Bremssystemhersteller zieht Konsequenzen aus Russland-Konflikt

10.10.14 08:00

Knorr-Bremse Treasurer: „Umdenken beim Rubel-Hedging“

Von Desiree Backhaus

Sigurd Dahrendorf, Leiter Konzernfinanzierung bei Knorr-Bremse, spricht mit DerTreasurer über Russland und das FX-Management des Bremssystemherstellers.

Sigurd Dahrendorf, Leiter Konzernfinanzierung bei Knorr-Bremse, spricht mit DerTreasurer

Jens Küsters, München

Sigurd Dahrendorf ist seit 1990 bei Knorr-Bremse. 1996 baute der Leiter Konzernfinanzierung die Treasury-Abteilung auf

In seinen 25 Jahren bei Knorr-Bremse hat Sigurd Dahrendorf schon einiges erlebt. Er hat den Wandel des Familienunternehmens vom Sanierungsfall zum Weltmarktführer für Bremssysteme bei Schienenfahrzeugen und Lkw miterlebt. Ab 1996 hat der heute 60-Jährige die Treasury-Abteilung aufgebaut. Schocken kann den erfahrenen Leiter Konzernfinanzierung nichts mehr, alarmieren aber sehr wohl: „Der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland beunruhigt uns“, sagt Dahrendorf.

Russland ist kein riesiger Markt für Knorr-Bremse: 2013 machten die Münchener dort nur etwa 110 Millionen Euro oder 2 Prozent ihres 4,3-Milliarden-Euro-Umsatzes. Doch Knorr-Bremse hat in Russland zuletzt kräftig investiert und ein Bremsventil eigens für russische Eisenbahnen entwickelt, das jetzt in die Vermarktung geht. Bräche der russische Markt weg, wäre das keine Katastrophe für das Unternehmen, aber schmerzlich.

Knorr-Bremse zieht Cash aus Russland ab

Dass es so weit kommt, damit rechnet Dahrendorf zwar nicht. Im Moment sei Knorr-Bremse noch nicht wesentlich von den Sanktionen betroffen. Seine Treasury-Abteilung bereitet sich dennoch auf das Worst-Case-Szenario vor: „Wir haben unser Cash in Russland zurückgefahren“, sagt er. Geld von außen werde keins mehr hereingepumpt, die Finanzierung erfolge inzwischen rein lokal. Darüber hinaus hat Knorr-Bremse alle konzernweiten Forderungen und Verbindlichkeiten mit dem russischen Partner weitestgehend ausgeglichen.

Auch die Entwicklung des Rubels beobachtet der Treasurer mit Sorge. Die russische Währung hatte gegenüber dem Euro wegen des Ukraine-Konflikts zuletzt stark abgewertet. Bislang betreibt Knorr-Bremse kein Rubel-Hedging. „Möglicherweise müssen wir hier bald umdenken“, räumt Dahrendorf nun ein.

Der Grund, warum Knorr-Bremse bisher auf die Absicherung mit Finanzinstrumenten verzichtet, ist simpel – und gilt auch für andere Währungen wie die indische Rupie oder den brasilianischen Real: „Die Zinsdifferenz ist in diesen Ländern zu groß, ein Forward daher kaum zu bezahlen“, sagt Dahrendorf. „Wenn wir das hedgen würden, müssten wir die Kosten dafür in unserem Preis unterbringen – und damit hätten wir einen massiven Nachteil gegenüber lokalen Wettbewerbern.“ Deshalb behilft sich Knorr-Bremse mit einer Preisklausel in den Verträgen mit den Geschäftspartnern: Wenn ein bestimmter Wechselkurs überschritten ist, werden die Preise angepasst: „Bei der Volatilität, die aktuell im Markt ist, überprüfen wir das im Moment quartalsweise“, sagt Dahrendorf. Abschreiben wolle man den russischen Markt in keinem Fall. Man hoffe auf eine baldige politische Lösung des Ukraine-Konflikts.


Backhaus[at]derTreasurer.de

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