Zweiter Green Bond für den Windenergieanlagenbauer

09.06.17 08:45

Senvion finanziert sich grün

Von Sabine Paulus

Senvion-Treasury-Chefin Susanne Ochernal spricht mit DerTreasurer über den neuen Green Bond und die angepasste revolvierende Kredit- und Avalkreditlinie des Windenergieanlagenherstellers.

Comeback: Seit dem 1. März 2017 arbeitet Susanne Ochernal wieder als Leiterin Corporate Finance und Treasury bei Senvion.

Senvion

Comeback: Seit dem 1. März 2017 arbeitet Susanne Ochernal wieder als Leiterin Corporate Finance und Treasury bei Senvion.

Es war die erste große Aufgabe nach ihrer Rückkehr zu Senvion (ehemals Repower Systems). CFO Manav Sharma hatte Susanne Ochernal  insbesondere für die anstehende Refinanzierung wieder an Bord geholt. Die Treasury-Chefin war bereits von 2006 bis 2015 bei dem Windenergieanlagenbauer tätig und hatte dort das Treasury aufgebaut, das inzwischen aus elf Personen besteht. Nachdem sie vor zwei Jahren eine neue Aufgabe bei der HSBC in Düsseldorf im Konsortialkreditgeschäft übernahm, arbeitet sie nun wieder seit dem 1. März dieses Jahres für die Hamburger. In den vergangenen zweieinhalb Monaten hatte die Treasury-Chefin einiges zu tun: Die Refinanzierung der Anleihe und des syndizierten Kredits standen an.

Beide Projekte sind bereits abgeschlossen. Der erste Baustein ist ein sogenannter Green Bond mit einem Volumen von 400 Millionen Euro. Das Papier läuft bis 2022 und wird jährlich mit 3,875 Prozent verzinst. Mit der Emission einer solcher Anleihe verpflichtet sich Senvion, Umwelt- und Klimaschutzprojekte oder andere „grüne“ Zwecke zu finanzieren. „Angesichts unseres Geschäftsmodells passt die Klassifizierung als Green Bond sehr gut zu uns“, sagt Ochernal.

Die Agentur DNV GL hat die Anleihe als „grün“ zertifiziert. „Die Zertifizierung lohnt sich, weil die Kosten angesichts der Vorteile überschaubar sind“, sagt die Treasury-Chefin. Der größte Vorteil eines Green Bonds liegt in der breiten Diversifizierung der Investorenbasis. Das Interesse, ein nachhaltiges Investment zu tätigen, sei gerade bei großen institutionellen Investoren in den vergangenen Jahren gestiegen, meint die Treasury-Chefin. Die Folge: „Unser Orderbuch war stark überzeichnet.“

Susanne Ochernal arbeitet wieder seit diesem Frühjahr für Senvion. Die Bankbetriebswirtin war bereits von 2006 bis 2015 bei dem Hamburger Windenergieanlagenhersteller tätig, wechselte aber vor zwei Jahren in den Bereich Financial Structuring & Advisory der HSBC in Düsseldorf.

Markt für Corporate Green Bonds ist noch jung

Der Green-Bond-Markt ist noch recht jung. Den ersten Corporate Green Bond hat der französische Energieversorger EDF im November 2013 begeben. Seitdem ist der Anteil der Corporate-Transaktionen an allen Green-Bond-Neuemissionen der DZ Bank zufolge bereits auf ein Drittel gestiegen. Dennoch machen Green Bonds den Bankexperten zufolge immer noch erst weniger als 0,2 Prozent des weltweiten Anleihemarktes aus.

Für Senvion ist die neue Anleihe bereits der zweite Green Bond. Mit der neuen Hochzinsanleihe refinanzieren die Hamburger die ebenfalls als Green Bond klassifizierte Anleihe über 400 Millionen Euro aus dem Frühjahr 2015. Drei Monate nach dem Buy-out durch den US-Finanzinvestor Centerbridge im Januar vor zwei Jahren hatte der Windenergieanlagenbauer diese Anleihe mit einem Kupon von stattlichen 6,625 Prozent pro Jahr und einer Laufzeit bis Mitte November 2020 begeben. „Das Pricing der alten Anleihe spiegelt die Investoreneinschätzung im Rahmen des Gesellschafterwechsels Anfang 2015 wider“, sagt Ochernal. „Es war markt- und auch situationsgerecht, aber wir hatten jetzt eine Rückkaufoption zum 15. Mai 2017, die wir mit der Aussicht auf deutlich bessere Konditionen auch genutzt haben.“

Mit 3,875 Prozent liegt der neue Kupon mehr als 40 Prozent unter dem alten, der zum Rücknahmepreis von 103,3 Prozent gekündigt worden ist. Senvion wird rund 15 Monate brauchen, bis sich diese Kosten amortisiert haben. Die Zielvorgabe, die sich das Senvion-Treasury-Team zu Beginn der Vermarktung der Anleihe für den Kupon gesetzt hatte, konnte eigenen Angaben zufolge unterboten werden. „Wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden“, sagt Ochernal. Senvion spart damit 11 Millionen Euro jährlich.

Senvion verhandelt Covenant bei Kredit heraus

Durch den zweiten Baustein der Refinanzierung kann der Windenergieanlagenhersteller – ceteris paribus – weitere 3 Millionen pro Jahr sparen. Denn Ochernal hat zusammen mit CFO Sharma die bestehende revolvierende Kredit- und Avalkreditlinie über insgesamt 950 Millionen Euro neu verhandelt und angepasst. „Wir konnten auf der bestehenden Kreditstruktur aufbauen und bei beiden Fazilitäten die Margen um jeweils 50 Basispunkte verringern“, sagt Ochernal. „Darüber hinaus ist es uns gelungen, einen Covenant herauszuverhandeln.“ Weitere Details zu den Konditionen nennt sie aber nicht.

Bei diesem zweiten Baustein handelt es sich um eine Art Hybridversion einer Amend&Extend-Transaktion: Neben der Verlängerung der Kreditlaufzeit konnte der Windenergieanlagenhersteller auch drei neue Banken ins Konsortium holen, obwohl Senvion zu keiner klassischen offenen Refinanzierung eingeladen hatte.

Der Hintergrund: Senvion will seine Absatzmärkte in Südamerika, unter anderem in Chile und in Argentinien, sowie in Asien, insbesondere in Indien, ausbauen. Norwegen und Irland sind ebenfalls spannende Märkte für den Windenergiehersteller. Dementsprechend wollen die Hamburger mit den Finanzierungspartnern zusammen arbeiten, die auch über Expertise in diesen Ländern verfügen. Doch für den Windenergieanlagenhersteller ist es kein Novum, neue Bankpartner an Bord zu holen: „In den vergangenen Jahren kam es bei jeder Refinanzierung auch zu kleineren Anpassungen in unserem Bankenkreis“, sagt die Treasury-Chefin.

Paulus[at]derTreasurer.de

DerTreasurer spricht mit den Treasury-Chefs über außergewöhnliche Transaktionen und neue Projekte. Auf der Themenseite „Treasurer im Interview“ erfahren Sie mehr über die Hintergründe – hautnah von den Experten.