Neuer CFO kommt Anfang 2018

21.09.17 11:02

Knorr-Bremse-Treasurer: Börsengang als Highlight zum Karriereende?

Von Sabine Paulus

Knorr-Bremse-Eigentümer Heinz Hermann Thiele denkt laut über einen Börsengang des Bremssystemherstellers nach. Der IPO könnte ein Highlight zum Karriereende von Treasurer Sigurd Dahrendorf sein.

Sigurd Dahrendorf, Leiter Konzernfinanzierung bei Knorr-Bremse, ist seit mehr als 25 Jahren für den Bremssystemhersteller tätig.

Jens Küsters, München

Sigurd Dahrendorf, Leiter Konzernfinanzierung bei Knorr-Bremse, ist seit mehr als 25 Jahren für den Bremssystemhersteller tätig.

Bei Knorr-Bremse geht es im Moment Schlag auf Schlag: Nachdem sich der Bremssystemhersteller gerade erst von der geplanten Übernahme des schwedischen Wettbewerbers Haldex verabschiedet hat, an dem die Münchener über ein Jahr gearbeitet haben, sorgt jetzt Knorr-Bremse-Eigentümer Heinz Hermann Thiele für den nächsten Paukenschlag. Der 76-Jährige will den Münchener Bremssystemhersteller an die Börse bringen.

Wie Thiele gegenüber dem Handelsblatt erklärte, sei ein IPO des Familienunternehmens die „vorrangige Option“. Entsprechende Vorbereitungen laufen ihm zufolge schon. So stellen die Münchener unter dem scheidenden CFO Lorenz Zwingmann beispielsweise derzeit die Rechnungslegung von HGB auf IFRS um.

Knorr-Bremse könnte noch vor Sommerpause 2018 an die Börse gehen

Experten rechnen damit, dass Knorr-Bremse im kommenden Jahr an die Börse gehen wird, vielleicht sogar noch vor der Sommerpause. Eigentümer Thiele könne damit mindestens 4 Milliarden Euro erzielen, ohne die Kontrollmehrheit zu verlieren, glauben die Börsianer. Denn die Mehrheit an Knorr-Bremse soll dem Handelsblatt zufolge in der Familie bleiben. Im Moment halten Thiele und seine Tochter Julia Thiele-Schürhoff die Anteile an dem Bremssystemhersteller. Sohn Henrik hat erst vor wenigen Wochen seine Anteile an dem Familienunternehmen an seinen Vater verkauft.

Ein geplanter Börsengang ist damit eine mögliche Lösung, um jetzt die Nachfolge bei Knorr-Bremse zu regeln. Auch wenn Heinz Hermann Thiele im Moment noch nicht daran denkt, sich zur Ruhe zu setzen, und als Firmeneigentümer und Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats in alle wichtigen Entscheidungen eingebunden ist, dürfte er angesichts seines Alters von 76 Jahren langsam dazu gezwungen sein, eine Nachfolgelösung in die Wege zu leiten.

Sigurd Dahrendorf hat das Treasury bei Knorr-Bremse aufgebaut

Für Sigurd Dahrendorf, Leiter Konzernfinanzierung bei Knorr-Bremse, könnte der Börsengang noch ein Highlight zu seinem Karriereende sein. Dahrendorf ist seit mehr als 25 Jahren für Knorr-Bremse tätig und hat in dieser Zeit miterlebt, wie sich unter dem Unternehmer Heinz Hermann Thiele das Familienunternehmen vom Sanierungsfall zum Weltmarktführer für Bremssysteme bei Schienenfahrzeugen transformiert hat. Ab 1996 hat der heute 63-Jährige die Treasury-Abteilung aufgebaut. Im kommenden Jahr will Dahrendorf nach Informationen von DerTreasurer in den Ruhestand gehen.

Derzeit, insbesondere nach der Absage des Haldex-Deals, schlägt sich Dahrendorf mit seinem Luxusproblem herum: Das Familienunternehmen hatte zum Ende des Geschäftsjahres 2016 mehr als 1,7 Milliarden Euro an liquiden Mitteln zur Verfügung, die angelegt werden müssen. Damit könnten die Münchener ohne weiteres größere Akquisitionen aus Barreserven stemmen. Auch für die Aufnahme von Fremdkapital an den Anleihemärkten sind die Türen offen, wie eine Transaktion aus dem Jahr 2016 zeigte. Die Ratingagenturen Moody’s und S&P sehen Knorr-Bremse bei A2/A mit stabilem Ausblick.

Ralph Heuwing wird neuer CFO bei Knorr-Bremse

Zu Beginn des kommenden Jahres bekommt der erfahrene Treasurer nun auch einen neuen CFO. Der ehemalige Dürr-Finanzchef Ralph Heuwing übernimmt im Januar den CFO-Posten bei Knorr-Bremse. Heuwing ist am Kapitalmarkt bekannt und genießt einen guten Ruf, der auch bei einem Börsengang helfen dürfte.

Darüber hinaus kann sich das Familienunternehmen durch den IPO auch für künftige Zukäufe rüsten: „Ein Börsengang von Knorr-Bremse ist die richtige Option, wenn man eine fungible Währung in Form von Aktien haben will“, zitiert das Handelsblatt einen Investmentbanker. Der Kampf um den schwedischen Automobilzulieferer Haldex hat gezeigt, dass sich Knorr-Bremse an der Konsolidierung der Branche beteiligen will. Neben der gerade erst gescheiterten Haldex-Übernahme hat der Bremssystemhersteller im vergangenen Jahr noch sechs weitere – kleinere – Akquisitionen eingeleitet.

Paulus@derTreasurer.de

Ein ausführliches Interview mit Sigurd Dahrendorf ist in der Printausgabe 3/2014 erschienen, die Sie hier als E-Paper beziehen können.