagerfinanzierung und anschließendem Factoring. Wie groß ist das heutige Forderungsfinanzierungsvolumen?
Es liegt derzeit bei rund 180 Millionen Euro. Damit liegen wir ungefähr auf dem Niveau von 2008 als wir zum ersten Mal dieses Finanzierungskonzept aufgelegt haben. Aufgrund unseres Geschäftswachstums ist zwar die zu finanzierende Menge größer geworden, aber die Preise haben sich in die entgegengesetzte Richtung entwickelt. Die Rohstoffnotierungen, insbesondere von Nickel, sind schon seit einiger Zeit auf einem deutlich niedrigeren Niveau. Deshalb war es nicht erforderlich, das zu finanzierende Volumen aufzustocken.

Gerade auf der Angebotsseite gibt es im Stahlmarkt große Überkapazitäten. Wie wird sich der (Edel)stahlmarkt entwickeln?
Wir gehen davon aus, dass die Edelstahlnachfrage in diesem Jahr um 5,5 Prozent wachsen wird. Trotz dieser steigenden Nachfrage gibt es auf der Angebotsseite Probleme, wie immer wieder in der Presse zu lesen ist. Grund hierfür ist, unter anderem, dass unsere Abnehmer leider mit Niedrigpreisen agieren und dadurch Potential verschenken, einen höheren Ertrag zu erzielen. Das ist nicht gut, denn die grundsätzlich positiven Perspektiven, die ein weltweit stetig wachsender Edelstahlmarkt bietet, werden von der Öffentlichkeit und den Banken nicht so wahrgenommen.


Was bedeutet das für KMR Stainless? Wie sehen Ihre Wachstumspläne für dieses und das kommende Jahr aus?

Der Edelstahlmarkt in Europa befindet sich in einer sehr starken Konsolidierungsphase. Deshalb gehen wir für unser Europageschäft von einer Stagnation aus. Aber wir haben glücklicherweise schon ein starkes Standbein in Asien. Der Anteil am Gesamtumsatz liegt inzwischen bei 25 bis 30 Prozent. Den wollen wir weiter ausbauen, da wir uns dadurch noch unabhängiger von den europäischen Entwicklungen machen. Insgesamt planen wir in diesem Jahr um 4 bis 5 Prozent wachsen.

Welche aktuellen Projekte haben Sie nach der erfolgreichen Refinanzierung der Borrowing-Base-Fazilität nun noch auf der Agenda?
Ich habe seit vielen Jahren eine Vision, an deren Umsetzung wir weiter arbeiten werden: ein Konsortialfactoringansatz, bei dem nicht nur – wie bereits praktiziert – das Funding zwischen mehreren Factoringgesellschaften syndiziert wird, sondern auch die Kreditrisiken zwischen verschiedenen Partnern aufgeteilt werden. Wir sind relativ weit in der Strukturierung dieser innovativen Finanzierungsform, scheitern aber im Moment noch am Unwillen einer deutschen Kreditversicherung, die sich mit einem solchen Konzept seit sechs Jahren nicht anfreunden kann. Es ist nicht nachvollziehbar, warum eine Struktur, die seit Jahren im Bankensektor erfolgreich praktiziert wird, bislang nicht in der Forderungsfinanzierung umsetzbar ist.

Paulus[at]derTreasurer.de

Der neue syndizierte Kredit von KMR Stainless

Die KMR Stainless Holding, die unter dem Markennamen Oryx Stainless als weltweit tätiger Edelstahlschrotthändler agiert, hat eine dreijährige revolvierende Borrowing-Base-Kreditfazilität über 100 Millionen Euro abgeschlossen. Der neue syndizierte Kredit ersetzt eine bestehende Borrowing-Base-Fazilität, die zum Jahresende 2013 ausgelaufen wäre. Mit dem Darlehen finanziert KMR Stainless Bestände, Forderungen und sonstiges Umlaufvermögen.

HSBC Trinkaus agierte als Mandated Lead Arranger und Bookrunner. Die Commerzbank trat der Finanzierung als Mandated Lead Arranger bei. Lead Arranger waren die WGZ Bank und die Coöperatieve Rabobank Drechtsteden. Arranger waren die HSH Nordbank, die Norddeutsche Landesbank, Société Générale sowie die Stadtsparkasse Düsseldorf.