Künftig mehr Hauptamt in den Verbänden?

18.08.15 08:04

Regulierungswut fordert Treasury-Lobbyisten heraus

Von Desiree Backhaus

Ob Emir, Finanztransaktionssteuer, Sepa oder PSD2: Corporate-Treasury-Aktivitäten sind immer häufiger direkt von Finanzmarktregulierungen betroffen. Die Lobbyarbeit von Treasury-Verbänden kann damit nicht immer Schritt halten.

Lobbyarbeit wird für das Corporate Treasury immer wichtiger, doch die Kapazitäten sind begrenzt

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Lobbyarbeit wird für das Corporate Treasury immer wichtiger, doch die Kapazitäten sind begrenzt.

Die Fülle der EU-Regulierungen, die Auswirkungen auf das Corporate-Treasury haben, ist kaum noch zu überblicken. Das gilt insbesondere für die zahlreichen Finanzmarktregulierungen, die die Europäische Union im Nachgang an die Finanzkrise angestoßen hat: So stellt etwa die Derivaterichtlinie Emir neue Anforderungen an das Hedging, die Regulierung zur Verbriefung mittelständischer Kredite und die Kapitalmarktunion beeinflussen die Unternehmensfinanzierung. Die Diskussion um die Finanztransaktionssteuer schwelt seit vielen Jahren; ebenso wie die Regulierung von Geldmarktfonds und anderer sogenannten Schattenbankaktivitäten. Hinzu kommen Regulierungen im Zahlungsverkehr wie Sepa und die Zahlungsdiensterichtlinie PSD2.

Lobbyarbeit gewinnt daher aus Treasury-Sicht an Bedeutung, um negative Effekte für die eigene Arbeit zumindest zu minimieren. Das stellt die für Interessensvertretung zuständigen Treasurer-Verbände vor Herausforderungen: Während die seit Jahren von Regulierung betroffenen Banken längst schlagkräftige Teams für das Lobbying zusammengestellt haben, sind die Kapazitäten im Treasury-Bereich begrenzt, die Regularien aber oft nicht minder komplex.

„Unter diesen Umständen ist es schwierig, mit allen Entwicklungen Schritt zu halten und die Bedeutung für das Corporate Treasury zu identifizieren“, räumt Jean-Marc Servat im Gespräch mit DerTreasurer ein. Der Schweizer ist seit Anfang Juli neuer Chairman des europäischen Treasury-Verbands EACT und Nachfolger von Richard Raeburn. Die Dachorganisation von 21 nationalen Treasurer-Verbänden in Europa auch die Lobbyarbeit koordinieren.

 

 

Treasury-Lobbyisten hadern mit ungenauen Formulierungen

Schwierig wird es laut Servat vor allem dann, wenn die Regulierungsvorhaben technisch extrem anspruchsvoll sind – wie etwa bei den Regeln zur Bewertung von OTC-Derivaten. Ebenfalls problematisch sind schwammig formulierte oder unvollständige Vorhaben: „Eine Regulierung könnte Corporate-Treasury-Aktivitäten indirekt betreffen, die Verbindung ist aber nicht immer offensichtlich“, sagt Servat.

Jüngstes Beispiel dafür ist die Definition des Begriffs Schattenbanken, unter die möglicherweise auch Corporate-Treasury-Aktivitäten fallen können. Darauf sind Lobbyverbände erst knapp drei Monate nach Veröffentlichung des entsprechenden Papiers aufmerksam geworden. Zunächst hatten sie schlicht keine negativen Konsequenzen für Treasurer erwartet.

Wie der EACT Lobbyarbeit betreibt und wie der deutsche Treasurer-Verband VDT mit dem Thema umgeht, das erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe unseres E-Magazins.

Backhaus[at]derTreasurer.de